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Das letzte Geld schnappen für den Sargdeckel

(Ein Beitrag von Ludwig der Träumer, 01.02.2017 / 01.02.0005) Es gibt eine alte Geschichte, die es immer wieder hochzuholen wert ist um den Irrsinn des Kapitalismus zu entlarven. Wie die weitergehen könnte, hat Roland in wunderschöner Weise beschrieben. Sie braucht keine Anmoderation. Die würde den wunderbaren Gedankenfluß nur stören.

„Längst sind die Reifenspuren des Touristen, einem erfolgreichen Manager, der einst sein Dorf besuchte, vom Regen weggespült – aber nicht die Gedanken des alten Mannes an das Gespräch. Unzählige Male nickte er in seinem knarrenden Schaukelstuhl ein und malte sich aus, was passieren würde, wenn einer im Dorf für die Idee des Managers empfänglich wäre. Was würde sich ändern? Wie könnte man diesen Wandel begleiten, so dass die Dorfgemeinschaft nicht eines Tages eine Kopie der westlichen Kultur werden würde, sondern ihre eigene Kultur bewahren könnte? Dem alten Mann war klar, dass er nicht alleine auf eine tragfähige Lösung kommen würde und so machte er sich auf, seine Erlebnisse in einer Geschichte zu verweben. Diese Geschichte ging von Lagerfeuer zu Lagerfeuer und so von Dorf zu Dorf…“ weiterlesen hier.

Wie ging es weiter mit dem scheinbar erfolgreichen Manager?

„Zurück in seiner Heimat, setzte er sogleich alle Hebel in Bewegung, seine selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Nicht alle seine Kollegen schätzten seine neue Einsatzbereitschaft, aber für die Manager über ihm war sein Verhalten Ausdruck dessen, was auch sie einst zum Erfolg führte. Die unbezahlten Überstunden häuften sich und die Arbeit wurde nicht weniger. Kaum konnte er einen kleinen Erfolg feiern, brach an anderer Stelle das Chaos los und er musste einspringen. Seine Fähigkeiten als ‚Feuerlöscher‘ wurden anerkennend zur Kenntnis genommen und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Beförderung anstand. Es sah sehr gut aus, hörte er von seinem direkten Vorgesetzten. Dann aber die bittere Enttäuschung. Statt seiner wurde der Mitarbeiter einer völlig wesensfremden Abteilung auf die Position gesetzt, die er längst im Geiste ausfüllte. „Da war wohl Vitamin-B im Spiel!„, hörte er seine Kollegen sagen und „Mach Dir nichts draus, beim nächsten Mal klappt‘s!„ Für ihn aber brach eine Welt zusammen. Über ein Jahr hatte er sich abgeschuftet und nun das! Das war der Augenblick, in dem sein Körper versagte und auf den kalten Marmorboden aufschlug.“ weiterlesen hier.

Genauso eine Situation erlebe ich z. Zt. mit einem lieben Freund, der in einem großen Konzern Kariere macht. Sechszehn Stunden Arbeitstag. Am Wochenende Fitneßtraining oder Kontaktpflege mit Gleichgesinnten. Die Familie bekommt alles aus dem Versandhaus „Ich schrei vor Glück“ zur Ruhigstellung. Schon zweimal hat es ihn ohne? Grund einfach umgeschmissen. Der Betriebsarzt machte ihn wieder fit. Er ist schließlich ein wichtiges Bindeglied um die Anweisungen der Konzernleitung zur Profitsteigerung nach unten zu delegieren – durchzupeitschen. Inzwischen ist er durch Pillen von einem drahtigen liebevollen Kerl zu einem Fettwanstzombie geworden. Wie lange der noch durchhält, weiß ich nicht. Gingen wir früher durch dick und dünn, so ist er heute für einen Looser wie mich im Wohnwagen nicht mehr erreichbar.

Das Einzige, das ich noch für ihn tun kann, ist mir schon mal Gedanken zu seiner Grabrede machen. Vermutlich nicht. Die wird ein Etagenmanager halten. Die Familie lebte schließlich ‚gut‘ von dem Ernährer. Die würde meine Grabrede als Nestbeschmutzung ablehnen. Es sind also nicht nur die Karieregeilen, die den Karren vor die Wand fahren, sondern auch die Familienmitglieder.

Die erste Hälfte des Lebens versaut dir die Schule und die Verwandtschaft, die zweite Hälfte versaust du dir selbst, indem du sie weiterpflegst.

Bildquelle: http://www.sackstark.info/


2 Kommentare

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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  2. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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