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Die neoliberale Indoktrination

Da reiben wir uns hier auf und machen eine vierzehnteilige Artikelserie (https://bumibahagia.com/?s=www&submit=), um nachzuweisen, daß die aktuelle sogenannte „bürgerliche Wirtschaftswissenschaft“ aka „Ökonomie des Kapitalismus“ auf völlig falschen Grundannahmen beruht und verlogen ist bis dorthinaus, und da kommt so ein Wahrnehmungsvorscher daher und meint, daß das doch alles schon längst bekannt sei und auch gar nicht wichtig, denn mit Argumenten sei da eh gar nichts zu machen – mir hat’s fast die Schuh ausgezogen. (zum Glück hatt ich keine an)
Aber extrem lehrreich ist es doch, deshalb gern hier das etwas ausführlichere Appetit-Häppchen und darunter der Link zum ganzen Gespräch.
Dank an den Wächter für den Hinweis! 😉
Luckyhans, 19.01.2016
———————————

Die neoliberale Indoktrination

Verantwortlich:

Der Neoliberalismus ist als Gesellschaftsideologie ein Phänomen. Nicht nur macht er den Armen und Schwachen weis, sie wären an ihrem Elend selbst schuld. Er schafft es auch, dafür zu sorgen, dass das wahre Ausmaß der gesellschaftlichen Armut kaum je an die Öffentlichkeit dringt; dass das Gesundheitssystem trotz immer höherer Ausgaben immer inhumaner wird; dass die Soziale Arbeit erodiert und kaum jemand etwas hiergegen unternimmt; dass mittels Stiftungen ein regelrechter „Refeudalisierungsboom“ im Lande tobt und Investoren inzwischen auf die Privatisierung des öffentlichen Bildungssystems abzielen. Zur Frage, wie den Menschen mittels geeigneter Psychotechniken der Geist vernebelt wird, um Widerstand gegen diese unmenschliche Ideologie weitestgehend unmöglich zu machen, sprach Jens Wernicke mit dem Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher Rainer Mausfeld.



Herr Mausfeld, Sie haben als Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher vor Kurzem unerwartet so etwas wie ein wenig Berühmtheit erlangt, als ein Vortrag von Ihnen zur Frage „Warum schweigen die Lämmer?“ auf YouTube plötzlich auf immense Nachfrage stieß. Fast 200.000 Menschen haben ihn inzwischen gesehen und es werden nach wie vor mehr. Wie erklären Sie sich die immense Nachfrage nach ihm?

Die Resonanz hat mich überrascht. Denn in der Form ist der Vortrag recht trocken und bisweilen auch akademisch. Inhaltlich versuche ich lediglich, einige Fakten aus einer bestimmten Perspektive in eine innere geistige Ordnung zu bringen. Vielleicht wird dies ja als hilfreich empfunden, da in der Flut fragmentierter Informationen, mit der wir gerade im gesellschaftlich-politischen Bereich konfrontiert sind, die Sinnzusammenhänge mehr und mehr verlorengehen und uns dadurch die Möglichkeit zu einer eigenständigen Meinungsbildung erschwert oder gar genommen wird.

Wie kam es denn zu diesem Vortrag?

Der Vortrag, der einige Themen aufgreift, die ich auch in Veranstaltungen des Psychologiestudiums anspreche, war nur für einen kleinen Kreis von Studenten und Freunden gedacht. Thematisch gehört der Vortrag ja nicht zu meinem Arbeitsbereich, der Wahrnehmungs- und Kognitionsforschung. Die Gemeinsamkeiten meines Arbeitsbereichs und des gesellschaftspolitischen Themas des Vortrags liegen denn auch weniger auf einer inhaltlichen als auf einer denkmethodologischen Ebene. Denn in der Grundlagenforschung wie im Bereich des Gesellschaftlich-Politischen können wir uns nur dann ein Stück Autonomie gegenüber dem jeweiligen Zeitgeist bewahren, wenn wir bei jedem Thema zunächst fragen, aus welchem ideengeschichtlichen und historisch-gesellschaftlichen Hintergrund es sich entwickelt hat und welche stillschweigenden Prämissen und welche verborgenen Vorurteile bereits in der Formulierung eines Themas oder einer Frage enthalten sind.

Zu einem solchen “Hinterfragen“ sind wir alle von Natur aus befähigt, man muss sich nur entschließen, von dieser Befähigung auch Gebrauch zu machen – das war ja gerade die Leitidee der Aufklärung. Das ist oft mühsam und bedarf der Übung, doch empfinden wir häufig ein Gefühl der Befriedigung, wenn wir den Sinnzusammenhang der Dinge besser verstehen.

Und Übung braucht übrigens auch wieder Zeit, wodurch verständlich wird, warum es bezüglich der Fähigkeiten, Lügen und Manipulationen zu durchschauen, große gesellschaftliche Disparitäten gibt…

Genau. Gerade in dieser Hinsicht haben Wissenschaftler eine besondere gesellschaftliche Verpflichtung. Sie sind geübt in der Beschaffung von Informationen und im Umgang mit Informationen. Sie verstehen zumeist, ihr Wissen in Rede und Schrift zu vermitteln. Und sie sind, oder sollten eigentlich, schon aus beruflichem Ethos der Wahrheit verpflichtet sein. Daraus ergibt sich eine gesellschaftliche Verantwortung, sich nicht zu scheuen, sich nötigenfalls auch mit der Macht und den ihr dienenden Ideologien anzulegen.

Die Realität sieht leider anders aus. Das liegt natürlich auch, nicht nur an den Universitäten, an den Karrieremechanismen. Verständlicherweise stoßen gerade im gesellschaftspolitischen Bereich ein Aussprechen der Wahrheit und die Konsequenzen unserer natürlichen Neugierde und Freude an Autonomie nicht bei allen auf Begeisterung. Wenn wir nämlich die Dinge besser verstehen, könnte es ja passieren, dass wir beginnen, Fragen zu stellen, die den Status des jeweiligen Establishments gefährden könnten.

Daher hat in jeder Gesellschaft und in jedem Bereich einer Gesellschaft das Establishment ein Interesse daran, dass Ausbildungsinstitutionen und Medien die Möglichkeiten eines Erkennens von Sinnzusammenhängen in geeigneten Grenzen halten. Fragmentierung – ob durch bildungsbürgerliches Wissen, durch eine PISA-orientierte Schulausbildung, durch ein “kompetenzorientiertes“ Studium oder durch Medien – ist also in diesem Sinne keineswegs Zufall, sondern ein beabsichtigter Prozess, eine Art Herrschaftsinstrument.


Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer? – Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements“


Hat die Bologna-Reform an den Hochschulen dieses Problem womöglich noch weiter verschärft? Ich hatte vor einigen Jahren einmal auf den NachDenkSeiten argumentiert, die aktuellen Reformen seien wohl selbst als Herrschaftsinstrument beziehungsweise Etablierung neuer Herrschaftsmechanismen im Bildungsbereich zu verstehen…

Ja, das hat sie, und zwar in einem Umfang und mit einer Systematik, wie wohl kein anderes Ereignis in der Geschichte der Bildung und Ausbildung. Im Gefolge der neoliberalen “Revolution von oben“ wurde auch das gesamte Bildungssystem ökonomischen Kategorien unterworfen. Die Aufgabe der Universität besteht nun in der marktkonformen Produktion von “Humankapital“.

Dazu korrespondierend besteht die Aufgabe der Studierenden darin, ihre “Fremdverwertbarkeitskompetenz“ zu optimieren, um so flexibel auf dem Arbeitsmarkt verwertbar zu sein. Die Verinnerlichung einer solchen Haltung und die Unterwerfung unter sie werden dann als “Selbstverwirklichung“ bezeichnet. Eine solche Pervertierung der Idee einer Entfaltung eigener Neigungen und Fähigkeiten führt zwangsläufig zu geistiger und psychischer Fragmentierung der Studierenden und auch zu großen Zukunftsängsten. Beides beeinträchtigt aus naheliegenden Gründen die Möglichkeit und die Bereitschaft, Dinge zu hinterfragen und führt zu Entpolitisierung, ja, politischer Lethargie…

Das Gefühl von politischer Ohnmacht, oft verbunden mit latenter Verzweiflung oder gar Wut, scheint allerdings nicht nur unter Studierenden weit verbreitet zu sein, sondern aktuell geradezu zu grassieren; in fast jedem Milieu…

Ja, und das ist auch kein Wunder. Denn das Ausbildungssystem ist nur ein Aspekt der sehr viel weitreichenderen und tiefergehenden aktuellen Indoktrinationssysteme. Da diese im Wortsinne inhuman sind, also Zielen dienen, die der Natur unseres Geistes und somit der Natur des Menschen zuwiderlaufen, gehen sie fast zwangsläufig mit gewaltigen psychischen Folgekosten einher.

Diese Indoktrinationssysteme könnte man als neoliberale Indoktrinationssysteme bezeichnen. Der Neoliberalismus zielt ja gerade darauf, Konsumenten zu produzieren, die in einer sozial atomisierten Gesellschaft nur noch als Konsumenten eine soziale Identität finden. Im pervertierten Freiheitsbegriff des Neoliberalismus bezieht sich die “Freiheit“ einer Person darauf, dass sie sich den Kräften des “freien Marktes“ zu unterwerfen hat, also von allen gesellschaftlichen und sozialen Banden “befreit“ und somit sozial und gesellschaftlich entwurzelt ist. Scheitert sie auf dem “Markt“, so darf sie dafür nicht gesellschaftliche Verhältnisse verantwortlich machen, sondern muss dies ihrem individuellen Versagen zuschreiben. Eine solche Haltung kann sie jedoch nur um den Preis psychischer Deformationen, insbesondere sozialer Ängste und Depressionen, einnehmen.

Durch entsprechende Indoktrinationssysteme kann man Menschen auch ohne Knebel zum Schweigen und zum Verstummen bringen, sie ihrer “gesunden“ Gegenwehr gegen krankmachende Verhältnisse weitestgehend berauben.

Wie es der gute Bert Brecht einmal sagte: „Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten“…

Nicht nur das. Man kann einen Menschen auch auf verschiedene Arten beeinflussen, ängstigen, manipulieren, verschrecken und dazu bringen, sich Einflüssen zu unterwerfen, die seinen vitalen Interessen diametral entgegenstehen. Nur, dass das eben nicht folgenlos bleibt.

Es wurde ja schon früher aufgezeigt, dass der Kapitalismus ein besonders hohes Maß psychischer Störungen mit sich bringt. Für die Gegenwart haben Richard Wilkinson und Kate Pickett dies in ihrem Buch „Gleichheit ist Glück“ noch einmal akribisch anhand einer Fülle quantitativer Daten aufgezeigt.

Gesellschaftlich verursachte Störungen wendet der Neoliberalismus nun aber perverserweise gegen das Individuum selbst, das nun dem Zwang unterworfen wird, sich durch geeignete Maßnahmen selbst besser fremdverwertbar zu “gestalten“. Das gilt für jede Art von Verhalten, das unverträglich mit der gewünschten Rolle eines Konsumenten ist.

Daher finden wir mit wachsendem Einfluss neoliberalen Denkens auch eine zunehmende Tendenz zu Disziplinierungsinstrumenten, etwa eine Tendenz zum “therapeutischen Staat“ und auch ein Anwachsen einer privaten Gefängnisindustrie. Unter allen Nationen weltweit sitzt in den USA der höchste prozentuale Anteil der Bevölkerung im Gefängnis. Die US-Bevölkerung macht 4,4 Prozent der Weltbevölkerung aus, stellt jedoch 22 Prozent aller Gefangenen weltweit.

Da der Neoliberalismus nur in dem Maße wirkmächtig sein kann, wie es ihm gelingt, Menschen ihren eigenen Interessen und ihren sozialen Zugehörigkeiten zu entfremden, benötigt er geeignete Disziplinierungsinstrumente, um die psychischen und sozialen Folgen dieser Entfremdung unter Kontrolle zu halten.

Lassen Sie uns kurz zu den Kategorien Ihrer und unserer Kritik sprechen. Was genau verstehen Sie denn eigentlich unter „Neoliberalismus“? Was meint, was beschreibt das für Sie?

Neoliberales Denken entstammt vielen und sehr heterogenen Quellen. Als eine einheitliche ökonomisch-gesellschaftliche Konzeption gibt es “den“ Neoliberalismus nicht. Es gibt jedoch den politisch organisierten und wirkmächtigen Neoliberalismus, also den real existierenden Neoliberalismus.

Dessen ideologische Konzeption lässt sich relativ leicht als das charakterisieren, was von den Eliten in den Medien – unterstützt durch propagandistische Think Tanks wie die Bertelsmann-Stiftung, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, das Institut der deutschen Wirtschaft und andere – und durch die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten verbreitet wird. Die Codewörter hierfür sind hinreichend bekannt; typische Beispiele für den neoliberalen “Neusprech“ sind: „Liberalisierung“, „Reformen weiter treiben“, „Bürokratie abbauen“ oder „Austerität“.

Dieser Ideologie sucht man einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben durch geeignete „ökonomische Theorien“, wie sie in den Seminarräumen wirtschaftswissenschaftlicher Fakultäten dargeboten werden. Diese Theorien beruhen aber auf theoretischen Absurditäten, auf Gebilden einer letztlich durch Umverteilungsbedürfnisse getriebenen intellektuellen Phantasie. Nämlich der Phantasie eines sich rational selbstregulierenden, “freien Marktes“, auf dem das Fiktionswesen Homo oeconomicus agiert – also der rationale und nutzenmaximierende Mensch, der über Kenntnisse aller denkbaren Entscheidungsoptionen verfügt und zugleich alle Konsequenzen seines Handelns überschauen kann.

Da die fundamentale Unangemessenheit einer solchen Konzeption des menschlichen Geistes für jeden, dessen Blick nicht ideologisch getrübt ist, sofort erkennbar ist, deklariert man diese Konzeption als ein idealisiertes mathematisches Modell, das dann den Vorteil hat, alle offenkundigen Diskrepanzen zur Realität mit der Geschmeidigkeit scholastischer Denkgebäude durch geeignete Zusatzannahmen in sich aufnehmen zu können.

Als ökonomische Theorie weist der Neoliberalismus so viele interne Widersprüche und Inkonsistenzen auf, dass er längst daran hätte zugrunde gehen müssen – er ist eine Art intellektueller Pathologie. Das wurde von ökonomischen Experten wieder und wieder aufgezeigt. Jüngst haben Philip Mirowski – in seinem Buch „Untote leben länger: Warum der Neoliberalismus nach der Krise noch stärker ist“ – und Wendy Brown – in „Die schleichende Revolution: Wie der Neoliberalismus die Demokratie zerstört“ dies noch einmal rekapituliert und aus unterschiedlichen Perspektiven aufbereitet. Aber auch hier wird wohl der Effekt wieder nahe bei Null liegen, denn der Neoliberalismus ist völlig immun gegen Argumente, ihm genügt es, dass er politisch wirkmächtig ist.

Da hat die Wissenschaft, zumindest in diesem Bereich, ja offenbar die Rolle übernommen, die früher von der Kirche ausgeübt wurde: Wissenschaft als Religionsersatz. Im Dienste der jeweils materiell herrschenden Macht und deren ideologischer Legitimation… Können Sie für die genannten Widersprüche denn bitte ein konkretes Beispiel ausführen? Was meinen Sie genau?

Nun, der fundamentale Widerspruch, zumindest im real existierenden Neoliberalismus, ist der zwischen dem in der neoliberalen Rhetorik so vielbesungenen “freien Markt“ und der Tatsache, dass der Neoliberalismus vor nichts eine größere Angst hat als vor einem wirklich freien Markt. Der “freie Markt“ ist nur für die ökonomisch Schwachen, ob Personen oder Staaten, gedacht, während die ökonomisch Starken, insbesondere Großkonzerne, durch staatliche Interventionen vor ebendiesen Kräften zu schützen sind. Der Neoliberalismus benötigt also für seine eigentlichen Ziele, nämlich die einer Umverteilung und beständigen Akkumulation, ganz wesentlich den starken Staat, der die “Marktfreiheit“ in seinem Sinne reguliert.

Ein Beispiel mit gravierenden Folgen sind die Agrarsubventionen. Die USA und die EU subventionieren ihre Landwirtschaft mit etwa 1 Milliarde Dollar pro Tag. Würden die reichen Länder diese Eingriffe in den „freien Markt“ abbauen, könnten die Entwicklungsländer ihre Agrarexporte um mehr als 20 Prozent und das Einkommen der ländlichen Bevölkerung um etwa 60 Milliarden Dollar pro Jahr erhöhen – ein Betrag, der größer ist als die gesamte Entwicklungshilfe der EU. Hinzu kommen Einfuhrbeschränkungen und andere Hürden, durch die die EU und die USA ihre Märkte gegen Importe aus Entwicklungsländern abschotten. Zugleich wird armen Nationen das Recht genommen, ihre Wirtschaft selbst zu gestalten. Die armen Länder müssen sich der „Marktdisziplin“ unterwerfen und ihre Märkte für transnationale Konzerne öffnen, für die sie dann ein Reservoir billiger Arbeitskräfte und Rohmaterialien werden, die reichen Länder betreiben Protektionismus. So sieht die Realität des „freien Marktes“ aus.

In der Tradition neoliberalen Denkens gibt es jedoch auch Varianten, die die Idee des freien Marktes wirklich ernst nehmen und jede Art staatlicher Intervention ablehnen, etwa Murray Rothbard oder in dessen Gefolge Walter Block und Hans-Hermann Hoppe. Diesen neoliberalen Denkern zufolge stellen auch Kinder nur eine Form von Eigentum dar und dürften somit auf dem freien Markt verkauft werden; zudem dürfe der Staat Eltern beispielsweise keine rechtliche Verpflichtung auferlegen, ihr Kind mit Nahrung zu versorgen.

Diese Denksysteme mögen – sieht man einmal von der Beliebigkeit und Absurdität ihrer Prämissen ab – als intellektuelle Übungsaufgabe eine gewisse innere Konsistenz aufweisen. Sie sind insofern lehrreich, als sie die Idee eines durch keine moralischen “Hemmnisse“ begrenzten, radikal freien Marktes zu ihrer logischen, zutiefst inhumanen Konsequenz führen. Nicht einmal die Reichen würden in einer solchen Dystopie einer Gesellschaft leben wollen.

Kurz: Der real existierende Neoliberalismus ist eigentlich seit je intellektuell bankrott. Dennoch ist er – als eine Art “Hausphilosophie“ der Reichen und Großkonzerne – politisch äußerst wirkungsmächtig.

Es gibt Neoliberalismus-Kritiker, wie Jamie Peck, die der Auffassung sind, dass der Neoliberalismus sein Gehirn schon lange verloren hat und sich nur seine Glieder noch reflexartig und zunehmend erratisch über den Globus bewegen. Zwangsläufig müsse er dabei immer autokratischere Züge annehmen.

Es gibt ja mittlerweile in dem globalen neoliberalen Feldexperiment reiche Erfahrungsdaten, die zeigen, dass der Neoliberalismus nicht nur die von ihm deklarierten Ziele – wie etwa Wachstum zu erzeugen oder den allgemeinen Wohlstand zu erhöhen – verfehlt. Besonders in der sogenannten Dritten Welt, und zunehmend auch in Europa, sind seine Folgen offenkundig. Jean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, stellt dazu fest: „Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen – die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in gut einem Jahr.“

Der Neoliberalismus erzeugt weltweit ein Desaster nach dem anderen. Aus jedem Desaster kommt er jedoch – in scheinbar paradoxer Weise – gestärkt hervor und wird sogleich wieder als “Therapie“ empfohlen. Offensichtlich nährt der Neoliberalismus nicht nur Krisen, sondern er nährt sich geradezu von Krisen und schlägt dabei noch aus seinen inneren Widersprüchen und Inkonsistenzen Kapital. Das wirft interessante Fragen nach seinen eigentlichen Zielen auf. …“

(weiterlesen bitte hier)


12 Kommentare

  1. Garten-Amselina sagt:

    Danke SEHR für diese Hin-Weise !!!
    Endlich kurz und bündig klar !
    und schlüssig nach-voll-zieh-bar !
    Gruß und Dank auch an Jens !!!
    *JaH!*

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  2. […] ist noch unbekannt. Ein anderes Beispiel ist die sog. Ökonomische Wissenschaft, die sich selbst Neoliberalismus nennt, wo einige falsche Grundannahmen dazu führen, daß – selbst bei richtigem Weiterrechnen – […]

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  3. Vollidiot sagt:

    Hat nicht schon Solon vor über 2600 Jahren in Athen die Schuldkechtschaft abgeschafft, eine Währungsreform durchgeführt und den reichen Sippen hohe Steuern auferlegt.
    Offenbar wirkte das auf einen kleinen Teil der Griechen nachhaltig, bis heute.
    Sowas will man nie wieder.
    Und das auserwählte Volk achtet diese Erkenntnisse.
    Nach soviel Jahrhunderten ist eine Elite der selbsternannten Auserwählten bald da, wo, wie es einer der Ihren formulierte, ihnen bald die Reichtümer der Welt gehören.
    Mit dem Blut von zig Millionen wurden/werden von dieser Elite die eigenen Reichtümer generiert.
    Das technokratische Mittel dazu ist heute der „neoliberale“ Ansatz.
    Sie dient den Oligarchen (die diesen Titel verdienen) als Religion zur Vernebelung und Durchsetzung ihrer Ziele.
    Gestützt auf willfährige Regimes (Britannien, BRD, Franz usw. also in aller Regel Demokratien!!) helfen sie neben der materiellen Verarmung auch die geistige Dürre zu verbreiten und durchzusetzen.
    Gigantische Hungersnöte waren und sind ein Mittel und diese sind konsequenter Weise auch zu erwarten.
    Solange sie selber nicht ihr Handwerk gelegt bekommen, wird sich nichts ändern.
    Heinrich Mann sprach 1945 im Zusammenhang mit dem Kriegsende(!!) davon, daß man in Deutschland nicht ruhen sollte bis dieser Zustand verwirklicht sei.

    Wo ist der Solon für die BRD (oder für andere Staaten) heute?
    Heute würde er schon vor der Verwirklichung seiner Vorhaben, nach lautem Zetern der demokratischen Opposition, abgestochen.
    Das ist moderne „Demokratie“ mit all ihren, ganz schlicht, satanisch umgewerteten, Werten.

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  4. luckyhans sagt:

    @ Volli:
    Das Ganze jetzige funzt aber nur, weil die Massen die ganzen 2600 Jahre systematisch indoktriniert worden sind – Ergebnis siehe oben im Artikel und im Vortrag.
    Ausweg1:
    den Massen begreiflich machen, was da läuft – leider viel zu viel Zeit dafür erforderlich, und hinzu kommt, daß es die Abkopplung der Massen von „ihren“ Indoktrinations-Massen-Medien als Voraussetzung hat – wozu nicht genug Menschen bereit sind – Fußball und Klatsch sind vielen wichtiger – also kein Ausweg, sondern ein Umweg.
    Ausweg2:
    eine „eigene“ Natur-Religion ausbauen – leider ist ein „Ergebnis“ wie weiland bei JC abzusehen – außerdem widerstrebt es, die Massen mit geistigem Opium zu „begeistern“- also auch kein Ausweg, sondern ein Umweg.
    Ausweg3:
    eine Möglichkeit finden, unter Umgehung (ohne mühsame Beseitigung) aller indoktrinierten Leersätze die Menschen zu einem naturrichtigen Tun zu bewegen – bewußt und zielbewußt – dazu ist das Ziel hinreichend plastisch (zwecks Visualisierung auch der „Details“) auszugestalten – das wird gerade hier probiert… 😉

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  5. luckyhans sagt:

    Falls jemand noch einen weiteren Nachweis benötigt: http://www.antikrieg.com/aktuell/2016_01_18_das.htm

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  6. Vollidiot sagt:

    Luck

    Gehört zum „Naturrichtigen“ neben der sichtbaren Natur auch so etwas wie der in der „Natur“ wirksame Geist?
    Und sollte dieser nicht etwas intensiver mit einbezogen werden?
    Oder fällt das unter „geistiges Opium“.
    Ist geistiges Opium nicht das, welches uns als geistiges Opium dargeboten wird, um nicht das nicht leicht Zugängliche zu vernebeln oder als Blödsinn abzutun? Wer sich ablenken läßt und auf die entsprechende Argumentation eingeht und das Thema damit abhakt, der ist schon auf den Leim gegangen.
    Nur weil ein besonders kluger Herr mal von „Opium für’s Volk“ sprach, sollte man sich nicht auf dieses Opium der Kirchen fixieren, sondern versuchen dahinter zu schauen.
    Es gibt durchaus Leute, die zu dieser Thematik einen Zugang hatten und solches auch mitteilten.
    Und viele sind so manipuliert, daß bei dem Reiz „Augustinuns“ oder „H.v. Bingen“ die Reaktion „Opium“ sich auslöst.

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  7. luckyhans sagt:

    @ Volli:

    Selbstverständlich gehören zum naturrichtigen Leben der Respekt und die Ehrfurcht vor dem Leben – vor ALLEM Leben.
    Und da Materie immer nur in Bewegung existieren kann, und da Bewegung auch immer Leben bedeutet, ist NATÜRLICH auch der stets mit der Materie verbundene Geist da einbezogen… 😉

    Und natürlich ist der Geist (der eine) weit mehr als Einzelne erfassen können, daher versteht sich der Respekt vor JEDEM Wesen und seinen Ansichten auch von selbst – egal ob sichtbar, erkannt, bewußt oder was auch immer. Keiner (außer vielleicht dem Geist selbst) weiß alles, und deshalb ist keiner „schlauer“ als ein anderer…
    Und wenn ich für mich Religionen und Ideologien als nicht substanziell erkannt habe, dann ist das meine „Wahrheit“ – und hat auch mit Glauben nichts zu tun. Jeder Mensch glaubt sowieso das, was er meint als „richtig“ erkannt zu haben, und da kann niemand von außen etwas dran ändern.

    Genau deshalb geht es um innere Veränderungen in den Menschen, die anzuregen und -stupsen sind… 😉

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  8. Texmex sagt:

    @Luckyhans zu Auswege resp. Umwege
    Dein Ansatz wird nicht funktionieren, wenn Du darauf setzt, die „Massen“ in irgendeine Richtung zu bewegen, egal wohin. Das haben die Huetchenspieler ja gerade 5776 Jahre lang obermuehsam und blutgetraenkt exerziert und sind noch dabei.
    Der Umsturz wird von „ganz oben“ kommen (muessen). Das hindert natuerlich NIEMANDEN selbst fuer sich initiativ zu werden. Die Orientierung an der Natur hilft dabei ungemein. Ebenso hilft eine Analyse, wie( Lug und Trug) und mit welchen Mitteln (Zinsbeschiss, Krieg, Hunger, Erpressung) sie zu all dem kamen. Eine Rueckeroberung der materiellen Welt wird somit zwar moeglich aber langwierig. Die geistige Welt sollte vorher erobert werden. Nur wer die Deutungshoheit hat, hat eine Chance auf Erfolg. Um die aber zu erreichen, musst Du in der Lage sein, die 4. Analyseebene (SOD) zu erreichen. Du verstehst jetzt meinen Beitrag zum Liechtenstein?

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  9. luckyhans sagt:

    @ TM:
    Niemand will „Massen“ in irgendeine „Richtung bewegen“ – mein Ansatz ist, Menschen, Individuen, zum inneren Umdenken und Anders-Tun anzuregen. Und weil dies nun mal nur jeder für sich alleine durchführen kann, muß es auch bei Anregungen und sanften Stupsern bleiben.
    Was die Hintertanen seit über 6000 Jahren machen, ist etwas ganz anderes: sie manipulieren Massen entgegen deren ureigenen Interessen.
    Das nur zur Klarstellung.

    Das andere ist soweit verständlich, aber was da mit dem Beitrag zu FL gemeint ist (was ist SOD?) und so, daß erschließt sich mir nicht.
    Was ich dazu gelesen (!) hab (Fürst): da steckt mir viel zu viel manipulatives drin – das muß erstmal gesäubert werden von solchen Einflüssen – dann kann man es betrachten und Schlüsse ziehen.

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  10. Texmex sagt:

    Ich habe doch zum Thema ein mMn umfangreiches Mail geschickt.

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  11. luckyhans sagt:

    @ TM:
    … ist noch nicht bis zu mir gelangt. Bitte an veden {add} freenet {puntk} deeh dubben – danke.

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  12. […] die sehr klugen und betont sachlichen Analysen des Herrn Prof. Mausfeld hingewiesen, zum Beispiel hier und hier -wer das noch nicht kennt, dem seien diese beiden Gespräche erstmal ans Herz gelegt. […]

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