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Von den Gräueln des Krieges in Syrien / Die Sicht der Tagesschau

In und bei Aleppo sei es nicht nur wegen Bomben gefährlich. Wer hätte das gedacht, die Leute dort laufen mit Spielzeugflinten rum, habe ich bis heute gemeint.

Ein sympathischer Aufständischer gibt zu wissen, dass die Russen ihre Bomben genauer platzieren als das von anderer Seite bislang der Fall gewesen sei. Alles klar. Der Aufständische steht gegen was auf? Die vormals ungenaue Bombardierung hat welche Ziele zerstört? Die Russen zerstören welche Ziele?

Kämpfer zeigen Bomben. Ein Modell sei eine russische Streubombe, welche oft nicht explodieren, welche dann doch ihresgleichen umbringen. Tut mir leid, ich kann nicht ganz folgen. Nicht explodierende Bomben bringen Kämpfer um?

Uebergangslos kommt dann ein anderes Geschoss ins Bild, welches offenbar auch nicht explodiert ist. Solche Bomben töten Ihresgleichen, sagt der Aufständische. Diese Bombe nun ist ein wirkliches Beweisstück für die heutigen Untaten der Russen, denn sie hat deutliche Altersrunzeln, dürfte Jahrzehntelang schon rumgelegen haben. 

Als Drittes dann wird ein kleiner Fallschirm gezeigt, welcher eine Aufschrift hat, welche belegt, dass er russischer Herkunft ist. Nun, wozu das. Dass die Russen heute bombardieren, ist unbestritten. Ich als Laie habe allerdings noch nie von Bomben mit Fallschirmen gehört. Von Leuchtmunition mit Fallschirmen schon. Aber lassen wir das dahingestellt. In Syrien bombardieren die Russen also mit Fallschirmgeschossen.

Des weiteren werden zerbombte Häuser gezeigt und es wird gesagt, dass das Assad-Regime solche, von Rebellen beherrschte Stadtteile in Trümmer lege. Vielleicht trifft das zu. Der Kommentar suggeriert, dass das Assad-Regime ursächlich am gesamten Elend schuld sei. Solcherlei müsste genauer unter die Lupe genommen werden. Was wie warum von wem wurde der Stadtteil zerstört.

Solche Stadtteile werden von Scharen verlassen, wird gesagt. Das Bild zeigt 13 junge Männer und 5 Frauen auf einem LkW. Es kann sein, dass die Gezeigten Flüchtlinge sind, doch wage ich die Frage: Sehen Flüchtlinge so aus?

Unser Reporter könne nur mit versteckter Kamera filmen, denn islamistische Al Nusra Kämpfer würden immer mächtiger werden. Implizit soll das wohl heissen, dass Al Nusra Kämpfer nicht wünschen, dass das Geschehen gefilmt werde. Ich suche nach einer Erklärung. Wäre ich Rebell, der für eine gute Sache und gegen ein schlechtes Regime kämpft, würde ich jeden Reporter vom Ausland willkommen heissen und mein Anliegen in die Welt schreien wollen. Die logische Folgefrage, was denn Al Nusra Kämpfer gegen Publizität haben, wird nicht angeschnitten.

Sodann wird eine zerbombte Moschee gezeigt und gesagt, russische Bomben seien es gewesen. Ich kann nicht ausschliessen, dass das der Wahrheit entspricht. Es wird jedoch kein sachlicher Hinweis geliefert, welcher diese Behauptung erhärtet. Der Stolz, mit dem der Einheimische die Ruine zeigt, lässt mich zweifeln. Mischen sich da Russen ein und zerbomben mir ein so wichtiges Bauwerke, ich würde als Einheimischer oder als Freund des Einheimischen weinen oder wäre gühend vor Wut, wenn ich es der Kamera erzählte. Aber Muslime ticken wohl anders?

Der Filmkommentator betont, dass Berichterstatter immer nur eine einseitige Sicht präsentiert bekommen. Das trifft zu, es kann nicht anders sein. Warum kommen dann im Film keine Gegendarstellungen? Ich unterstelle: Dieser Einwurf soll lediglich dazu dienen, die Seriosität der Berichterstattung hervorzuheben.

Einige Kämpfer werden gezeigt. Es sind normale Menschen, sie sprechen in besonnener Art. Sie planen für morgen eine neue Attacke. Man sieht saubere Hände und saubere Gewehrpatronen. Einer sagt, sie haben ihre Taktik geändert und sich an die russischen Angriffe gewöhnt, wie an so Vieles. Das Leben geht weiter. Man reitet eine Attacke, das sagt man so, wie wenn man morgen auf den Markt gehen würde, nein, es klingt ritterlich, so wie Aug‘ in Aug‘, indes…. was für Feinde haben diese Aufständischen, wenn sie vor einer Attacke so gelassen sind? Und dann noch: „Man hat sich daran gewöhnt“, gemeint sind die Bomben der Russen. Subtext: Unser Kämpfen ist nichts Besonderes, etwa so wie Bohnen stecken oder eine Wurst grillen. Wer attakiert werden soll und mit was für Gräueln das mit absoluter Sicherheit verbunden ist, wird nicht mal angetönt. Seltsam, alles.

Wuscheliges Bett, Männer liegen da, man sieht das Display des Händis und er sagt, dies hier sei seine Frau. Da drehe ich nun komplett ab. Waren schon in den ersten 2,5 Minuten lauter wohlgenährte, freundlich ruhig sprechende, sympathische, gesunde Menschen zu sehen, jetzt auch noch Idyll auf dem Bett, indes „rundum die Bomben einschlagen“, so der Kommentator. Deutlicher geht es nimmer. Krieg ist schon schlimm (Bomben), aber wirklich schlimm ist er nicht. Die Bomben sind „rundum“. Sie sind virtuell. Sie betreffen Menschen nicht. Die Darstellung ist exakt auf den europäischen Sofapupser zugeschnitten. Er kann sagen „schlimmschlimm“ und zur Tagesordnung übergehen, denn das Schlimme war in der so wahren Berichterstattung ja nur „rundum“.

Genussvoll liegend und rauchend nun der Kämpfer, der strahlend auf den Schiessprügel zeigt und zu wissen gibt, dass dies seine Braut sei und Putin, der sei ein Teufel, er schwöre es, Putin sei ein Teufel. Da haben wir es wieder. Der Kämpfer ist vielleicht ein bisschen einfach gestrickt, doch geht es ihm prima, und was er zu tun gedenkt, das hat eine noch primanere Begründung: Putin ist ja ein Teufel. Da ist es doch logisch, morgen wieder eine „Attacke“ zu starten, oder etwa nicht? Attacke gegen wen? Ach ich Doof, schon vergessen, gegen Putin natürlich. Stellt sich die Frage, wer stellvertretend für Putin morgen erschossen werden wird.

Zu guter Letzt noch sieht man ein Auto rückwärts einparken mit dem Hinweis des Kommentators, dass es in Sicherheit gebracht werde, weil da nämlich eine Drohne grad komme, und dann, in gut weit grosser Ferne, der Lichtblitz einer Bombe. Ganz interessant. In Syrien funzt Akustik anders. Die Bombenexplosion erklingt gleichzeitig mit dem zu sehenden Lichtblitz.  Und ein wievieltes Mal in nur 2,5 Minuten kriegt man serviert: Krieg ist schrecklich, doch schrecklich ist er nicht.

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Eine „Berichterstattung“, welche sogar ein so schlichtes Ding wie Bombenlichtblitz – Explosionsknall zinkt, was ist davon zu halten? Eine Drohne höre man sich nähern, und schnell schnell wird ein Auto in Sicherheit gebracht. Die Leute dort verfügen über unglaubliche Handlungsgeschwindigkeit. Dieser Schuss der „Berichterstattung“ bildet die Krönung an Leerlauf.

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Mich würde interessieren, was mein Landsmann Kurt Pelda ausser den gezeigten Ausschnitten auch noch gefilmt hat. Das müssen Stunden von Filmmaterial sein. Es kann gut sein, dass er, der Journalist vor Ort, sein Herzensblut eingesetzt hat, um wirkliche Information nach Europa zu bringen. Man hat aus dem Material ein Gutenachtgeschichtchen herausgeschnitten und mit ach so seriös vorgetragenen, jedoch subtil irreführenden Texten unterlegt.

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Warum ich mir die Mühe nehme, solcherlei Elaborat zu analysieren? Weil Macht und Ohnmacht wie auch Wahrheit und Lüge zwei mich begleitende Themen in meinem Leben sind. Zudem ist Analyse meinem Wesen eher fremd. Mich darin zu üben fasziniert mich umso mehr. Geübte Leute des Fachs könnten von diesem Filmchen wohl noch ganz Anderes erzählen.

Ich unterstelle: Die Gestalter der Sendung missbrauchen ihre Macht. Sie zeigen: Dort herrscht Krieg. Im Krieg, da sind wohlgemute Männer. Na ja, ein Gebäude ist zerstört, und eine Moschee auch noch. Es ist aber alles etwa so, wie wenn ich ins Büro zur Arbeit gehe, lediglich habe ich einen Schiessprügel umgehängt.

Was das Tun dieser Männer bewirkt…es wird auch nicht mal angedeutet. Was in Syrien wirklich geschieht…kein Hinweis. Na ja, ein ferner Lichtblitz. Eine saubere russische Kampfmaschine, eine schön fliegende Bombe. Was das bedeutet…kein wirklicher Hinweis. Warum der russische Jet dort überhaupt erscheint…kein Hinweis. Wer Gegner der Aufständischen ist, warum er überhaupt Gegner ist…kein Hinweis. Ueberhaupt, was hat die gezeigten Menschen dazu bewegt, „Attacken“ zu machen?

Ein nicht reflektierender, gutmütiger Zuhörer lässt sich über den Tisch ziehen. Die Gestalter der Sendung spielen mit Wahrheit und Lüge. Sie zeigen Reales. Das Reale ist streng selektiert. Und das Reale wird mit Text unterlegt, so dass Syrien in der Vorstellung des Hörers in weite Ferne rückt, denn: Krieg ist eigentlich ganz lustig.

thom ram, 11.11.2015

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5 Kommentare

  1. luckyhans sagt:

    Da es im Netz eine Reihe von „Kampfvideos“ der „Rebellen“-Terroristen gibt, auf denen fröhliche junge Männer mit scheinbar unbegrenztem Munitionsvorrat laufen und um irgendwelche Ecken schießen und nie jemand getroffen wird, sowie als Kontrast zum o.g. Lügenfilm hier einige Videos vom „Kriegsschauplatz“.

    Zuerst die Antwort auf den Beschuß der russischen Flugzeuge

    Dann ein nicht ganz erfolgreicher Einsatz eines Panzers der Terroristen

    Hier wird ein Terroristen-Pickup mit aufmontierter Kanone ausgeschaltet

    Angeblich soll in diesem Video eine neue russische Waffenentwicklung gezeigt sein, welche im beschossenen Gebiet dazu führt, daß nacheinander sämtlicher Sprengstoff explodiert, d.h. Handgranaten, Minen usw.

    Hier in Angriff mit einer Stinger/Igla auf einen russischen Helikopter, der allerdings unversehrt bleibt

    Und hier dazu die Erklärung – eine russische Neuentwicklung (nach den vielen Hubschrauber-Verlusten in Afghanistan), welche die Hubschrauber mit einer elektronischen Schutzhülle versieht, die entweder die Raketen ablenkt oder sie in ungefährlicher Entfernung detonieren läßt

    Weitere Videos auf der Duröhre kann jeder selbst ansehen – oft sagen Bilder mehr als gelogene Worte…

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  2. luckyhans sagt:

    Und hier eine Seite mit einem Video, das auf der Duröhre inzwischen gelöscht wurde (https://www.youtube.com/watch?v=yz4hU4phoGs) – es zeigt eine Kolonne von ca. 200 ISIS-Toyotas mit aufmontierten Waffen, welche – o Wunder – von einem Apache-Kampfhubschrauber – natürlich ohne Hoheitszeichen – eskortiert wird.
    http://tvzvezda.ru/news/vstrane_i_mire/content/201511121337-936h.htm

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  3. luckyhans sagt:

    Zu den Hintergründen der Terrororganisation, die in den qualitätsfreien Medien immernoch neidisch „Islamischer Staat“ genannt wird: http://quer-denken.tv/index.php/mfv-tv/1846-isis-die-drahtzieher-finanziers-im-hintergrund

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  4. luckyhans sagt:

    Und hier ein Beitrag, der sich mit den ARD-Inhalten zu einem anderen Thema befaßt – mit ähnlich bedrückendem Ergebnis:
    https://deutsch.rt.com/inland/35442-russlandberichterstattung-von-ard-aktuell-/
    Es bleibt dabei: am besten ABSCHALTEN!

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  5. thomram sagt:

    Kann nur beipflichten.
    Wenn ich in der CH bin, dann lese ich das Gratisblättchen „20Minuten“ allmorgendlich. Es dauert bloss drei Tage, dann bin ich in dieser Welt. Da ein Kataströphchen, dort ein Sportler, der schneller oder verletzt ist, da ein Heiratsantrag und dort hat ein Politiker nichts gesagt…und gut ist, es ist eine Art der Einlullung erster Qualität.

    Hier tu ich es mir an, so einmal alle zwei Wochen in FAZ oder NZZ oder so reinzukucken. Es ist, so von aussen kommend, thematisch inhaltlich von aussen kommend, jedesmal eine knallende Ohrfeige in mein Gesicht. Für wie idiotisch blöd hält man mich, so eine Anhäufung von Nichtssagendem oder Erlogenem zu lesen. Doch auch hier gilt: Läse ich täglich diese Elaborate, schnell fände ich, die Welt sei so, wie sie gezeichnet wird, so im Stile „schlimmschlimm, aber man kann nix tun und so schlimm nun auch wieder nicht“.

    Abschalten und abbestellen. Ja.

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