bumi bahagia / Glückliche Erde

Startseite » Bücher » Der 35. Mai

Der 35. Mai

(Ludwig der Träumer) Als Kind und Jugendlicher verschlang ich die Erzählungen von Erich Kästner.
Mein Lieblingsbuch „Der 35. Mai“, war der Zündfunke meiner ausgezeichnet geächteten  Aufsätze im Deutschunterricht. Nach den großen Sommerferien waren natürlich die Erlebnisse im Ferienaufenthalt gefragt. Alle Mitschüler hatten darüber etwas zu berichten, weil sie eine Reise nach Italien oder Spanien hinter sich hatten. Ludwig konnte da nicht mithalten. Über Ferien Zuhause schreiben war olper und langweilig und wurde nur mit einem ‚ausreichend‘ benotet. Das spannende Leben in den Sommerferien auf dem Land bei Opa Bohnenstengel beschreiben war ohnehin No Go und bääh für die verwöhnten Mitschüler und Lehrer aus der Oberstadt. Mehr Ferien als auf dem 30 km entfernten Bauernhof waren für Ludwig nicht drin, da seine Eltern so arm wie Kirchenmäuse waren.

Ludwigs Eltern waren sogar so arm, daß sie nur ein Bett für alle 8 Kinder hatten. Genial, liebevoll und vernab jeglicher Ettiketten wie sie waren, schafften sie es dennoch, daß alle Kinder ausreichen Schlaf bekamen. Zuerst legten sie die jüngste Schwester ins Bett, bis sie einschlief, dann nahmen sie diese behutsam raus und stellten sie an die Wand zum weiterschlafen. Dieses Prozedere wurde wiederholt bis ich als Ältester drankam. Am nächsten Morgen die umgekehrte Reihenfolge. Was hatten wir für ein erholsamer Schlaf im Gegensatz zu den Mitschülern, die jeden Morgen müde in die Schule kamen. Lediglich das Frühstück war aus verständlichen Gründen etwas mager, so daß es nicht lange anhielt; der Magen schon in der ersten Schulstunde knurrte und Ludwig ständig vom Lehrer ermahnt wurde, etwas deutlicher zu reden.  Um endlich auch gute Schulnoten zu bekommen schrieb er aus reiner Not heraus über Länder die er in den Schulferien besuchte, die sonst niemand von den doofen Mitschülern je bereist hatten. Seine Erzählungen schlugen ein wie duzende Salzheringe auf dem Mond, die sich dort ein erfülltes Leben erhofften.  Erich Kästner hatte ihn mit dem „35. Mai“ dazu ermutigt.

Ludwigs Schreibe über seine Erlebnisse brachten ihm den Spitzname „der Träumer“ ein und die Würdigung seiner Aufsätze mit „mangelhaft“. Aus vorbei – tot die Maus. Nix mehr schreiben. 55 Jahre lang griff er nicht mehr zur Feder. Kein Wunder, daß ihm Pink Floyd – Another Brick In The Wall dazu immer wiedereinfällt.  https://www.youtube.com/watch?v=YR5ApYxkU-U

Zurück zu Kästner:

Kapitel 1: https://www.youtube.com/watch?v=AzYAekO7PzQ

Weiterer Inhalt:

Die Südsee  erreichten sie über verschiedene Umwege: das Schlaraffenland, wo alle Wünsche erfüllbar sind, man unter einem Gewicht von zweihundert Pfund ausgewiesen wird und in dem Konrads ehemaliger Klassenschlechtester, der dicke Seidelbast, nunmehr Präsident ist; die Burg zur großen Vergangenheit, mit Karl dem Großen als Torwächter, in der Figuren der Geschichte zu olympischen Spielen zusammenkommen und Onkel Ringelhuth Ärger mit Napoleon bekommt, weil dieser seinen Sitzplatz einnimmt (ohne dafür ein Billett zu haben);

die verkehrte Welt, in der Kinder die Aufgaben von Erwachsenen übernehmen, tyrannische Erwachsene hingegen in eine Benimmschule geschickt werden (Konrads Schulfreundin Babette ist dort Ministerialrätin für Schule und Unterricht), weshalb Onkel Ringelhuth zunächst in den „Anfängerkurs“ geschickt wird, aus dem er aber von Babette, Konrad und Negro Kaballo wieder befreit wird;

Elektropolis, die vollautomatische Stadt, in der die Leute zu ihrem Vergnügen arbeiten, um schlank zu bleiben, um jemandem etwas zu schenken oder um zu lernen (während des Aufenthalts entsteht ein elektronischer Kollaps, der die Maschinen verrückt spielen läßt, zum Beispiel aus Leder- und Milchprodukten wieder lebendige Kühe macht);

und schließlich das ersehnte Ziel, die Südsee. Dorthin gelangt man über den Äquator, ein Stahlband, welches den Globus zusammenhält. Eine Scheuerfrau muß den Äquator regelmäßig putzen, damit er nicht durchrostet – und durch einen Anstrich rostfrei gemacht werden darf er nicht, damit sie ihre Arbeit behält. In der Südsee angekommen, treffen die drei auf das in Schachbrettmuster gefärbte Mädchen Petersilie (dessen Vater ein Stammeshäuptling, die Mutter allerdings Tippfräulein auf einer dortigen Kokosflockenfarm ist) sowie ihren Vater Rabenaas, der Mithilfe seines Taschenmessers, das er mit heißen Bratäpfeln zu laden pflegt, sogar Walfische (die bekanntlich Säugetiere sind und nur aus Versehen im Wasser leben) in die Flucht schlagen kann. Negro Kaballo lernt ein Schimmelfräulein kennen und beschließt, bei ihr zu bleiben und nie mehr zu sprechen.

Daraufhin machen sich Ringelhuth und Konrad wieder auf den Heimweg und kommen mit Rabenaas’ Hilfe noch so rechtzeitig an, daß der Onkel den Nachtdienst in der Apotheke antreten und der Neffe seinen Aufsatz schreiben kann. Dieser wird von ersterem noch gelesen, als er Konrads Eltern besucht. Zwar halten ihn diese für geisteskrank, da er freimütig von seinen Erlebnissen berichtet, doch ihn, den erfahrenen Weitgereisten, kümmert das nicht: Er weiß, was er erlebt hat.

Verlag: Atrium Verlag
Seitenzahl: 122
ISBN-13: 9783855356027
ISBN-10: 3855356025

Kästner hatte aber auch eine andere Seite auf dem Kasten, der sich Ludwig lange Jahre widmete. Was brachte es? Nix. Es wird alles bis zum Nimmerleinstag so weiterlaufen. Anprangern, aufdecken, beurteilen und verurteilen hält nur diese Endlosschleife aufrecht.

https://youtu.be/8Is1ZDSWguY

Ansprache an Millionäre
Warum wollt ihr so lange warten,

bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?

Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.
Sie werden euch in die Flüsse jagen.

Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.
Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.

Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.
Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?

Ihr werdet alles verlieren.
Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?

Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind es nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!
Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.

Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.
Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.

Die Welt verbessern und dran verdienen –
das lohnt, drüber nachzudenken.
Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!

Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld…
Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. ihr werdet´s bereuen.
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.

(Erich Kästner)

Fehlt noch was? Ach ja, das Gutnachtliedle:

 

 


3 Kommentare

  1. stefan nathan sagt:

    Da fällt mir ein witziger SF-Roman ein: „Framstag, Sam“. Sam entdeckt, dass sich die Eliten einen achten Wochentag zwischen Freitag und Samstag geschaffen haben und findet den Eingang…
    Ist leider nur noch antiquarisch oder als elektronisches Buch zu haben.

    Liken

  2. Johannes Anunad sagt:

    stefan nathan
    04/09/2019 um 04:12
    Hallo Stefan, schön Dich hier mal zu lesen! Lange nix gehört!
    Wie geht es Euch denn inzwischen, im „Hohen Nordosten“ von Deutsch?
    Liebe Grüße aus Paraguay, wo ich seit bald 2 Jahren lebe, sendet Dir Johannes!

    Liken

  3. Thom Ram sagt:

    Wunderschön, lieber Luudwich. Danke!

    Eigentlich am besten gefällt mir, wie eure Eltern das Schlafplatzmangelproblem lösten.

    Zuerst legten sie die jüngste Schwester ins Bett, bis sie einschlief, dann nahmen sie diese behutsam raus und stellten sie an die Wand zum weiterschlafen. Dieses Prozedere wurde wiederholt bis….

    Wenn auch nicht nur ganz und gar lustig, so doch soo kööööstlich gesagt.

    Lass dich drücken, Alter.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: