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Peer gewinnt

Nicht doch – keiner will hier den Steinbrück aus der Versenkung wieder hervorklauben – bewahre. Nein, es geht hier im das Peer-to-peer-Prinzip, das mal die Grundlage des Internets gewesen ist – als dezentrale und damit sehr stabile Lösung, auch bei Ausfall von großen Teilen der Hardware-Struktur.
Und heute gibt es Ideen und Konzepte, diese Grundgedanken von dezentralen Lösungen in anderen Bereichen zur Anwendung zu bringen – momentan noch im Rahmen des heutigen, in seinen Grundlagen total verlogenen Wirtschaftssystems… 😉

Aber bitte lest doch selbst – hier der Anfang des Artikels und dann der Link zum Weiterlesen. Und Dank an Petra für den Hinweis 😉
Luckyhans, 31. August 2015
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Peer gewinnt

28.08.2015 – Niels Boeing, Claudia Wessling

Das Peer-to-Peer-Prinzip hat seit den 1990ern das Internet aufgemischt. Jetzt erobert es die klassische Wirtschaft – und greift Banken, Energieversorger und andere etablierte Branchen an.

 

Der Mann mit dem mächtigen dunklen Vollbart beugt sich in den Knien und gestikuliert nachdrücklich mit beiden Armen, damit sein Publikum auch wirklich aufmerkt: „Zum ersten Mal seit der industriellen Revolution sind die Kernelemente des Wirtschaftens in den Händen großer Teile der Bevölkerung.“

Als Yochai Benkler von der Harvard Law School 2005 diese These auf einer TED-Konferenz aufstellt, sind das – noch – kühne Worte. In den sozialen Netzwerken sammeln sich gerade die ersten Nutzer, das iPhone ist noch nicht erfunden, die Banken machen Bombengeschäfte, die Energiewende bedroht noch nicht die großen Energieversorger.

Doch der Jurist mit dem prophetischen Gestus ist sich sicher: „Soziale Produktion ist eine Tatsache, keine Modeerscheinung. Sie ist die kritische, langfristige Verschiebung, ausgelöst durch das Internet.“ Benkler ist davon überzeugt, dass die erstaunliche Erfolgsgeschichte freier Software, allen voran des Betriebssystems Linux, mehr ist als eine Episode, auf die sich Ökonomen keinen Reim machen können. Die wunderten sich damals noch, wie Zigtausende Programmierer gemeinsam, meist ohne Entlohnung und erst recht ohne Führung durch eine Konzernspitze, hochwertige Software schreiben können.

Zehn Jahre später ist der wallende Bart gestutzt, doch die Ereignisse haben gezeigt: Benkler war auf der richtigen Fährte. Immer mehr talentierte und gewiefte Individuen schließen sich zusammen, um internetgestützt untereinander Geschäfte zu machen, miteinander Dienstleistungen zu erbringen, die früher straff organisierten Unternehmen vorbehalten waren. Diese „Peer-to-Peer-Ökonomie“ ist längst der Entwicklung von Software oder Enzyklopädien entwachsen.

Sie ist ins Hotelgewerbe eingedrungen, in Transportdienstleistungen, in die Vermittlung von Kapital, die Erzeugung sauberer Energie. In Großbritannien nimmt bereits ein Viertel der Bevölkerung an der P2P-Ökonomie teil, in Schweden gar mehr als die Hälfte. Die Idee steht damit für eine neue Art des Wirtschaftens, die in letzter Konsequenz das Ende großer Konzerne in ihrer heutigen Form bedeuten kann. Aber wie weit trägt sie wirklich? Kaum etwas kann diese Frage wohl besser beantworten als ein Blick nach dort, wo die P2P-Technologie ihren Ursprung nahm: in der Computertechnik.

Das Internet neu erfinden

Eigentlich basiert schon die Grundidee des Internets auf einem dezentralen Ansatz: Jeder Internetrechner gibt Datenpakete, die nicht für ihn bestimmt sind, einfach an seine Nachbarn weiter – er ist so zugleich Sender und Empfänger. Auf dieser Grundlage hat sich jedoch aus technischen Gründen ein hierarchisches Konzept durchgesetzt, das sogenannte Client-Server-Modell: Ein Anbieter stellt auf seinen Servern und zu seinen Bedingungen Dienste zur Verfügung. Die Clients, also die Kunden, sind meist nur noch passive Empfänger von Daten.

Aber diese Architektur gerät zunehmend in die Kritik. Denn die Zentralisierung des Internets ist durch das Aufkommen des Cloud-Computings noch stärker geworden: Die meisten Server stehen heutzutage nicht mehr bei den Dienste-Anbietern, sondern sie laufen in riesigen Datenzentren als virtuelle Maschinen. Zentrale Datenspeicher verbrauchen aber nicht nur viel Energie. Sie sind auch gegenüber kriminellen Angriffen besonders verletzlich, wie zuletzt Fälle von massenhaftem Datenklau bei Unternehmen wie Sony, Ebay oder der US-Bank JPMorgan Chase belegten. Auch die anhaltenden Enthüllungen geheimdienstlicher Internet-Schnüffeleien haben bei den Usern zu einem gravierenden Vertrauensverlust geführt.

Peer-to-Peer-Netze (P2P) greifen die ursprüngliche Idee des Internets wieder auf. In P2P-Netzen sind alle Rechner gleichberechtigt. Dateien zum Beispiel liegen nicht auf einem zentralen Server, sondern sind über das gesamte Netz verteilt. „P2P könnte die Technologie sein, die durch dezentral eingesetzte Anwendungen das Internet demokratisiert“, sagt Özalp Babaoglu. Der Informatiker von der Universität Bologna forscht seit vielen Jahren an dezentralen, selbstorganisierten Computernetzen. Er findet es „sehr unglücklich“, dass Peer-to-Peer-Netzwerke und die dazugehörigen Internet-Protokolle wie BitTorrent immer noch häufig nur mit dem illegalen Austausch von Filmen, Musik oder anderen Copyright-geschützten Produkten in Verbindung gebracht – und so diskreditiert werden. „Das ist einfach eine falsche Charakterisierung. P2P ist der Kern der grundlegenden Protokolle, die das Internet zum Laufen bringen“, sagt Babaoglu.

Die Verfechter dezentraler, P2P-basierter Lösungen haben mit den Internet-Piraten nur die technischen Konzepte gemein. Sie setzen sich für mehr Eigenkontrolle des Users ein: Dieser entscheidet selbst, wie viele Daten oder Rechenkapazität er verfügbar macht und auf was er selber zugreift. Internetriesen wie Google, Amazon oder Facebook würde so das Wasser abgegraben. An einem solchen basisdemokratischen User-Netzwerk arbeiten auch die schottischen Unternehmer David Irvine und Nick Lambert in ihrer Firma MaidSafe.

Ihr ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen das Internet ersetzen.“ Den Quellcode des Systems, das von Datenspeicher, Internettelefonie bis zu E-Mail verschiedenste Services bieten soll, hat Maid-Safe offengelegt. Die Netzwerkteilnehmer verschicken Datenpakete verschlüsselt und können selbst entscheiden, wie viel sie von sich preisgeben. „Unsere Daten gehören uns selbst und niemandem sonst“, sagt Irvine.

Einfach umzusetzen ist das Vorhaben aber offensichtlich nicht. Seit mehr als sieben Jahren tüfteln die Schotten bereits daran. Die Unterstützung der Netzgemeinde haben sie jedoch nach wie vor: Bei einer Auktion in den Internetwährungen Bitcoin und Mastercoin sammelte MaidSafe im vergangenen Jahr binnen weniger Tage umgerechnet acht Millionen Dollar ein.

Auch der Informatiker Babaoglu weiß um die Schwierigkeiten, ein größeres P2P-Netzwerk verlässlich zum Laufen zu bringen. Gemeinsam mit einem Forscherkollegen hat er einen Software-Prototyp für die Entwicklung dezentraler Clouds entworfen. „So ein System mit Millionen Teilnehmern ist natürlich nicht statisch. Sie schalten ihre Rechner an und aus, sind mal am Netz, mal nicht“, beschreibt er das Problem, das die Forschung auch „churn“ nennt – in Anlehnung an das englische Wort für „Butter rühren“.

Um trotzdem herauszufinden, auf welchen Knotenpunkten gespeicherte Daten abzuholen wären, entwickelten Babaoglu und sein Kollege ein spezielles Protokoll. Es beruht auf der Idee des „Gossip“ – des Getratsches. So wie sich in einem Großraumbüro immer wieder neue Mitarbeiter am Kaffeeautomaten treffen, tauschen die Netzwerkteilnehmer immer wieder neueste Infos mit zufällig gewürfelten Netzwerk-nachbarn aus. Zum Beispiel darüber, welche Knotenpunkte gerade erreichbar sind. „Das war ein erster Schritt, aber es bleiben so viele Fragen offen“, sagt Babaoglu. …

(bitte hier weiterlesen)


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