I .
Es strömt der frühe Herbst
In meine Sinne;
Noch ist er’s nicht, es treiben
Blätter nicht von hoher Zinne
Der Gipfel. Riesensäulen ragen
Noch mit ihren dunkel grünen
Dächern aus Waldbeständen
Zwischen feinem Nadelvolk
Hervor. Doch Wolkenspuren
Zeigen weißgefleckte Schäfchen
Aus windverliebten Schleiern
Über unserm Tal.
Der Boden dürstet noch
In trockner Sehnsuchts-Stille
Nach ernster Tränkung und Moral1
Das untre Wurzeltier, der Maulwurf,
schläft seinen Sommermantel
Taktvoll aus und meidet noch den selbst geworfnen Hügel.
Die Erde trocknet einer
streng bis heitren Himmelfahrt
Entgegen. Ein früher? Ein Flügel-Herbst
Führt uns auf neuen Wegen. © eah Sa, 8-15,26
II
II. Es strömt der frühe Herbst
Nun doch von seiner Farbe Gelb bis
Ziegel Braun und ocker Rot auf allen Höhen seiner Bäume,
umgeben noch von denen, die im Grün
dem Tockenfall entkamen und später
noch dem Blätterfall sich öffnen,
der auf den Straßenwegen und von grauer
Hand beseitigt wird.
Und auch das leise Nass aus Wolkenhöhen,20/22
die noch am Tag zuvor in Schlachtschiff Formationen
das Blaue Meer der Sonnenflut bedeckten,
schwillt regennass in Zornesfluten
und schäumt den Staub der Wüstenhitze in
teure Abflussrohe bis zur Überfüllung.
Der Himmel zählt nicht, sondern lenkt.
Der Mensch bedauert nicht, er denkt:
Das Kommende verliert nicht, sondern senkt
sein schleichend donnerndes Getöse
auf feine Art und dennoch wirksam heiter
in der entstellten Sinne enge Qual.
Oh, meine Freundin, leih mir deinen Schal!
© eah (Eckehardnyk) 8-20/22,26