Verschiedene Ansichten über die nächsten weltweiten Veränderungen führen zu möglichen Szenarien für die weiteren Vorgänge – heute dazu Prof. Kjamil Askerchanow aus Baku… – Hans Ludwig (LH), 30.September 2026
Und zwar mit einem leicht gekürzten Auszug/Übersetzung eines dieser Tage veröffentlichten Beitrags.
„… dies ist nicht der Beginn eines neuen langen Zyklus. Dies ist eine Übergangsperiode. Daher wird die Herrschaft der Händler, so merklich sie auch erscheinen mag, von relativ kurzer Dauer sein.
Das Handelskapital ist älter als das Industriekapital und als das moderne Finanzkapital.
Bis zur großen Industrialisierung hatten gerade die Händler die internationalen Verbindungen kontrolliert, sie hatten das Geld, die Informationen und den Zugang zu verschiedenen Territorien.
Sie wußten, wo die Waren sind, wo ein Defizit entsteht, wo die sicheren Wege verlaufen und wem man etwas teurer verkaufen kann.
Dann kam das Industriekapital. Der Händler wurde abhängig von den Fabriken, der Flotte, der Armee, dem Staat und der Infrastruktur.
Später erlangte das Finanzkapital immer mehr Einfluß, und es begann, ein eigenes Leben zu führen, das sich immer weiter von den physischen Waren und Produktionen entfernte. Und wie M.L.Chasin richtig sagt: zum heutigen Zeitpunkt rauben die Finanziers bis zu 75% der Gewinne in der Weltwirtschaft.
Aber heute beginnt dieser Prozeß sich in die umgekehrte Richtung umzudrehen. Das Finanzsystem der Epoche der Globalisierung verliert seine vorherige Ganzheit. Die einheitlichen Märkte zersplittern, die Sanktions- und Tarif-Barrieren mehren sich, die Logistik wird komplizierter, die Zahlungssysteme fallen auseinander, die energetischen und Transport-Routen hängen immer mehr nicht vom Börsenpreis ab, sondern von der Politik, der physischen Verfügbarkeit und der Sicherheit.
In einem solchen System wächst der Wert dessen stark an, welcher in der Lage ist, nicht nur eine Ware zu kaufen, sondern sie garantiert von einer Wirtschaftszone in die andere zu verbringen: eine Transport-Route zu finden, die Verrechnung zu gewährleisten, die Versicherung, das Umschlagen, die politische Absicherung und Sicherheit.
Und hier schließt sich in der Geschichte ein erstaunlicher Kreis.
Einer der frühen Vorläufer der modernen organisierten Aufklärung/Spionage entstand gerade in der handelnden Venezianischen Republik. Für den Staat, dessen Existenz voll vom Handel und den Meereskommunikationen abhing, waren die Informationen über die fremden Höfe, Kriege, Märkte, Häfen und Handelsrouten genausoeine strategische Ressource wie das Geld und die Ware.
Handel, Diplomatie, Aufklärung und Sicherheit verwandelten sich dort in die Elemente eines einigen Mechanismus‘.
Später bekam dieser Verbund schon eine andere Form: die Ost-Indischen Kompanien, wo das Handelsinteresse praktisch untrennbar verbunden war mit dem politischen Einfluß und der militärischen Kraft.
Nicht auszuschließen, daß wir jetzt so etwas ähnliches erleben werden, natürlich auf einem völlig anderen technologischen Niveau.
…
Diese Bewegung kann gleichzeitig von zwei Seiten erfolgen. Das neue Handelskapital wird eine Stütze in jenen Strukturen suchen, die über die Informationen verfügen, über den Zugang dazu und die Möglichkeit, deren Sicherheit zu gewährleisten.
Und die Aufklärungs- und Macht-Strukturen ihrerseits werden immer näher heranrücken an die Kontrolle der Handelsströme, der Logistik, der Infrastruktur und der Abrechnungen.
Dies ist kein Widerspruch, sondern einander ergänzende Prozesse, die vor unseren Augen bereits ablaufen, die nur kaum einer sieht.
Im Wesen ist das eine Rückkehr zu den Ausgangspositionen.
Deshalb sind die „Knoten“ – Singapur, Hongkong, Beirut, das Schwarzmeer-Umland – so wichtig. Und zwar nicht die Städte also solche, sondern als Berührungspunkte mehrerer Wirtschaftsräume.
Malakka, Horrormus, Babel Mann Depp, Suez, Bosporuß, Zypern, Kaspien und Schwarzmeer-Umland sind jene Orte, wo gleichzeitig Waren, Geld, Infrastruktur, Information und Sicherheit zusammentreffen.
Und also nicht nur Orte, wo der Haupt-Handelsgewinn in der Übergangsperiode entstehen wird, sondern auch Orte, um die man sich schlagen wird.
Und genau aus diesem Blickwinkel muß man das betrachten, was heute im Großen Nahen Osten abgeht. Der Kampf geht nicht nur um Territorien und nicht nur um das Erdöl.
Der Kampf geht um die Möglichkeit zu bestimmen, wer, wohin, wieviel und zu welchem Preis die physische Ware verbracht werden kann.
Die Kontrolle über solche einen Knotenpunkt erlaubt es, auf die Transportkosten, die Versicherung, den Energiepreis, die Auslastung der Industrie, die Inflation und letztendlich auch die Stabilität von Staaten, die sich tausende Kilometer entfernt von jenen Meerengen oder Häfen befinden, Einfluß zu nehmen.
Und hier befindet auch die Grenze des neuen Handelskapitalismus.
Der Händler kann außerordentlich viel verdienen am Zerfall des vorherigen Systems. Je mehr Barrieren, desto höher der Preis der Vermittlung. Je schwieriger eine Ware durchzubringen ist, desto wertvoller wird derjenige, der das tun kann.
Aber es ist unmöglich, endlos mit dem bereits Produzierten zu handeln.
Zu einem gewissen Zeitpunkt wird das Handelskapital erneut in die Produktion investieren müssen. Wie bereits gesagt, die Händler werden unweigerlich beginnen, den Industriellen zu finanzieren: einfach deshalb, weil sie Waren brauchen, mit denen sie handeln können.
Deshalb würde ich die jetzige Aufwertung des Handelskapitals nicht als endgültige Weltordnung ansehen.
Dies ist die Wirtschaftsform des Übergangs zwischen zwei Ordnungen.
Während die alten globalen Verbindungen zerfallen und die neuen Makrozonen sich noch nicht ausgeformt’/abgeschlossen haben, gelangt an die Spitze derjenige, welcher in der Lage ist, die zerrissenen Räume zu verbinden.
Und neben ihm erscheint unweigerlich derjenige, welcher über die Informationen verfügt, die Sicherheit gewährleistet und die geschlossenen Türen öffnet.
Und wenn die neuen Makrozonen sich endgültig ausgeformt haben werden, werden in ihnen Produktionsketten entstehen, eine Energetik, Infrastrukturen, Zahlungssysteme und Sicherheitssysteme.
Dann wird der Händler die Führungsposition erneut dem Produzenten und Besitzer der Infrastruktur überlassen.
Deshalb ist der heutige Kampf bedeutend breiter angelegt als nur der Handel.
Dies ist der Kampf um Häfen, Meerengen, Eisenbahnen, Rohrleitungen, Kabel, Energienetze und Verrechnungszentren – um jene Punkte, wo die Wirtschaft sich mit der Information und der Macht trifft.
Vor uns haben wir keine Rückkehr des 18. Jahrhunderts.
Vor uns haben wir die Rückkehr von dessen Logik – für kurze Zeit und auf einem völlig anderen technologischen Niveau.“
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Und ein Auszug aus einem Beitrag von Prof. Dmitrij Jewstafjew zum gleichen Thema:
„… Der Finanz-Spekulanten-Kapitalismus wird nicht so einfach gehen. …
Der „Handels-Kapitalismus“ hat zwei unstrittige Konkurrenz-Vorzüge. Er ist fähig, beliebige eroberte Trophäen (Infrastruktur, Technologien, wirtschaftlich aktive Gemeinschaften) zu nutzen und sich unterzuordnen. … Und genauso wird, „wenn und falls“ in der Zukunft der Handelskapitalismus siegen wird, er sich sowohl den IMF, als auch die WTO und weitere Institutionen, die für den Finanz-Investitions-Kapitalismus geschaffen wurden, zu Diensten machen.
Der zweite „Vorzug“: der ‚Handelskapitalismus‘ strebt prinzipiell nicht nach der Überwindung der Entwicklungs-Disproportionen. Dies ist ein Kapitalismus, der nicht abhängig ist von der Tiefe der sozialen Schlucht innerhalb der Gesellschaft und zwischen den Regionen.
Der Handelskapitalismus ist ein selbstlernender geoökonomischer Parasit. In seinem Wesen erinnert er sehr an den berüchtigten KI… der Handelskapitalismus ist ein nciht mal absoluter, sondern immanenter Imperialismus. Dies sind zwei kritische, und zwar innere, Bedingungen seiner Existenz. Ohne sie stirbt er. Und das ist eigentlich jenes neue Konkurrenz-System, das so gern mit dem Begriff „neues Mittelalter“ benannt wird.“
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Ja, soweit die Geopolitiker. Die Betrachtungen stützt sich auf den bevorstehenden Zerfall der globalisierten Welt in mehrere Wirtschafts-/Valuta-Zonen. Aus heutiger Sicht könnten das sein: Amerika (Nord- + Süd-), China/Südostasien, Indien/Westasien, RF+Osteuropa.
Weitere Anwärter sind Iran/Golf, Türkei/Syrien… fraglich, ob deren Ressourcen reichen…
Ziemlich am Rande stehen heute:
Mittel- und Westeuropa, da sie ihr Wirtschafts-Potential ‚verspielt‘ haben und kaum über nennenswerte Ressourcen verfügen.
Ebenso das ehemals große Britannien, das nur noch Geld, Versicherungen und Dienste hat, aber keine nennenswerte territoriale Basis mehr (vielleicht von Kanada abgesehen, aber dort ist der Ukro-Einfluß sehr stark).
Auch der Vati Kahn mit seiner „Renaissance“ eines „Österreich-Ungarn“ taugt eher als „Trennmittel“ zwischen anderen Mächten…
Die anderen Gebiete werden sich in die entstehenden Machtblöcke einordnen müssen bzw. werden von diesen „erobert“ / in Abhängigkeit gebracht werden…
Für uns Tojtsche bleibt das bewährte Konzept der regionalen Autarkie und des völkischen Zusammenhalts, wodurch sich auch die Abhängigkeit von den Händlern und deren Nachfolgern reduziert. Freilich setzt das eine viel bescheidenere Lebensweise, mit der Chance auf Naturnähe, voraus.
Und ein inneres, ehrliches Verabschieden von jeglichen Herrschaftsphantasien… und eine ehrliche Suche nach einem oder zwei passenden Partnern…
(Fortsetzung folgt)