bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » AUTOREN » Opas Hörgerät

Opas Hörgerät

(Ludwig der Träumer) Es stand der neunzigste Geburtstag von Opa an. Die ganze Familie angefangen von den Söhnen, Enkeln und Urenkeln war fast in Panik. Was sollen wir dem alten Drecksack noch schenken, daß er uns weiterhin wohlgesonnen bleibt. Sie übertrafen sich mit Vorschlägen, die Opa sicher noch für seinen Lebensabend Freude bereitet und sein Erbe wohlgesonnen an die Brut verteilt.  

Medima Unterhosen weil er immer so friert – ein neuer Krückstock  – eine neues Kukident Haftgeel? Krawatte, graue Socken, seine Wohnung putzen,  oder besser ihm ein schönes Lied singen, das nix kostet aber Freude bereitet. Der Rotzlöffel von Ludwig meinte, laden wir doch seine noch lebenden Schulkameradinnen zum Table Dance ein. Man einigte sich schließlich auf ein Platzkonzert der Freiwilligen Feuerwehr in der er seit der Pensionierung Ehrenmitglied ist. Als Highlight soll der ihm so verhaßte Bürgermeister eine Rede halten, der ihm seine Äcker für’n Appl und Ei abluchsen wollte, wg. gemeinnützige Bauvorhaben und so. Dann kriegt der Opa gleich einen Herzkasper und sein Erbe wird schnell fällig. Sahnetorte mochte er nie, deswegen backte seine vergratene Tochter gleich zwei, damit er sich wieder über diese Pampe tierisch aufregt. Auch die vegane Schweinshaxen dürften seinen Blutdruck bis zum Platzen steigern, dachte die Genderschlampe von Enkelin.

Sie waren alle da bei der großen Feier. Umarmten Opa bis er fast keine Luft mehr bekam – alles nur um sein würdevolles Alter zu schätzen. Die Feier war ein Fest, wie es Opas mit monetären Vermögen in der heutigen Zeit gebührt, damit er endlich schnell abkratzt, meint Ludwig. Opa saß da, verzog keine Miene und ließ den Festakt an sich vorüberrauschen. Verwundert war er nur über die teils demaskierten Gesichter der Verwandtschaft, die über ihn herzogen. Sie ließen keinen guten Fetzen an ihm. Der Geizhals, Drecksack hat nie an uns gedacht und wenigstens einen Teil seines Vermögens uns zukommen lassen. Wie soll ich mein Studium in der Genderwissenschaft abschließen können, wenn von Opa nix kommt, meinte die von der Nase bis hinter die Ohren gepiercte Enkelin mit ihrer Hirnzopffrisur. Und der Klimawandel ist noch wichtiger, grölte die Urenkelin. Warum unterstützt uns Opa nicht bei fff – dies alte Umweltsau?

Man muß dazu wissen, Opa hörte seit längerer Zeit nix mehr. Deswegen zogen sie allesamt unverblümt in seinem Beisein über ihn her. Sie hatten ihren Heidenspaß bei ihrem Festakt für Opa. Bogen sich vor Lachen über ihre unterirdische Witze über Opa. Der sollte glauben, sie feierten fröhlich seinen Neunzigsten. Sie grölten schmutzige Lieder über die Alten, die ich aus Jugendschutzgründen äh Altersschutzgründen hier nicht erwähne. Die Freiwillige Feuerwehr stimmte diese  Sangeskünstler mit Trompeten, Posaunen und Trommeln in Hochform ein. Vermutlich um ein paar Spenden von den Erben zu bekommen. Das nennt man wahre Freundschaft zu einem Ehrenmitglied.

Ludwig war auch auf das Fest vorbereitet. Er wollte dieser geldgierigen Bagage eine Lektion erteilen, die sie nie mehr vergessen wird.  Er selbst hatte bereits vor langer Zeit alles Erbe das ihm je zuteil werden sollte notariell ausgeschlagen. Er sieht darin eine Möglichkeit, die Karma-Verstrickung mit der buckeligen Verwandtschaft in seinem nächsten Leben auf der Erde zu lösen. 

Er hatte Opa klammheimlich ein Hörgerät besorgt, das er Opa noch klammheimlicher während der Feier einsetzte. Opa war plötzlich der lebendige Zuhörer ohne eine Miene zu zeigen.

Opa sprach danach nur zwei Sätze: Ihr seid alle enterbt. Mein Erbe geht an die Katzenhilfe. Gut so Opa.

Die Feier war kurz danach beendet. Jeder hatte noch eine Ausrede, warum er sich schnell verabschieden muß. Opa grinste nur.

Übrig blieben für den Rest des Tages und der Nacht nur Opa und Ludwig. Sie rauchten noch eine Havanna und gönnten sich ein Ludwig Bräu und drei Williams Christ bis zum Morgengrauen. Es war das schönste Gespräch zwischen Opa und mir. Wie können wir Schöpfers Plan für das Paradies auf Erden einfach umsetzen? Es kann doch nicht so schwer sein wie uns die geistig Geleerten Gelehrten weiß machen wollen. Gehen wir in den Garten und erleben die Blaue Stunde, forderte mich Opa auf. Laß all deine Gedanken fallen und sei einfach da! Es kommt wie es kommt – und vergeht. Die Kraft des Kommenden, das ich als Gottes Schöpfung empfinde ist größer als die des Verkommenden, meinte Opa bevor wir wortlos staunend die Blaue Stunde erlebten.

Zu jener Stunde, als sie mir erschienen,
da stand der Himmel still und blau.
Und durch das dämmernd fahle Licht umschrieben,
ihr Haupt – geschmückt vom Morgentau.

Weiß wie der Mond waren die feenhaft Glieder,
ihr Haar war wie von Gold gemacht.
Und mir ward bang die Stunde ende wieder,
im Lauf der sternenklaren Nacht.

Ihr roter Mund wird mich ewig begleiten.

Die Stunde ging, die Schöne musste fliehen,
ihr Bild verschwand im Morgengrauen.
Ich muss nun mit den Tagen weiterziehen,
doch sie bleibt altbekannter Traum.

Seitdem vernehm ich ihre süße Kunde
in allen Dingen wunderbar.
Ich denke heimlich noch der blauen Stunde
und weiß nicht, ob sie jemals war

(Faun)

https://ludwigdertraeumer.wordpress.com/2017/04/10/die-blaue-stunde/

—-

Noch mein Gutenachtlied. Laßt’s euch gut gehen liebe Gemeinde


4 Kommentare

  1. Mujo sagt:

    Lieber Ludwig, ich kann’s kaum Glauben.
    Das könnte ein Theater Stück aus der Feder von Loriot stammen. Soviel Bitterbösigkeit das es schon zum Lachen ist, so ganz als zuschauer von aussen.
    Loriot sagte einmal: „In meinen Filmen wird nicht gelacht, Humor ist eine ernste Sache. Nur der zuschauer lacht.“

    Die Liebe Vewandtschaft, gesegnet seien sie alle wir da im moment wenig zum Lachen haben !!

    Und euch beiden gönne ich vom Herzen die Zigarre. Die Katzen werden den Opa segnen 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Thom Ram sagt:

    Sehr schön, wenn auch verd nicht nur schön.

    Ich bräucht gelegentlich ziemlich dringend ein Hörgerät. Bitte komm an meinen Neunzigsten, in 18 Jahren, guter Ludowigo. Danke.

    Gefällt 1 Person

  3. christinasuriya sagt:

    Köstlich! Schon als ich die Überschrift las, wusste ich, was kommt. Schön wär’s, wenn alle Großeltern in diesem Alter geistig noch so fit wären wie dieser Opa! Holtrio haha.

    Gefällt 1 Person

  4. eckehardnyk sagt:

    So oder so tritt es überall ein. Die Erden Gesellschaft hält nix besseres vor, es sei denn, ihre Mitglieder sind sich ihrer Heimat bewusst. Was ist die Heimat?
    Ich sag es nicht und doch sag ichs gleich jedem, der es wissen will.
    Heimat ist der Punkt – Wir wiisen, dass ein Punkt keine Ausdehnung hat.
    Der Punkt ist Heimat, wo du dich lineal anlegst, von irgendwo kommend und nirgendwo endend, oder umgekehrt? Nein, bestimmt nicht. Du endet nirgendwo und hast irgendwo deinen Ursprung, zu dem du… Du ahnst es, aber schweigt lieber darüber.
    Denn; wer will das verstehen?
    So weit fällt es mir ein im Moment, doch irgendwann geht es sie oder er weiter.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: