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„Ich hatte aber Vorfahrt“

Oder auch: „Gefallen im Kampf für das Klima.“

Kommentar erübrigt sich, obschon …… es ließe sich leicht kommentieren die deutschee wie auch die chinesische Denkweise. Thom Ram, 28.05.10

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Fundsache: Eine chinesische Studentin schreibt über die woke, links-grüne, kriminelle Kindergefährdung auf Straßen und Bürgersteigen: den Kinder-Fahrradanhänger. 

Dieser Artikel erinnert mich daran, als ich das erste Mal in Deutschland ein Lastenfahrrad mit einem Kind sah. Darüber hatte ich im letzten Jahr im Deutschkurs einen Aufsatz geschrieben, der von meinen Lehrer lektoriert wurde. Er wollte ihn Zeitungen anbieten, aber die wollten leider nicht.

Deutsche Fahrrad-Sitten aus der Sicht einer chinesischen Studentin
Yan Bian:

„Als ich das erste Mal in Bonn im Bus unterwegs war, um zu meiner Sprachschule zu gelangen, erschrak ich richtig, als der Bus im weiten Bogen eine Frau überholen musste, die sich mühsam auf einem Fahrrad mit Anhänger abstrampelte. Denn zu meinem Entsetzen befand sich in dem Anhänger ein kleines Kind!

Ich war überzeugt, es hier mit einer sehr armen und bemitleidenswerten Frau zu tun zu haben, vielleicht mit einem Flüchtling aus Afghanistan oder Syrien, also mit einer Frau, die es gewohnt war, dass sie und ihr Kind ständig in Lebensgefahr schweben, und die deswegen ein anderes Risikobewusstsein hat. Denn dass man ein Kind in einen klapprigen Fahrradanhänger steckt und sich auf eine enge Kraftfahrstraße wagt, die man sich mit Autos, Bussen und Lieferwagen teilt, schien so gar nicht zu meinem Bild von den Deutschen zu passen, das ich bislang hatte, nämlich zum Bild eines Volkes von klugen, aufgeklärten, vernünftigen und tugendhaften Menschen.

Also musste es sich um eine Ausländerin handeln. Aber es war offenbar keine Frau aus dem Orient, denn sie trug keinen Schleier, dafür aber lila Strähnen in den Haaren und einen bunten Mantel, und auf dem Kinderanhänger prangten jede Menge bunte Aufkleber. Eine Roma vielleicht, ging es mir durch den Kopf, denn ich hatte in einem chinesischen Reiseführer für jugendliche Deutschland-Abenteurer gelesen, dass die auch abfällig Zigeuner genannten Roma sich gerne bunt kleiden und einige von ihnen ihre Kinder zum Betteln auf die Straße schicken.

Nach einigen Tagen hatte ich mich an solche Frauen und Männer, die strampelnd Kinder hinter sich herzogen, ein wenig gewöhnt, aber ich wunderte mich, dass diese armen Anhängerkinder nicht von der Polizei aus dem Verkehr gezogen wurden, um sie nicht weiter dieser hochriskanten Verkehrssituation und den Abgasen aus den vorbeifahrenden Autos auszusetzen, deren Auspuff sich zumeist in Atemwegshöhe befand.

Aber wie staunte ich erst, als nach einer Woche meine Au-pair-Familie zu einer Radtour aufbrach, aus der Garage einen Fahrradanhänger holte und den vierjährigen Sohn da reinpackte. „Möchtest du den Anhänger fahren?“ fragte meine Gastmutter. Aber sie bemerkte meinen entsetzten Blick und sagte: „Musst du nicht, aber das ist wirklich nicht schwer. Der Anhänger gibt dir als Radfahrerin sogar mehr Stabilität.“ Die Gastmutter befestigte den Anhänger mit dem Kind an ihr eigenes Rad, und so machten wir uns mit vier Fahrrädern und der Kinderschleuder auf den Weg.
Diese Ausflüge waren mit Abstand das Schlimmste, was ich als Au-pair-Mädchen in Deutschland erdulden musste, zumindest solange es über Verkehrsstraßen ging. Auf denen ist oft eine gestrichelte Linie eingezeichnet, die einen etwa einen Meter breiten Streifen markierte, auf denen Fahrräder Vorrang haben. Und auf einer engen Straße hält so eine Kolonne von vier Pedalgefährten natürlich die Autos auf, so dass es zwangsläufig immer zu Staus hinter uns kam.

„Keine Sorge“, sagte mein Au-pair-Vater, „wenn ein Auto überholt, ist es gesetzlich dazu verpflichtet, anderthalb Meter Abstand zu halten.“ Das bedeutete, dass die überholenden Autos eigentlich warten mussten, bis die Gegenfahrbahn frei war, denn sonst hätten sie auf keinen Fall einen so großen Abstand einhalten können.
Jeder zweite Autofahrer hielt sich aber nicht daran und fuhr ganz dicht an uns vorbei, und dabei sah ich oft auch vorwurfsvolles Kopfschütteln, was ich sehr gut nachvollziehen konnte. Ich schämte mich, Teil dieses kindeswohlgefährdenden Verkehrshindernisses zu sein, aber ich war auch etwas froh, dass offenbar auch andere Deutsche befremdet darüber waren, dass man als wohlhabende Familie ohne Not auf dieses Verkehrsmittel zurückgriff, obwohl alle Naherholungsgebiete auch mit dem Auto super zu erreichen waren.
Nach dem ersten Horror-Trip dieser Art versuchte ich zaghaft, meine Gasteltern von der Gefährlichkeit dieser Fortbewegungsart zu überzeugen, biss aber auf Granit. „Wir machen das ja auch für den Klimaschutz. Außerdem ist man als Fahrradfahrer in Deutschland auf jeden Fall im Recht. Das ist bei euch in China wahrscheinlich noch anders. Aber hier müssen sich die Autofahrer an den Mindestabstand halten, und im Falle eines Unfalls ziehen sie vor Gericht den Kürzeren.“

Mir fiel zwar sofort ein Gegenargument ein, doch behielt ich dieses lieber für mich. Später las ich im Facebook einen Witz, der sehr gut zur Einstellung vieler prinzipientreuer Deutscher passte: Auf dem Grabstein eines Verkehrsopfers stand: „Ich hatte aber Vorfahrt.“ Eine noch passendere Inschrift wäre vielleicht: „Gefallen im Kampf für das Klima“.

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16 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. Mujo sagt:

    In China und vielen anderen Asiatischen Staaten ist die allgemeine Ansicht wer mit den Fahrrad fährt muss ein Armer Mensch sein. Wohlhabende Fahren mindestens mit Moped oder noch besser mit dem Auto.
    Vor allem in Tropischen und heißen Ländern ist es verpöhnt mit dem Rad zu Fahren.

    Da aber Rad Fahren bei uns auch eine Sportliche Diziplin ist beginnen vor allem die Gebildeten Menschen dort umzudenken und so sind mir immer wieder Chinesische Männer in Radsport Montur mit Rennräder begegnet.

    Lastenräder mit Kinder drin bewegen nur die ganz Armen Leute.
    Nebenbei gibt es auch in China und Rest Asiens immer mehr Übergewichtige wegen Bewegungsmangel und Falscher Ernährung. Zu Mao’s Zeiten undenkbar.

    Das mit den Klima ist natürlich Quatsch.

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  3. Frollein Schmidt sagt:

    Ich finde Autos und Velos toll. Inzwischen gibt’s ja auch immer mehr interessante Verschmelzungen aus beidem und sogar Fahrzeuge, die sich mit wenigen Handgriffen auch noch zum Boot umbauen lassen.
    Behindernd ist nur die Geisteshaltung, die die Dinge in Konkurrenz und Feindseligkeit zueinander setzt, anstatt ein freundliches Nebeneinander zu ermöglichen.

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  4. Waldi sagt:

    Deutschland ist beim Bau von Radwegen noch ein Entwicklungsland. In Holland käme wohl niemand auf die Idee, sein Kind in einem Fahrradanhänger zu transportieren. Jedenfalls habe ich das noch nie gesehen. In den Großstädten verwendet man hier gerne Lastenräder. Damit ist man oft schneller am Ziel als mit dem Auto, und man findet immer einen Parkplatz.


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  5. Bettina März sagt:

    Geht zwar in dem Vid nicht um Lastenfahrräder/Klima/Vorfahrt per se, aber es paßt trotzdem. Wie gehen wir mit unseren Kindern um?

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  6. Waldi sagt:

    Die teuren Lastenfahrräder mit Elektromotor sind in Holland vor allem bei Yuppie-Familien mit Kindern beliebt. Meist ersetzen sie den Zweitwagen, weil man in vielen Städten pro Haushalt nur für ein einziges Auto eine Parkgenehmigung für Anwohner bekommt.

    Beim Anschauen eines Films auf Youtube habe ich erfahren, dass man in vielen deutschen Städten einen Zuschuss zur Anschaffung eines Lastenfahrrades beantragen kann. Die Stadt Aachen z.B. zahlt Familien und Alleinerziehenden mit mindestens einem Kind einen Fördersatz in Höhe von 1.600 Euro für Lastenfahrräder mit elektrischer Unterstützung. Für Transporträder ohne Elektromotor bekommt man 1.000 Euro. Arbeitslose und Empfänger von Hartz IV können eine zusätzliche Förderung in Höhe von 1.000 Euro beantragen.

    Lastenfahrrad-Förderung nach Bundesländern sortiert
    https://www.cargobike.jetzt/tipps/cargobike-kaufpraemien/

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  7. Waldi sagt:

    Eine kurze Fahrt durch Utrecht mit dem Lastenfahrrad (Dauer: 90 Sekunden)

    Am Anfang sieht man ein paar Fotos, doch dann geht die Fahrt los. Utrecht ist eine sehr schöne Stadt. Ich habe dort einige Jahre mitten im Zentrum gewohnt und war damals eigentlich nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Für Autofahrer ähnelt die Verkehrsregelung einem Labyrinth. Radfahrer haben es dort einfach; die dürfen in Einbahnstraßen auch in die entgegengesetzte Richtung fahren. Die Autofahrer sind dort den Radfahrern gegenüber meist sehr rücksichtsvoll, weil dort jeder Autofahrer auch ein Radfahrer ist.

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  8. latexdoctor sagt:

    Hat dies auf Märchen von Wurzelimperium S1 SunShinE rebloggt und kommentierte:
    „Volk der Dichte und Denker“ … das gehört unter „Es war einmal“

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  9. Vollidiot sagt:

    Militarisiertes Denken.
    Fällt den Deutschen offenbar leichter.
    Mit Lastenrädern gegen Autos.
    Stinkende Autos, laut obendrein.
    Münchner Fahrradstras-en.
    Leise E-Autos für den Mord ohne Vorwarnung.
    Bei E-Autos haben Kinder im Kasten keinen Mief.
    Weil schwer, haben Lastenräder E-Motor.
    Hänger sind ja das Letzte an Käse.
    Stinkerter Scheis-!
    Hier wieder die deutsche Krankheit sichtbar.
    Auf, mit Hurra in die Scheis-e!
    Hauptsach kuhl.
    Der beste Faschismus ist der Gutmenschen-Faschismus.
    Vegan-lastenfahrradriger-Schlumpf-Fabianismus.
    Aber gnadenlos, bis ins Höllenfeuer der Gedankendürre.
    Las-en wir die Wahnsinnigen ihren Weg vollenden.
    Darum sagte ja schon vor ca. 200 Jahren JWG:
    „Wahrscheinlich werden die Deutschen ihre Aufgabe erst dann ergreifen, wenn sie über die Welt zerstreut sind.“
    Denn hier in Mitteleuropa findets ja nicht statt, hier bleiben die Umerzogenen, die absichtsvoll fehlgeleiteten Demokratiefähns.
    Sie wollen nicht sehen was diese Art der Demokratie darstellt – Verarsche, Mis-brauch, Heimtücke.
    Parteienstaat, Parteienoligarchie und nu: Diktatur.
    Freude schöner Götterfunke……………
    Untergang der Lügenbrut……………
    (Schiller).

    (Der Gebrauch von s- beruht auf Vermeidung von Nasi-Sümbolen, auch heute noch existenziell wichtig, sone Art FFP2-Maske im Psychischen)

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  10. palina sagt:

    @Volli
    „Der beste Faschismus ist der Gutmenschen-Faschismus.
    Vegan-lastenfahrradriger-Schlumpf-Fabianismus.“

    so schöne Wort-Kreationen……………………….

    Den Helm auf dem Fahrrad nicht vergessen. Und die Kinder angeschnallt.

    Warnwesten zur besseren Erkennung.

    Am besten noch ne watch, die den Bludruck überprüft und die Kilometer zählt.

    Was sind wir fröhlich mit den Kindern auf dem Rad unterwegs gewesen. Kissen auf dem Gepäckträger, Kind drauf und die Ermahnung – Beine ausstrecken. Und dann ging es los.

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  11. Drusius sagt:

    Die Nutzung einer Ideologie dürfte schon Faschismus sein, denn es zielt auf Macht.

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  12. Kunterbunt sagt:

    Drusius
    30/05/2022 um 03:12 – Trifft zu, zumal der Ausdruck „Bündelung“ bedeutet.

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  13. Mujo sagt:

    Grundsätzlich finde ich ja die Lastenräder ganz ok. Wo wenig Platz zum Parken ist und die niedrigen Unterhaltskosten Sprechen für sie. Das die ein E-Motor brauchen macht schon ihr Gewicht Notwendig. E-Motor bei Fahrräder ist ja das einzig Sinnvolle. Da Rechnet sich das auch.

    Es kann ja auch nicht jeder ein Auto haben ganz gleich ob E oder Super Benzin im Tank. Strassen sind ja jetzt schon über voll. Wenn ich da an meine Kindheit denke wie oft die Autobahnen am Sonntag Leer waren, heute undenkbar.

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  14. Waldi sagt:

    Vollidiot, Palina,

    das Lastenfahrrad ist ein praktisches Gefährt, wenn man an einem Ort wohnt, wo die Rahmenbedingungen stimmen (ebenes Gelände, verkehrsberuhigte Zonen, Radwege, Stadtparks). Dann brauchen die Behörden dafür auch keinen Zuschüsse zu zahlen, weil sich dann die Nachfrage von selbst ergibt. Dass die Mutter aus Würzburg in dem Film (siehe Waldi, 29.05.2022 um 11.50 Uhr) einen Helm trägt und ein Verbandköfferchen mitführt, deutet darauf hin, dass sie sich auf ihrem Dreirad nicht sicher fühlt. Ich würde mich damit auch nicht durch den Autoverkehr wagen wollen.

    In holländischen Städten werden Lastenräder auch häufig von Kindertagesstätten für gemeinsame Ausflüge in den Stadtpark eingesetzt.

    Gefällt 1 Person

  15. Waldi sagt:

    Wenn man im Sommer bei schönem Wetter eine Feier mit Familie und Freunden mitten im Stadtpark abhalten möchte, dann weiß man die Vorzüge eines Lastenfahrrads zu schätzen.

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  16. Drusius sagt:

    @Kunterbunt
    Das Rutenbündel, auch Fasces genannt, wurden in Rom den Liktoren vorangetragen und stellten dar, wer die Macht hatte. “ Unser Legat hat die Macht“, kann man als Interpretation durch eine Macht in Rom finden. Wer sind die Legaten und wem dienen die, das wären gute Fragen.
    Der Ausschluß von entwickelten Energiekonzepten und die Propagierung einfacher mechanischer Fortbewegungsmittel sind auch zwei Pole einer Ideologie, die zur Teilung der Menschen zielgerichtet eingesetzt wird, um Konflikte zu erzeugen. Welche Richtung der Entwicklung angestrebt wird, kann man, kann man finden (https://www.youtube.com/watch?v=RMBsHCJtplo ab Minute 8:30).

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