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​Staunen, Ehrfurcht, Taktgefühl: Über das Ergreifen von Gelegenheiten

Das Handeln – Szene 55 von144 – Bündnis mit Kindern

Eckehardnyk, Freitag 18. Juli NZ 13

​​1.7.7

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Handeln kann dein Kind von allein! Vom ersten Atemzug an vollbringt es Handlungen, die ihm den neuen Körper und seine Umgebung erschließen und es in die Weltgeschichte einbinden, auch wenn in den Geschichtsbüchern zu allermeist von anderen Handlungen erzählt wird. – Aber selbst ein

Dreijähriger kann darin vorkommen, wenn ihm wie 1197 dem späteren Kaiser Friedrich II. eine Königskrone aufs Haupt gedrückt wird. Dennoch baut solch ein Kind, wie alle Kinder, später sein Imperium aus Elementen seiner Kindheitsentwicklung auf, und um die geht es für das Leben deines Kindes auch heute. Vier Einstellungen können in einer Kinderstube vermittelt werden:

A. Erstaunen vor dem Schönen,

B. Ehrfurcht vor dem Edlen, Erhabenen und Großen,

C. Verschwiegenheit, Diskretion, Taktgefühl in Bezug auf Wahres und Ewiges und

D. Geistesgegenwart (Gnade) im Ergreifen einer guten Gelegenheit (Chance) beim Erfahren von „Glück“

Diese vier Einstellungen zum Dasein führen ein Kind im Leben sowohl zum Begreifen seiner Entwürfe als auch zu sinnvoll gerechtem Handeln.

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Nun, was ist zunächst einmal „Handeln“? Ursprünglich hat Handeln durchaus etwas mit den Händen zu tun. Genau dazu passen die frühesten Beschäftigungen des Säuglings, wie gesagt in Rückenlage, indem er mit seinen Fingern „hantiert“. Dieses Wort wurde dem Deutschen Wort „Hand“ inhaltlich angepasst, bedeutete aber einst, vom Französischen Verb hanter herkommend, „hin- und herreisen, Handel treiben, besuchen“. Aus dem Wort Handeln ist ja auch unser „Handel“ mit Waren gekommen.

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Das „Hände gebrauchen“ oder „Handanlegen“ gehört also zu den frühen Errungenschaften in unserem tätigen Leben, und so ist es nur recht, wenn daraus die vollständigste Bezeichnung für menschliches Tun zumindest im Deutschen geworden ist. – Im Englischen verwandelte sich der ursprüngliche Inhalt von to hand in to act „handeln“ und to trade „Handel treiben“; nur to handle blieb übrig in seiner Bedeutung beschränkt aufs „Handhaben von etwas“.1

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Die ersten Handhabungen oder Hantierungen des Babys sind hier in Deutsch als dessen erste „Handlungen“ sehr wohl zu bestätigen. Was soll und kann es zu diesem Zeitpunkt auch Andres leisten? Erst mit den Erkundungen über den Leib hinaus werden seine Abläufe zu „Handlungen“ erweitert.

Sein erstes Herum rollen in Seiten- oder Bauchlage gilt es zu feiern; später auch die vom Bauch aus gerobbte Bewegung, dann Stehen und Gehen – welch ein Glück und welche Gefahr durch ganz neue Sachen, die jetzt von der Hand in den Mund wandern und ein neues Stadium seines Handelns anzeigen.

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Ebenso und parallel dazu läuft die Entwicklung vom Lallen oder Lautieren bis hin zur sinnvollen Rede, in der „Verhandlungen“ geführt werden. Als Drittes gesellt sich das Werkeln, die Handhabung von Dingen als Spiel- und Werkzeug dazu, wobei die Hände jetzt bewusst hantieren um etwas zu „machen“. Zu diesen drei „Aktionsarten“, den Varianten des Handelns von Gehen (später zumeist Hüpfen), Reden und Machen gesellen sich die vier oben genannten Einstellungen; jede in ihrer Rolle bereit und willkommen, dem Baby von einst und jetzt als Kind (ab vier Jahren), die es umgebende Welt pflegeleicht und erfolgreich zu gestalten. Wir sehen, das einstige Thema kehrt sich um, indem die vom Kind behandelte Welt pflegeleicht und zu Erfolgen führend gehandhabt wird.

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Das Wahre zum Beispiel wird vom Baby bereits erfasst, indem es mit einem harten Ding auf eine Unterlage hämmert; immer und überall bringt es einen laut klingenden Schall hervor. Über diese „Wahrheit“ freut sich dein Kind so intensiv, dass dir Hören und Sehen vergeht. Du wirst ihm als Vorbereitung von „Diskretion“ ein „dickes Fell“, zum Beispiel eine Decke, unter seine Wahrheitsbekundungen legen, wenn ihr Ruhe für euch und Andere braucht.

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Du wirst fragen: Was kann ein Säugling schon über Schönheit wissen? – Er bewundert sie an der weiblichen Brust und saugt sie mit der Muttermilch ein. Beim Anblick deines Gesichts, im Duft der Haut, in der Bekanntheit und Wärme deiner Stimme; überall ist Schönheit dabei. Die Beziehung dazu ist eben schmackhaft und geschmackvoll. Mit der Liebe führt auch die Schönheit durch den frühkindlichen Gaumen in den Magen.

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Und das Edle, wie soll das Kleinkind es schätzen? Schwierig und einfach zugleich. Im Edlen fühlt Kind sich zu Hause und wohl. Du sorgst zuverlässig dafür, dass „Alles vom Feinsten“ sei, was sauber, gepflegt, warm, weich und dennoch kuschelig freilassend heran kommen darf. Das ist edel von dir und taktvoll zugleich! Deshalb schreit Kindchen auch, wenn es sich“unedel“, malade, mäßig in Stimmung oder mau fühlt, und sorgt dafür, dass du das Gediegene in seiner Umgebung wieder herstellst. Im verlässlichen Umgang liegt das Edle, das ein Kind braucht, um in Ruhe

sein Selbst aufzubauen

Ehrfurcht schafft Stille. In ihr findest du Zugang zu dem, was dein Kind tut und woraus später sein erwachsenes Handeln erwächst.

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Die vierte Einstellung oder „gute Fee“, die das Handeln begleitet, ist die der guten Gelegenheit, des Glücks, überhaupt der Chance des Guten. Das Kleinkind geht buchstäblich kinderleicht von einer Tat zur nächsten über. Anscheinend macht es das „kleckerweise“, doch das täuscht vermutlich sehr. Der rote Faden durch sein Tun wird durch rasche Machbarkeit (nicht, noch nicht, von Verantwortung) bestimmt.

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Hier kommt meistens der längere Hebel der Erzieher viel zu früh ins Spiel und legt die später als Entschlusskraft gebrauchte Fähigkeit lahm. Dagegen hilft die Besinnung auf etwas, was wertvoll ist an unserem eigenen Tun. Wir möchten uns zeigen und sollten im richtigen Tun sachlich bestätigt werden. Deshalb ist es notwendig, dass ein Kleinkind, gerade wenn es dann Gehen gelernt hat, vornehmlich Gutes tun darf.

Seine Umgebung muss dann so gestaltet werden, dass Brüche und Unfälle ausgeschlossen sind. Je mehr „Gutes“ ein kleines Kind zu tun erlaubt bekommt, desto mehr Taten kann es sich dann auch später selbst erlauben, die gut sind. Gut gemeint ist bekanntlich das Gegenteil davon.

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Das Entscheidende bei der Tat ist die Entscheidung! Und die fällt beim Kleinkind blitzartig vor jeder Tat, sodass sie den Erwachsenen überrascht oder bisweilen überfordert. Aber entschieden wird schon von kleinsten Kindesbeinen an. – Wenn jemand wie Helmut Kohl2 erzählen kann, er habe manchmal Entscheidungen „wie am Fließband“ getroffen, dann wird ein solches Talent uns auf ein befugtes Kontinuum (Kontinuierlich sein) in frühster Kindheit zurückführen, noch bevor das Wünschen kam, um zu helfen. Dazu ein kleiner Merkvers von Goethe:

Wer berät langen Rat,

kommt zu spät mit der Tat.

Wer geschwind sich besinnt

und beginnt, der gewinnt


© eah Abenteuer Erziehung 2012 und 18. Juli 2025

1 Durch Rückentlehnung Deutsch Handy, wozu die Angelsachsen jedoch Cell phone oder Mobile sagen, mit dem heute massenhaft hantiert wird

2 Sechster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland von 1982 bis 1998


5 Kommentare

  1. Avatar von bettinamaerz23 bettinamaerz23 sagt:

    Lieber Ecky,

    stimme Dir bei Deinem Beitrag in voller Gänze zu.

    Das Einzige, was ich zu bemängeln habe, ist der Satz von BK Kohl.

    Es gibt bestimmt viele Beispiele, die den Satz von diesem unsäglichen BK – Entscheidungen wie am Fließband – in ein besseres Licht rücken würde.

    Dies stößt mir sehr auf. Bitte bringe keinen Poli-ticker in so einem Beitrag. Das macht alles zunichte.

    Und noch etwas:

    Entscheidungen, die das Leben der zukünftigen Generation betreffen, sollte man sehr gut abwägen.

    Entscheidungen, die nur mich betreffen, könn-t-en am Fließband erzeugt werden.

    Alles Gute

    Gruß Bettina

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  2. Avatar von eckehardnyk eckehardnyk sagt:

    Danke, liebe Bettina, für deinen Komentar.

    Du hast Recht, die Politikernamen braucht keiner zu kennen. Sie waren damals die einzigen, die mir aus der übrigen weiten Welt als Beispiele bekannt geworden waren.

    Noch ist nichts vergeigt, denn das neue Manuskript ist noch bei mir, die Formatierung macht einige Mühe; die Neutralisierung der P-Namen enthält dabei das die Würze, dass bei Arbeit mit LibreOffice das Suchen eine unerwünschte Folge hat:

    Suche ich nach „Kohl“ oder „Schröder“, dann erscheinen Kopien dieser Ausdrücke irgendwo im übrigen Text. Doch diesen werde ich vor Abgabe ohnehin noch einmal lesen müssen, um auch noch andere Böcke da hinaus zu befördern – Alles Gute!

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  3. Avatar von bettinamaerz23 bettinamaerz23 sagt:

    Lieber Ecki,

    danke, daß Du diese Politknasen nicht als Beispiels bringst bzw. bringen magst.

    Sie gehören nicht dazu.

    Mein jüngster Enkel ist 5 Jahre alt. Er begeistert sich für alles um ihn herum. Die Frösche im Teich. Die werden gezählt. Da gibt es große und kleine Frösche. Ich sage dann, daß da, die Großen sind die Eltern, und die kleinen sind die Kinder.

    Er freut sich darüber.

    Vor zwei Jahren war ein Schild am Teich: Warnung vor Nutrias. Wir sind an den Teich und da waren Nutrias. Sie badeten in der Nähe. Sie sahen sehr putzig aus. Mein Enkel war begeistert. Er verstand dieses Warnschild nicht. Ich auch nicht.

    Diese kleinen Nutrias putzten sich ganz nah bei ihm. Der Nutria hatte keine Scheu. Und meinem Kleinen hat es gefreut.

    Aber die Stadt hat Schilder aufgehängt. Vorsicht vor Nutrias.

    Jetzt kann ich endlich ohne Angst durch den Park.

    Keine Nutrias, die mich anfallen könnten, oder ausräubern, noch schlimmer vergewaltigen.

    Hoffe ihr versteht meine Satire. Ansonsten geht beten.

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  4. Avatar von Vollidiot Vollidiot sagt:

    War wohln Druggfehler, statt ut+a af+nix , is scho häwwi mit dem deutsch Sprach. und dannoch schriebe. Gutes Deutsch – wer kann des noch in de BRD.

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  5. Avatar von Vollidiot Vollidiot sagt:

    Natur war mein Alles

    Ehrfurcht hatte ich vor dem Sternhimmel

    Viele Wiibe um mich lehrten mich das Schweigen (und Erkennen…………)

    Die Geistesgegenwart ließ mich von fast allen Oktrojs zurücktreten, da waren mir die Natur und die Sterne zu wichtig.

    Einmal Rebell, immer Rebell.

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