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Augen zu und durch?

Das ist ein brauchbares Mittel, wenn man vor einer überschaubaren Herausforderung steht und nicht genug Zeit hat, über gescheite Lösungen nachzudenken, aber schnell reagieren muß. Da könnten wir bald sein, müssen wir aber nicht… – LH, 22. August 2026 – – – – – – – – – – – – – – –

Was uns demnächst bevorsteht, ist keineswegs überschaubar, da keiner weiß, wohin die Reise wirklich gehen wird, weil das gesamte bisherige Wirtschafts- und Gesellschaftssystem seine totale Unfähigkeit, die anstehenden Probleme zu bewältigen, nachgewiesen hat. Ob davon noch was brauchbar ist? Wer weiß…
Wobei die Frage nach einer neuen Ordnung bei fast allen nur Schulterzucken hervorruft…

Aber noch haben wir ein paar Wochen (oder gar Monate?) Zeit, bevor wir von den jetzt noch Mächtigen in die Wirren des vorgesehenen Chaos gestoßen werden. Diese Zeit sollten wir nutzen, um uns darüber klar zu werden, welche Veränderungen kurz- und mittelfristig anzustreben sein werden, ausgehend von einem lohnenden langfristigen Ziel, das wir oder unsere Kinder/Enkel/Urenkel erreichen wollen.
Mit „wir“ meine ich hier dich und mich, und unsere Freunde und Ähnlichgesinnten.

Wir haben nun in den vergangenen Wochen Gelegenheit gehabt, uns über das jetzige System, seine Strukturen und Ziele klar zu werden. Doch dessen Niedergang wird immer deutlicher, und das Tempo nimmt zu.
Damit können wir wohl ziemlich genau bestimmen, was wir nicht wollen. Obwohl auch dazu wieder jede/r eine eigene Ansicht haben wird…

Aber bitte konzentrieren wir uns doch im weiteren – auch in der Diskussion – auf das, was wir haben wollen, oder besser: sein wollen.

Als Anstupser dazu möge hier ein „uralter“ Artikel von M.Chasin über „Globale Projekte“ (GP) herhalten, den ich einst übersetzt hatte (wer das ganz lesen will, bitte melden). Er behandelt dabei vor allem die Historie/Evolution und das Scheitern des „westlichen GP“ und eine mögliche Rückkehr des (zuvor in der UdSSR teilgescheiterten) „roten GP“, d.h. die Rückkehr zu einer gemeinschafts-orientierten Gesellschaft.
Nachfolgend entnehme ich daraus die zukunftsorientierten Abschnitte und versehe sie mit ganz wenigen aktuellen Anmerkungen…
Los geht’s.

„… Wie wird die Situation sich weiter entwickeln?
Es sind noch keine neuen Propheten/Projekte, weder globale noch regionale, in Sicht, also müssen wir wohl oder übel aus den bestehenden Projekten wählen.

Da die kommende („objektive“) Wirtschaftskrise den Lebensstandard in allen westlichen Ländern stark senken wird (der heute aufgrund des Phänomens des Überkonsums im Zusammenhang mit der Dollar-Emission deutlich übertrieben ist), wird das „Profit“-Konzept weitgehend durch „Gerechtigkeit“ ersetzt werden.

Und das bedeutet eine Renaissance des „roten“ Projekts und eine weitere Stärkung des „islamischen“ Projekts.
Was in den Vereinigten Staaten geschehen wird, mag der Autor nicht vorhersagen, aber in Europa wird es nur eine Frage geben: wird die sozialistische Idee in der Lage sein, die islamische Bevölkerung zu assimilieren oder wird Europa in der islamischen Welt aufgehen?

Es sei darauf hingewiesen, daß der Islam bisher nur im Rahmen der Entwicklung der sozialistischen Ideen (UdSSR) assimiliert werden konnte, und deshalb glaube ich, daß das „rote“ Projekt in Europa eine starke Ausbreitung erfahren wird. (jedoch nur sofern die EU/Brüssel nicht mit Hilfe der sog. Migranten das Europa der bisherigen kulturvollen Zivilisation vernichtet, denn „wir schaffen das“ ist ja erst 11 Jahre her – LH)

Halten wir fest, daß eine Renaissance rein „christlicher“ Projekte („byzantinisch“ in Form der Orthodoxie/Rechtgläubigkeit oder „katholisch“-vatikanisch) in naher Zukunft nicht zu erwarten ist. Es ist so, daß eine derart gewaltige Krise, wie der
Zerfall des weltweiten Systems der Arbeitsteilung und der Zerfall des einheitlichen Dollarraums, von allen Beteiligten aktive, wenn nicht gar aggressive Maßnahmen erfordert.
Die Politik der „christlichen“ Projekte wird im Wesentlichen durch ihre Dogmatik bestimmt, welche die
Demut als eine ihrer Haupttugenden benennt. Mit anderen Worten: die Wiederbelebung dieser Projekte ist möglich, aber nicht mittelfristig und schon gar nicht kurzfristig, sondern in einem wesentlich längeren Zeitraum.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum gerade das „rote“ Projekt in naher Zukunft besondere Bedeutung erlangen sollte. Tatsache ist, daß der im 16. Jahrhundert erneut zugelassene Kreditzins ein neues Phänomen in der Geschichte der Menschheit geschaffen hat – die „technologische Gesellschaft“.
Der beschleunigte technische Fortschritt der letzten Jahrhunderte, der vor allem die Sterblichkeitsrate stark gesenkt
(? – LH) und eine erhebliche Zunahme der Zahl der Menschen ermöglicht hat, ist auf eben dieses Phänomen zurückzuführen.
Es ist nicht ausgeschlossen, daß die zwingende Regel für dieses Phänomen das
gleichzeitige Vorhandensein von Kreditzinsen und des biblischen Wertesystems ist, denn selbst Japan und China (in denen das biblische Wertesystem nicht sehr verbreitet ist) entwickeln ihre Technologien im Allgemeinen nur auf Kosten der Tatsache, daß es westliche Länder gibt, die Investoren und Konsumenten von Industrieprodukten sind.

Zum Islam dagegen ist nichts zu sagen – alle Versuche, eine technologische Zivilisation auf der internen Basis islamischer Völker zu schaffen, sind gescheitert.
(was ist mit dem modernen Iran? – LH)

Zugleich ist die Menschheit heute nicht bereit, auf technologische Errungenschaften zu verzichten. Umso wichtiger ist es, daß es eine Ausnahme von dieser im Allgemeinen recht starren Regel gab. Eine technologische Zivilisation wurde in der UdSSR aufgebaut – in einem Land, in dem Kreditzinsen nicht weniger, wenn nicht sogar noch strenger, verboten waren als in islamischen Ländern.

Diese einzigartige Erfahrung des „roten“ Projekts wird gefragt werden, denn die bevorstehende EWM-Krise
(EWM = einheitlicher Wert-Maßstab, wie z.B. Gold – LH) dürfte zumindest eine vorübergehende Abkehr von der Nutzung der Kreditzinsen bewirken. Dies ist damit verbunden, daß die Zerstörung des einheitlichen Dollar-Emissionsraumes wahrscheinlich schrittweise erfolgen wird.

In der ersten Phase wird die Welt höchstwahrscheinlich in mehrere (drei bis fünf)
Emissions-Valuta-Zonen aufgeteilt werden: der US-Dollar, der früher oder später nicht mehr von einer privaten Einrichtung, sondern vom US-Bundesfinanzministerium ausgegeben werden wird, der Euro (sicher nicht mehr, da die EU zerfallen wird, weil das ‚Zugpferd‘ BRvD ohne Industrie erstmal in der Bedeutungslosigkeit versinken wird – LH) und der Yuan. (weitere „Bewerber“ stehen schon Schlange – LH)
Es ist nicht ausgeschlossen, daß es zwei weitere Zonen geben wird: den so genannten „Gold-Dinar“
(hat sich mit der Ermordung Ghadaffis erledigt – LH) und den russischen Rubel. Letzterer ist zwar unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung Rußlands als einheitlicher Staat absolut notwendig, aber unter der derzeitigen (neoliberalen) Führung unserer Wirtschaft eher wenig wahrscheinlich.

Da das moderne System der Arbeitsteilung jedoch von globalen Märkten ausgeht
(die es nicht mehr geben wird – LH), wird ein solches System sicher weniger rentabel sein und wahrscheinlich weiter zerfallen.
Infolgedessen werden die einzelnen Staaten, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen und ihre Souveränität zu schützen, die Rechte einzelner privater Akteure auf die Aneignung von Gewinnen, d. h. in erster Linie ihre Möglichkeit zur Erzielung von Emissionseinkommen, mehr und immer härter einschränken.
Dieser Trend wird schließlich fast zwangsläufig zu einem gesetzlichen oder gar ideologischen
Verbot der privaten Nutzung von Kreditzinsen führen. (beachte: dies wird nicht ideologisch bedingt sein, sondern harte ökonomische Notwendigkeit! – LH)

Um zum Hauptthema zurückzukommen: im Europa der kommenden Jahrzehnte wird die starke Ausbreitung des „islamischen“ Projekts auf drei große Widerstände stoßen.
Der erste kommt von Seiten des sterbenden „westlichen“ Projekts. Und hier wird der Nahkampf rücksichtslos und kompromißlos sein.
(leider ist dies nicht eingetreten, sondern das Gegenteil – LH)
Der zweite kommt von der Seite der Nationalstaaten, die (mehr oder weniger stark) im Rahmen der Europäischen Union vereint sind. Hier wird der Druck des „islamischen“ GP schwächer sein, weil nationale Projekte per definitionem nicht lange gegen ein globales Projekt bestehen können.
(falls es nationale Projekte gibt, denn wir haben keins – LH)
Die dritte Ebene des Widerstands wird jedoch von dem wiederauflebenden „roten“ Projekt ausgehen, und hier werden die Verhältnisse sehr kompliziert werden.
Einerseits kann das „rote“ Projekt die islamische Bevölkerung Europas assimilieren (wie es in der UdSSR der Fall war), und in diesem Sinne stellt es die Hauptgefahr für das „islamische“ Projekt dar.
Andererseits sollten einige seiner Merkmale so weit wie möglich unterstützt werden, da sie die Erhaltung der technischen Zivilisation in Europa
(Eurasien – LH) werden gewährleisten müssen.

Als Ergebnis dieser Prozesse wird in Europa
(Eurasien – LH) höchstwahrscheinlich ein neues globales Projekt entstehen, eine Art Symbiose aus Islam und Sozialismus, die man bedingt als „islamischen Sozialismus“ bezeichnen kann.
(allerdings nur, falls es ein Europa im Sinne der bisherigen Kultur/Zivilisation/Geschichte noch geben wird und nicht islamisch-totalitäre Gebilde/Khalifate – LH)

Betrachtet man die Situation in Rußland, so unterscheidet sie sich von der europäischen nur in einem Punkt: Die Prinzipien und Mechanismen des „roten“ Projekts sind hier viel weiter entwickelt.
Und dies stellt eine enorme Bedrohung für das „westliche“ Projekt dar, da all die Veränderungen, die in den vorangegangenen Abschnitten für Europa beschrieben wurden, in Rußland viel schneller ablaufen können – und damit den endgültigen Zusammenbruch des „westlichen“ GP ernsthaft beschleunigen können.

Infolgedessen hat das „westliche“ Projekt einen beträchtlichen Teil seiner Kräfte in die dringende Zerstörung der Überreste des „roten“ Projekts in Rußland gesteckt: die fest angestellten Manager dieses Projekts (Gref, Kudrin, Surabow, Schuwalow,
Nabiullina, Siluanow, Reschetnikow usw.) haben begonnen, aggressiv auf den sofortigen Beitritt Rußlands zur WTO zu drängen (wer braucht das noch in 2 – 3 Jahren?) und das staatliche System der Altersrentenversorgung, des Gesundheitswesens und der Bildung zu zerstören.
(zur WTO geht es heute um den RF-Austritt, sodann um ein neues Rentensystem, eine Reform des Gesundheitswesens und der Bildung – dieser politische Kampf ist in vollem Gange -, hinzu kamen äußerlich der Putsch im „Rammbock“ U-Land, der „Minsk“-Betrug, die vom Westen aufgedrängte MSO und die widerrechtlichen sog. „Sanktionen“ – LH)

Ein solches Verhalten des „westlichen“ Projekts ist verständlich. Rußland war seit einem Jahrtausend ausschließlich ein Projektland und kann ohne dies einfach nicht existieren. Aber die Zerstörung des „roten“ Projekts hat es zum ersten Mal in einem Vakuum zurückgelassen: Für Rußland sind noch keine Projekt-Werte sichtbar, und es ist nicht gelungen, unseren Völkern die Werte des „westlichen“ Projekts aufzudrängen, um es unverblümt zu sagen.

Aber angesichts unseres verbleibenden Wehrtechnik- und Bildungspotenzials ist es unmöglich, daß ein anderes globales Projekt dieses Gebiet übernimmt, wofür es in eine von aggressiven und unkonstruktiven Stämmen bewohnte Wüste verwandelt werden müßte. Solange das „westliche“ Projekt „eins und unteilbar“ war, konnte dies auf technologischer Ebene bekämpft werden. Doch der Sieg von Bush in den USA erfordert bereits harte und entschlossene Maßnahmen.
(was auf den Trampel um so mehr zutrifft, aber leider nicht durchgeführt wird – LH)
Und das ist es, was wir in der Praxis erleben.

Halten wir fest, daß theoretisch auch ein anderer Weg der Entwicklung nach dem Zusammenbruch des „westlichen“ Projekts möglich ist.
Dieser Weg ist die Ablehnung der restlichen biblischen Dogmen. Das Problem dabei ist jedoch, daß in diesem Fall eine neue Dogmatik im Projektmaßstab formuliert werden muß.

Das Beispiel Chinas, das lange Zeit an einer Weggabelung stand, ist hier sehr anschaulich. Es hätte die gefallene Fahne des „roten“ Projekts selbst aufheben können, hat dies aber offenbar verweigert.

Es hätte versuchen können, ein neues GP zu formulieren (z.B. auf einer modifizierten Basis des Buddhismus), aber das hätte fast zwangsläufig zu einer Ablehnung der technologischen Gesellschaft geführt, welche wohl nicht akzeptabel war.
Es ist möglich, daß China gerade aus dem letztgenannten Grund kategorisch nicht bereit ist, die kommunistische Rhetorik und die entsprechenden Elemente der Staatsführung aufzugeben.
Aber heute ist China faktisch auf den Weg der Schaffung eines
nationalen Imperiums gegangen. Damit löst es zwar viele taktische Probleme, aber im Grunde genommen ist ihm ein Weg versperrt – die Expansion in die ganze Welt. China hat seine territorialen und ideologischen Ansprüche selbstständig begrenzt. (ob das so bleibt? – LH)

Abschließend können wir Folgendes feststellen.
Der unvermeidliche Zerfall des „westlichen“ Projekts wird zu einem komplexen Prozeß des Kampfes vieler bereits bestehender globaler Projekte führen, die versuchen, ihren Einfluß zu vergrößern oder einfach wiederzubeleben. Die wichtigsten von ihnen werden jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach in der ersten Phase zwei sein: „islamisch“ und „rot“.
Das erste – wegen seiner offensichtlichen Macht heute, das zweite – als Garant für die Bewahrung der „technologischen Zivilisation“.
(daneben entstehen weitere regionale Projekte /Groß-Isreal, Turan u.a./, deren Entwicklung noch abzuwarten ist; auch „den Westen“ in Gestalt der Angelsaxen sollten wir noch nicht abschreiben – LH)

Und wenn Rußland in den kommenden Jahrzehnten irgendeine Rolle in der Welt spielen oder auch nur als Staat überleben will, müssen wir unbedingt aktiv die aus der Zeit des Sozialismus übriggebliebenen Mechanismen und Technologien wiederbeleben und dabei auch versuchen, auf der Grundlage des „roten“ Projekts eine neue russische Projekt-Ideologie zu schaffen.“


Soweit Mischa Chasin vor ca. 30 Jahren, hier das russ. Original.

Für mich gibt es dort jede Menge Ansatzpunkte für Überlegungen und einen gigantischen Diskussionsbedarf, denn inzwischen hat sich doch so einiges verändert. Aber in den Tendenzen erstaunlich wenig…

Schlage daher vor, daß wir die verbliebene knappe Zeit dazu nutzen, die Grenzen für eine Rückkehr eines rötlichen Projekts in unseren Landen zu untersuchen; hoffe sehr, daß diese über die der fünf „neuen“ Bundesländer hinausgehen werden… meine ‚Geheimkandidaten‘ sind Bayern und BaWü…
Wie schonmal vorgeschlagen, scheint eine ganz neue Bezeichnung (Solidargemeinschaft, Solidar-Wirtschaft o.ä.) sinnvoll…
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