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Die Erklärung von Delphi

Daß Griechenland „nur“ der aktuelle Präzedenzfall für weitere Maßregelungen „sich nicht genehm verhaltender“ europäischer Regierungen und Länder ist, dürfte nach der Beraubung der Bevölkerung von Zypern, durch die internationalen Banken wohl jedem klar geworden sein.
Das was dort geschieht, könnte recht bald alle anderen Völker in dieser institutionellen Bürokraten-Diktatur ereilen – es betrifft uns daher ganz direkt.

Deshalb möchte ich allen den Beitrag auf www.antikrieg.com als Herz legen, der diese Erklärung von Delphi betrifft – die Erklärung selbst übernehmen wir hier im Wortlaut.

„DIE DEKLARATION VON DELPHI

Über Griechenland und Europa

Verfasst von den Konferenzteilnehmern

Europäische Regierungen, europäische Institutionen und der IWF üben jetzt in enger Zusammenarbeit, wenn nicht überhaupt unter der direkten Kontrolle von großen internationalen Banken und anderen Finanzinstitutionen maximalen Druck einschließlich offener Drohungen, Erpressung sowie einer Rufmord- und Terror-Kommunikationskampagne gegen die vor kurzem gewählte griechische Regierung und gegen das griechische Volk aus.

Sie fordern von der gewählten Regierung Griechenlands, das „Sanierungsprogramm“ und die angeblichen „Reformen“ fortzusetzen, die im Mai 2010 diesem Land auferlegt worden sind, angeblich um ihm zu „helfen“ und es zu „retten.“

Als Resultat dieses Programms hat Griechenland die bei weitem größte wirtschaftliche, soziale und politische Katastrophe in der Geschichte Westeuropas seit 1945 erlebt. Es hat 27% seines Bruttoinlandsprodukts verloren, was mehr ist als die materiellen Verluste Frankreichs oder Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Der Lebensstandard ist steil abgefallen, das System der sozialen Wohlfahrt ist so gut wie zerstört, die Griechen haben gesehen, wie Rechte, die im Lauf eines Jahrhunderts durch Kämpfe errungen worden sind, zurückgeholt wurden. Ganze soziale Schichten wurden völlig zerstört, mehr und mehr Griechen stürzen sich von ihren Balkonen, um ein Leben voller Elend und Hoffnungslosigkeit zu beenden, jede talentierte Person verlässt das Land, wenn sie kann.
Die Demokratie wurde unter der Herrschaft einer „Troika,“ die als kollektiver Wirtschaftsmörder agiert, eine Art von Kafkas „Gericht,“ in eine reine Formalität umgewandelt in genau dem Land, in dem sie geboren wurde! Die Griechen erleben jetzt dasselbe Gefühl der Unsicherheit in Bezug auf alle Basisnotwendigkeiten ihres Lebens, das die Franzosen 1940 erlebt haben, die Deutschen 1945 und die Sowjets 1991.
Im selben Zeitraum wurden die beiden Probleme, gegen die sich dieses Programm angeblich richten sollte, nämlich die Staatsschulden Griechenlands und die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft, massiv verschärft.

Jetzt verweigern europäische Institutionen und Regierungen sogar das vernünftigste, elemementare, kleinste Zugeständnis an die Athener Regierung, sie verweigern sogar die geringste gesichtswahrende Formel, wenn es möglich wäre. Sie wollen eine totale Unterwerfung von Syriza, sie wollen ihre Demütigung, ihre Vernichtung. Indem sie den Menschen Griechenlands jeden friedlichen und demokratischen Weg aus ihrer sozialen und nationalen Tragödie verweigern, stoßen sie Griechenland in ein Chaos, wenn nicht in einen Bürgerkrieg.
Übrigens wird in diesem Land schon jetzt ein nicht erklärter sozialer Krieg von „niedriger Intensität“ geführt, besonders gegen die Ungeschützten, die Kranken, die Jungen und die sehr Alten, die Schwachen und die Unglücklichen. Ist das das Europa, in dem unsere Kinder leben sollen?

Wir wollen unsere völlige, vorbehaltlose Solidaridät zum Ausdruck bringen für den Kampf des griechischen Volkes für seine Würde, für seine nationale und soziale Rettung, für seine Befreiung von der inakzeptablen neokolonialen Herrschaft, die die „Troika” einem Land Europas auferlegen will.
Wir verurteilen die illegalen und inakzeptablen Abkommen, die aufeinanderfolgende griechische Regierungen unter Drohungen und Erpressung zu unterzeichnen gezwungen wurden, unter Verletzung aller europäischen Verträge, der Charta der Vereinten Nationen und der griechischen Verfassung.
Wir fordern die europäischen Regierungen und Institutionen auf, ihre unverantwortliche und/oder kriminelle Politik gegenüber Griechenland jetzt zu beenden. Wir fordern sie auf, sofort ein großzügiges Unterstützungsprogramm einzurichten, um die wirtschaftliche Situation Griechenlands wiederherzustellen und sich der humanitären Katastrophe entgegenzustellen, die sich in diesem Land bereits entfaltet.

Wir appellieren auch an alle europäischen Völker, zu erkennen, dass das, was in Griechenland auf dem Spiel steht, nicht nur griechische Löhne und Pensionen, griechische Schulen und Krankenhäuser, sondern das Schicksal einer historischen Nation, in der die Idee „Europa“ selbst geboren worden ist. Was in Griechenland auf dem Spiel steht, sind die spanischen, italienischen, ja sogar die deutschen Löhne, Pensionen, Sozialleistungen, ja das Schicksal des europäischen Sozialstaats, der europäischen Demokratie, Europas selbst.
Hört auf, euren Medien zu glauben, die euch die Fakten sagen, nur um dann ihre Bedeutung zu verdrehen, überprüft selbst, was eure Politiker und eure Medien sagen. Diese versuchen die Illusion von Stabilität zu schaffen und haben sie geschaffen. Ob Sie in Lissabon oder in Paris, in Frankfurt oder in Stockholm leben, Sie werden denken, dass Sie in relativer Sicherheit leben. Sie sollten nach Griechenland schauen, um die Zukunft zu sehen, die Ihre Eliten für Sie vorbereiten, für alle von uns und unsere Kinder.
Es ist viel leichter und intelligenter, sie jetzt zu stoppen, als das später sein wird. Nicht nur die Griechen, sondern alle von uns und unsere Kinder werden einen enormen Preis zahlen, wenn wir unseren Regierungen gestatten, die soziale Schlachtung einer ganzen europäischen Nation abzuwickeln.

Wir appellieren besonders an das deutsche Volk. Wir gehören nicht zu denen, die den Deutschen immer ihre Vergangenheit vorhalten, die sie in einer „niedrigen“ zweitklassigen Position halten, um den „Schuldfaktor“ für ihre zwielichtigen Ziele zu nutzen. Wir schätzen sehr die organisatorischen und technischen Fähigkeiten des deutschen Volkes, seine erwiesenermaßen demokratische und besonders ökologische und seine Sensibilität in Hinblick auf den Frieden.
Wir wollen und wir brauchen das deutsche Volk als einen der wichtigsten Vorkämpfer beim Aufbau eines anderen Europas, eines prosperierenden, unabhängigen, demokratischen Europas in einer multipolaren Welt.

Die Deutschen wissen besser als alle anderen in Europa, wohin blinder Gehorsam gegenüber verantwortungslosen Führern führen kann und in der Vergangenheit tatsächlich geführt hat. Wir brauchen ihnen das nicht beizubringen. Sie wissen besser als alle anderen, wie leicht es ist, eine Kampagne mit triumphalistischer Rhetorik zu beginnen, nur um dann inmitten von Ruinen zu enden.
Wir laden sie nicht ein, unserer Meinung zu folgen. Wir verlangen einfach von ihnen, sich gründlich die Meinung von solch distinguierten Anführern wie zum Beispiel Helmut Schmitt durch den Kopf gehen zu lassen, wir verlangen von ihnen, auf den größten deutschen Dichter der Moderne Günter Grass zu hören, auf die schreckliche Prophezeiung über Griechenland und Europa, die er wenige Jahre vor seinem Tod abgegeben hat.

Wir appellieren an euch, die Menschen Deutschlands, eine derartige „Faust”-Allianz zwischen den deutschen politischen Eliten und der internationalen Finanzelite zu unterbinden.
Wir appellieren an die Menschen Deutschlands, ihrer Regierung nicht zu gestatten, damit fortzufahren, den Griechen genau das anzutun, was die Alliierten den Deutschen nach ihrem Sieg im Ersten Weltkrieg angetan haben.
Lasst nicht zu, dass eure Eliten und Führer den gesamten Kontinent und damit letztendlich auch Deutschland in ein Herrschaftgebiet der Finanzelite umwandeln!

Mehr denn je benötigen wir dringend eine radikale Neustrukturierung der Schulden Europas, benötigen wir seriöse Maßnahmen zur Kontrolle der Aktivitäten des Finanzsektors, einen „Marshallplan“ für die europäische Peripherie, ein mutiges Umdenken und den Neustart eines Projekts Europa, das sich in seiner derzeitigen Form als unhaltbar erwiesen hat.
Wir müssen jetzt den Mut finden, zu handeln, wenn wir unseren Kindern ein besseres Europa hinterlassen wollen, nicht ein Europa, das in Trümmern liegt, in ständigen finanziellen oder sogar offenen militärischen Konflikten unter seinen Ländern.“

Der Original-Text in englisch findet ihr hier:
http://www.unz.com/mhudson/the-delphi-declaration/

———————————
Luckyhans, 28. Juni 2015


5 Kommentare

  1. gabrielbali sagt:

    Zitat: „Lasst nicht zu, dass eure Eliten und Führer den gesamten Kontinent und damit letztendlich auch Deutschland in ein Herrschaftgebiet der Finanzelite umwandeln!“

    Ist das nicht schon laengst geschehen?

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  2. Ohnweg sagt:

    Die Lösung liegt doch auf der Hand! Weg von Europa und weg vom abhängigen Finanzsystem. Und dann eine Ordnung herstellen die auf Sachwerten basiert und nicht auf Luftblasen. Das bedeutet weitgehende Autarkie unter Aufgabe einer Turbowirtschaft. Griechenland hat Oliven, Schafskäse, Wein und die Meeresfrüchte. Das sollte vorerst genügen. Denn die Gebäude stehen ja noch. Ausserdem sollte es als historischer Vorreiter der modernen Demokratie wieder einmal diesen Begriff auf den Prüfstand stellen und ihn runderneuern. Eine schöne Aufgabe die diesem Volk ziemt. Ihre Kinder und Enkel werden es der heutigen Griechengeneration danken.

    Ausserdem macht mich der Fingerzeig auf Deutschland etwas stutzig. Was für eine Wunde soll da wieder aufgemacht werden? Das zeigt mir, dass die griechische Regierung nicht unabhängig handelt. Da steckt System dahinter.

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  3. luckyhans sagt:

    @ Ow:
    Leider sind die Menschen in Griechenland durch die Sparzwänge der EU-Komm./IWF/Weltbank soweit schon verarmt und demoralisiert, daß es sehr schwer wird, sie zu motivieren, wenn nicht bald der Ausstieg aus der EU gelingt. Der allerdings nicht möglich ist, solange es in der Nato ist…

    Und der „Fingerzeig“ zeigt nur, daß die Taktik, die VSA-besetzte Brd als „Deutschland“ hinzustellen und als eigenständig, zumindest teilweise schon durchschaut wird, denn man wendet sich an das deutsche Volk – wobei weder Schmitt noch Grass eine Referenz bilden können, da gebe ich Dir recht, denn sie sind beide Pro-System-„Denker“. Aber jeder Weg beginnt mit einem ersten Schritt… 😉

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  4. luckyhans sagt:

    @ Gab-i:
    Natürlich hast Du recht – aber die Einsicht, daß es innerhalb das Systems keine Lösungen für die heutigen Miseren gibt, muß bei vielen Menschen erst noch wachsen – man klammert sich massenhaft an die Lüge, daß der Kapilismus zwar nicht vollkommen sei, aber das beste, was wir bisher hatten… 😉

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  5. luckyhans sagt:

    Noch eine Ergänzung zur Lage: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59145 – da öffnet sich langsam aber sicher für alle sichtbar die Fratze der EU-Diktatur: wenn einer nicht will, wie die Bürokraten, sondern sein Volk fragen,
    dann wird er einfach ausgeschlossen und hat weder Mitspracherecht noch erfährt er, was die anderen ohne ihn beschließen.
    Feine „Demokratie“!

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