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Der Panther

(Ludwig der Träumer) 1970 war ich das letzte Mal im Zoo. Hatte noch nicht begriffen, was dort abläuft, mich aber angewidert beschämt abgewendet als ich einen Panther im Käfig sah. Heute weiß ich, daß dieser Panther für unser jetziges Schicksal steht. Nur mit dem Unterschied, daß er keine Chance hatte, dem zu entkommen. Wir sperren uns selbst in diesen Käfig ein mit Hochglanz des selbstgemachten Egos. In diesem Gedicht steckt die ganze Idiotie der Menschen drin. So wie er die Tiere und die Natur einsperrt, so sperrt er sich selbst ein. Elendig zwischen teuren Gartenzäunen sich selbst zur Schau stellen reicht ihm nicht zur Befriedigung. Er braucht das lebendig bewegende für seinen Kick über das er Macht ausüben kann. Mehr fällt mir heute dazu nicht ein.

Der Panther (Rainer Maria Rilke)
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.


5 Kommentare

  1. petravonhaldem sagt:

    Eines der schmerzberührendsden* Gedichte vom dem grandiosen Rainer Maria…..
    Danke fürs wieder mal hervorholen.

    *schreibt man das so??

    Gefällt mir

  2. Richard d. Ä. sagt:

    Auch von mir Dank für dieses wunderbare Gedicht.

    P.S.
    petravonhaldem 28/09/2018 UM 04:53
    Zur Frage „*schreibt man das so??“ – Weiß ich auch nicht, würde allerdings „schmerzberührendsten“ geschrieben haben [die zweite Steigerungsform (Superlativ) wird eigentlich üblicherweise mit -„sten“ gebildet, zumindest vor den verschiedenen Rechtschreibreformen]

    Gefällt 1 Person

  3. petravonhaldem sagt:

    danke…wieder was gelernt……

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  4. mayaste sagt:

    *herzschmerz*

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  5. Klaus Borgolte sagt:

    Herrlich, daß jemand das Gedicht bringt.

    Seine Deutung gilt für uns heute; ja ganz sicher.

    Sitze im fernen Ausland und hatte schon immer
    im vergilbten Echtermeyer auf Seite 612 ein Lesezeichen gesteckt.

    Glück auf
    Klaus Borgolte

    Gefällt 1 Person

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