bumi bahagia / Glückliche Erde

WWW (8) – Das BSP / das BIP

Das WWW steht in diesem Falle für Wirklichkeitsnahe Wirtschafts-Wissenschaft – zwecks besserem Verständnis der nicht immer nachvollziebaren Denkweise der meisten aus-gebildeten Ökonomen soll hier Punkt für Punkt gezeigt werden, daß die heutige sog. „Bürgerliche Ökonomie“ in ihren Grundlagen voller Widersprüche steckt, nebst einigen Vorschlägen, wie es vielleicht besser zu machen wäre.
Dabei geht es weniger um eine Kritik des Wirtschaftssystems als solchen, sondern vor allem um eine kritische Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Erfassung und Darstellung desselben.
Gelernte „Wirtschaftler“ (BWL, Finanzen, VWL) sind eingeladen, die Argumente und Schlußfolgerungen zu prüfen und mit ihrem Lehrwissen in Beziehung zu setzen. Sie dürfen sich jedoch nicht scheuen, in ernste Konflikte mit ihren bisherigen angelernten Überzeugungen zu kommen, denn für die Folgen solcher Konflikte können wir keine Haftung übernehmen.
Euer Lucky

Das Bruttosozialprodukt oder das Bruttoinlandsprodukt sind in der bürgerlichen Ökonomie der Maßstab für die Wirtschaftsleistung eines Landes oder Landesteils.

Es wird für vielfältige Vergleiche herangezogen – nicht nur für Wirtschaftsleistung, sondern auch für den Wohlstand (BIP pro Kopf der Bevölkerung) und andere Vergleichsmaßstäbe.

Oft werden auch die „Zuwachsraten“ des BIP als wichtiges „Konjunkturbarometer“ betrachtet.

Nun könnte man ja meinen, das seien alles rein statistische Werte, und wenn da vielleicht auch mal Äpfel mit Birnen zusammengezählt werden, dann sei das ja immernoch irgendwie unter „Obst“ zu vereinnahmen.
So ist es leider nicht.

Das BIP und seine Zuwachsraten sind nämlich für die sog. Rating-Agenturen (da muß irgendwann jemand einen dicken Schreibfehler gemacht haben und sich nie getraut, ihn wieder zu berichtigen: es kann doch nur „Rate-Agenturen“ heißen, oder?) die wesentlichen Kriterien, nach denen sie weltweit die verschiedenen „Volkswirtschaften“ vergleichen und einstufen – von AAA bis „Ramsch“ – was ganz konkrete meßbare Folgen in der unterschiedlichen Höhe der Zinsen auf die vom „Staat“ aufgenommenen Kredite („Staatsverschuldung“) hat.

Schon fast anekdotisch – nein, eher lächerlich – ist auch der bekannte Beschluß der EU, ab 1. Januar 2015 in den Mitglieds“staaten“ in das BIP auch die Schwarzarbeit und weitere illegale „Wirtschaftsleistungen“ mit einzubeziehen: in Italien die Mafia-Aktivitäten, also Menschenhandel, Prostitution, Produktfälschungen etc., in England und anderswo auch die „staatlichen“ Forschungsausgaben, in der BRD Schwarzarbeit und Warenschmuggel, überall Geldwäsche, Rauschgifthandel u.s.w.

Da für diese „Wirtschaftszweige“ naturgemäß exakte Zahlen für Umsätze, Gewinne etc. fehlen – so kooperativ ist die Mafia trotz aller Verflechtungen mit der EU nun auch wieder nicht -, ist man dort auf Schätzungen angewiesen – was für den erfahrenen Bürokraten ein weites und hochinteressantes Betätigungsfeld eröffnet.

Wir werden uns also demnächst, wenn die aktuellen Quartalszahlen 2015 verkündet werden, über sich wundersam erholende Volkswirtschaften mit „unerwartet hohen“ Wachstumsraten zu wundern haben – dank der schöpferischen Anwendung von Kriterien, wie das BIP zu berechnen sei.
Aber das ist nur eine Randerscheinung – so unsinnig sie uns auch erscheinen mag.

Denn der Fehler liegt im Grundsätzlichen – in denselben Berechnungs-Kriterien, aber „von Hause aus“.

Das BIP ist nichts weiter als die einfache Addition aller Umsätze aller Unternehmen, die in dem betrachteten Land tätig sind.
Dabei werden produktive, aufbauende, wertschöpfende Leistungen genauso aufsummiert wie destruktive, abbauende, wertzerstörende Leistungen. Und letztere werden nicht etwa mit einem Minuszeichen versehen – nein: alles ist „Leistung“.

Es werden also nicht nur Äpfel und Birnen, sondern auch Kartoffeln, Steine, daraus hergestelltes Gesteinsmehl und Kartoffelschalen etc. aufsummiert…
Mit anderen Worten: wir haben es hier mit einer reinen „Tonnen-Ideologie“ zu tun – „je mehr desto besser“.

Von einem sorgsamen Umgang mit den Naturressourcen: keine Spur – im Gegenteil.
Je mehr Natur verbraucht wird, desto mehr BIP, desto besser „für alle“.
(denn wir haben ja gerade gehört, wie wichtig ein hohes BIP und hohe Zuwachsraten sind – für das „Raten“, pardon, „Rating“)

Auch die sog. „Entsorgung“ ist heutzutage ja (noch) keine Wertschöpfung, da sie nicht in Kreislaufprozesse integriert ist, sondern am Ende immer auf unnatürliche „Endlagerung“ oder Verbrennung (Täuschbegriff „thermische Entsorgung“) wertvoller Rohstoffe hinausläuft.

Wenn also falsche Kennwerte zur Bewertung herangezogen werden – was Wunder, daß auch Rüstungsausgaben und Krieg plötzlich zur „Wirtschaftsleistung“ beitragen und „Wachstum“ vorgaukeln (sollen), obwohl sie per se keine Wertschöpfung darstellen KÖNNEN

Wir sehen hier, daß immer deutlicher wird, wie die Grundlagen der Betrachtung falsch sind oder gefälscht werden – mit klaren Konsequenzen.
Und das Ganze wird dann „wissenschaftlich“ genannt…

Sollten euch also in den nächsten Monaten plötzlich „erstaunlich robuste“ Wachstumszahlen oder eine verringerte „Staats“verschuldung in der Presse präsentiert werden, dann achtet bitte darauf, daß dies immer im Bezug auf das (im Wortsinne) „hochgeschätzte“ BIP passieren wird.

P.S. sinnvoll wäre es zum Beispiel, wenn man unbedingt einen solchen „qualitätsfreien Massenparameter“ benötigt, die aufbauenden Prozesse mit positivem und die abbauenden Prozesse mit negativem Vorzeichen einzurechnen – allerdings würde dann eine vollständige Kreislaufwirtschaft (nach dem Vorbild der Natur) stets eine NULL „produzieren“… 😉


1 Kommentar

  1. […] bei 20% (zum Vergleich: 1999 hatten die VSA 20,4%, die EU 19,9%); das sowjetische BIP betrug 10% vom Welt-BSP. Im selben Jahr 1975 betrug das Nationaleinkommen der UdSSR 60 – 65% vom […]

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