Viele Leute fragen sich (und andere), was denn da in der RF los sei – so viele unterschiedliche und widersprüchliche Meldungen, und selbst wenn man die offensichtlichen Zwecklügen der West- und Ukro-Propa streicht, bleiben noch genug Fragen übrig…
Nachfolgend übersetzt der Versuch einer Erklärung eines wenig bekannten Blockers vom 29.6.26, der (zu seiner Sicherheit) diesen Beitrag angeblich per e-Post erhalten hat; für uns vielleicht interessant, falls da jemand Parallelen erkennen sollte… – LH, 8.Juli 2026
„Alles kommt an seinen Platz, wenn man als Tatsache annimmt, daß ein Staat als Institution nicht existiert, sondern es gibt dessen Imitation, und die Interessen einiger Gruppen der Präsi-Administration, welche einfach auf den Ressourcen sitzen.
Dann wird alles logisch und verständlich und zwar: das Fehlen einer (Staats-)Ideologie und eines Bildes der Zukunft, das Fehlen einer Koordination und eine Entwicklungsplanes, die unverständliche Außenpolitik, die Migrationskrise usw.
Die Menschen sind auch kein Ziel, sondern lediglich eine Ressource. Die aktiv von außen aufgefüllt wird.
Also ist es zwecklos, sich vorzuhalten „na was denn, sieht er nicht, was vor sich geht?“
Er ist überhaupt nicht für uns da. Er ist eine Funktion. Die Funktion hat null Empathie, die kann es dort per definitionem nicht geben. Es gibt Geschäftsinteressen und ein Rudiment des Überlebens – das ist alles.
Die Halbwertszeit
Um zu verstehen, was zwischen der RF und dem U-Land vor sich geht, muß man erstmal von der verführerischsten Erklärung absehen – der staatlichen.
Verführerisch, weil gewohnt: man hat uns von Kindheit an eingetrichtert, daß der Staat das Subjekt der Geschichte sei, der Träger des Willens, der Beschützer der Interessen.
Aber wenn ein Staat als handlungsfähige Institution einfach nicht existiert? Wenn wir eine Imitation der Staatlichkeit vor uns haben, eine Dekoration, hinter welcher einige konkurrierende Gruppierungen sitzen, die untereinander die Ressourcen-Ströme aufgeteilt haben? (oder andere Hintergrundkräfte? – d.Ü.)
Dann kommt alles an seinen Platz.
Das Fehlen einer verständlichen Ideologie ist kein Rechenfehler, sondern die Norm: eine Ideologie wird von einem Staat benötigt, der die Leute irgendwohin führen will, jedoch nicht von einer Gruppierung, für welche es ausreichend ist, die Kontrolle über die Rohrleitungen, die Häfen, die Zeilen im Haushalt zu behalten.
Das Fehlen eine Zukunftsvision ist keine Verwirrung, sondern Rationalität: der Planungshorizont einer Gruppierung wird nicht in Generationen gemessen, sondern im Zeitraum der Herrschaft über das Vermögen.
Die Migrationskrise ist ein politisches Versagen, sondern eine Personalentscheidung: es gibt nicht genug Leute, also werden sie herangeschafft, weil die Leute hier kein Ziel oder Wert sind, sondern ein ersetzbares Verbrauchsmaterial.
Und genau in dieser Logik sind auch die beiden Bruchstücke der UdSSR – Rußland und Ukraine – zu betrachten. (warum? – d.Ü.)
Bruchstücke
Die Kernphysik bietet hier eine exakte Metaphorik und nicht nur ein schönes Abbild. Wenn ein schwerer instabiler (?) Atomkern, in diesem Falle die UdSSR, zerfällt, dann verschwindet er nirgendwohin. Er erzeugt Spaltungsprodukte: leichtere, aber auch instabile, auch radioaktive, und jedes davon hat seine eigene Halbwertszeit. (das ist die Zeit, bis die Hälfte des vorhandenen Materials weiter zerfallen ist; dies sagt aber z.B. gar nichts aus über die Stärke der verbliebenen Strahlung – d.Ü.)
Das sind beim einen Sekunden, beim anderen Jahrtausende, aber beide bewegen sich unweigerlich auf einen stabileren Kernzustand zu, wobei sie unterwegs Energie, Neutronen und Struktur verlieren.
Rußland und Ukraine sind solche Bruchstücke. Sie haben vom Mutterkern die Ladung, die Infrastruktur, das Territorium und die Bevölkerung geerbt, aber keine Stabilität.
Der sowjetische Kern hielt zusammen dank des kolossalen Bindungspotentials: der Ideologie, des Repressionsapparates, der Planwirtschaft, der Partei-Vertikale.
Als dieses bindende Feld verschwand (von allein? – d.Ü.), flogen die Bruchstücke in unterschiedliche Richtungen davon, jeweils Fragmente der früheren Struktur entführend und im weiteren schon eigenständig zerfallend.
Der Zerfall war nicht im Jahre 1991 beendet. Er setzt sich fort.
Das invariante Sujet
Ein Bruchstück hat keinen souveränen Willen. Es gibt eine Bahn, die im Augenblick des Zerfalls vorgegeben war, und es gibt eine interne Instabilität, welche diese Bahn nach und nach verzerrt.
Genau deshalb ist die „Staatspolitik“ Rußlands und der Ukraine – bei allen äußeren Unterschieden in den Narrativen – ein und demselben invarianten Sujet unterworfen: die herrschenden Gruppierungen benutzen die Staatshülle zur Legitimierung ihrer Kontrolle über die Ressourcenströme, wobei die Hülle selbst sie in der langfristigen Perspektive nicht interessiert.
Dies erklärt die erstaunliche strukturelle Ähnlichkeit beider Systeme, die sich offiziell im Kriegszustand befinden.
Zu beiden Seiten der Front stehen oligarchische Clans, die in den Staatsapparat eingebaut sind und diesen als Instrument der Umverteilung benutzen.
Zu beiden Seiten gibt es (Staats-)Machtstrukturen, die nicht als Sicherheits-Institutionen funktionieren, sondern als eigenständige Spieler mit eigenen Geschäftsinteressen.
Zu beiden Seiten stehen Eliten, die ihre Vermögen und Familien im Ausland aufbewahren, d.h. die auf dem Verhaltensniveau das vollständige Mißtrauen in eine langfristige Stabilität des eigenen Staates demonstrieren.
Zu beiden Seiten lebt eine Bevölkerung, die mobilisiert und mit Steuern belastet wird, die stirbt und ersetzt wird, aber nirgends als End-Nutzen-Zieher der Vorgänge auftritt.
Das ist kein Krieg der Staaten. Das ist der Konflikt zweier instabiler Isotope, von denen jedes im Prozeß des eigenen Zerfalls Energie ausstrahlt.
Neutronen ohne Adresse
Beim Atomkernzerfall wird jeder Teilungsakt von einem Neutronen-Ausstoß begleitet – das sind Teilchen ohne Ladung, die jedoch tief durch beliebige Hindernisse dringen können und neue Reaktionen in benachbarten Kernen auslösen können.
In unserem Modell spielen die Rolle der Neutronen die Gelder, die Waffen, die Menschen und die Informationen, welche keinem Staat gehören und keiner staatlichen Logik unterliegen.
Die ukrainischen Oligarchen finanzieren EU-Lobbyisten. Die RF-Machtleute halten Immobilien in Dubai. Die Wehrtechnik-Hersteller sind – über ihre Zulieferketten – gleichzeitig für beide Seiten tätig. Die Migrationsströme werden von den herrschenden Gruppierungen dorthin gelenkt, wo im Augenblick billige Arbeitskräfte gebraucht werden, für den Ersatz der Verluste.
Alle diese Neutronen werden im Verlaufe der Reaktion ausgeschüttet und halten sie am Laufen/verbreiten sie.
Die Kettenreaktion wird nicht aus einem einheitlichen Zentrum gelenkt. Sie ist selbst erhaltend durch die physikalischen Zerfallsgesetze.
Die Halbwertszeit als strategischer Horizont
Die Frage, welche gewöhnlich bezüglich dieses Krieges gestellt wird – wer wird siegen? – ist nicht korrekt, weil sie das Vorhandensein von Subjekten mit langfristigen Zielen voraussetzt. Korrekt wäre es, anders zu fragen: wer hat die größere Halbwertszeit?
Das RF-Isotop hat die größere Anfangsmasse – Territorium, Ressourcenbasis, mögliches Atomwaffen-Potential (das ist nicht genau) und dementsprechend die größeren Zerfalls-Trägheit. Es kann in der gegenwärtigen Form länger existieren.
Aber die Instabilität verschwindet nicht einfach: sie reichert sich intern an, in Form der Struktur-Degradation der Institutionen, der Vernichtung des menschlichen Kapitals, der zunehmenden Abhängigkeit von äußeren „Krücken“.
Das ukrainische Isotop ist leichter und reaktionärer. Es verliert schnell an Masse: Bevölkerung, Industrie, Infrastruktur, aber dieser Zerfall wird teilweise kompensiert durch äußere Unterstützung: durch westliche Transfers, welche eine Funktion erfüllen, die einer Neutronenbestrahlung gleichkommt, welche die Teilungs-Reaktion künstlich erhält.
Beide Varianten führen zum gleichen Finale: dem Übergang in einen stabileren Zustand. Was das genau für eine Stabilität sein wird, ist eine Frage der Konfiguration der Bruchstücke nach dem nächsten Teilungsakt. (sic! – d.Ü.)
Was bleibt invariant?
Bei beliebigem Ausgang bleibt nur eines invariant: die herrschenden Gruppierungen zu beiden Seiten sichern sich einen Ausstieg aus der Reaktion unter Erhalt ihrer Vermögen.
Das ist kein Zynismus, sondern Physik. (? – d.Ü.)
Instabile Isotope zerfallen, aber die Elementarteilchen verschwinden nirgendwohin. Sie gruppieren sich einfach in eine neue Konfiguration um.
Staaten, so sagt man uns, führen Krieg gegeneinander. Eliten sind, näher betrachtet, in einem einheitlichen Raum – finanziell, off-shore-, familiär – tätig.
Der Krieg trennt die Völker. Der Zerfall konsolidiert jene, welche dessen Logik zu lesen verstehen.
Die Leute können einem in diesem Schema wirklich leid tun. Nicht weil sie eine Ressource sind, obwohl das funktionell genau so ist.
Sondern weil sie die einzigen sind, welche ernsthaft an den Staat als Subjekt glauben. Und für diesen Glauben bezahlen sie am teuersten – mit ihren Leben.“
Original-Quelle: https://t.me/polkovnikKurtz/75434, https://t.me/polkovnikKurtz/75435, https://t.me/polkovnikKurtz/75436 – Übersetzung: Hans Ludwig, 8.7.26
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Anmerkung des Übersetzers:
Ein schöne Erzählung, nicht wahr? Zu schön um wahr zu sein, oder?
Zu glatt fügt sich da alles zusammen… in bestimmten Interessen… klar, jedes Gleichnis ‚hinkt’… vor allem, wenn noch selektive Sichtweisen hinzukommen, oder Kernzerfall und Kettenreaktion munter durcheinandergewürfelt werden.
Aber entgegen den Behauptungen des unbekannten (insularen?) Autors gibt es durchaus konkrete Vorteilsnehmer dieser Prozesse.
Und wir haben es beim Zerfall der UdSSR keinesfalls mit einem natürlichen Vorgang wie dem Kernzerfall zu tun, (der übrigens auch einen äußeren energetischen Anstoß braucht, um in Gang zu kommen, zumindest wenn ein 70 Jahre lang stabiler Kern gespalten werden soll) sondern mit einem gestalteten, gelenkten Prozeß.
Und genau die Vorteilsnehmer – qui bono? – werden uns zu den Verursachern, Lenkern und den wahren Vorgängen führen…
Das Bild vom Kernzerfall ist allzu verführerisch, und es wird vieles im Text „logisch“ dafür „zurechtgebogen“… denn es soll uns davon abhalten, bestimmte unbequeme Fragen zu stellen.
Zum Beispiel, warum fast jeder Staat weltweit seit 3 – 4 Jahrzehnten Im Auftrag der transnationalen Konzerne, Banken und Fonds zielgerichtet zu einer Firma umgebaut wird? Also ein allgemeiner Trend ist das, keine „Bruchstück-Spezifik“…
Denn wir erinnern uns an DUNS-Nummern und UPIK, an Agenturen statt Ämter, an den rigorosen Sozialabbau (Zeitarbeit, 1-Euro-Jobs), an die offene Mißachtung der Menschenrechte der Arbeitslosen (Beschnitt des Existenzminimums), die zunehmende soziale Ungleichheit durch die brutale Umverteilung aller Vermögen zugunsten der Superreichen, und vieles andere in diesem Zusammenhang. (großteils hier auf bb nachlesbar)
Oder die Frage, warum die EINE Ideologie – die der Vergötterung des Reichtums – überall als Staatsideologie eingeführt wurde, ohne dies zu benennen, während alle anderen Ideologien mit allen demokratischen (und sonstigen) Mitteln bekämpft und kleingemacht werden?
Oder die Frage, warum den nicht demokratisch legitimierten EU-Bürokraten unglaublich teure Entscheidungsgewalten übergeben werden, während die Bevölkerungen der Länder keinerlei Einflußmöglichkeit darauf haben?
Und warum es keinerlei wirksame Kontroll-Mechanismen über deren Tätigkeit (oder Untätigkeit?) gibt?
Klar, in der „Logik“ der Reichen kann es höchstens Mitleid erregen, wenn „die Leute-Ressource“ als niedere Wesen behandelt und „end-verwendet“ werden. Es ist halt nicht unsere Logik, die hier den Tenor bestimmt…
Dementsprechend sind auch die Aussagen zu den beiden sehr unterschiedlichen Rest-Gebilden der UdSSR sehr sorgfältig zu prüfen… aber das kann wohl inzwischen hier auf bb jede/r selbst recht gut.
Sollten Fragen offen bleiben, bitte im Kom stellen.
Eines sollte klar sein, weil anhand praktischer Beispiele (von Beresowski bis Minz, von Pintschuk bis Kolomojski) belegbar: keinem der fremdgelenkten „Oligarchen“, weder der RF noch des Ukro-Regimes, wird am Ende erlaubt werden, ihren ergaunerten ‚Reichtum‘ zu behalten…
– – – – – – –
Noch ein aktueller Denkstupser: an diesem Montag wurde die größte Erdöl-Raffinerei der RF in Omsk (Sibirien) mit mindestens 2 Drohnen (2 Brandstellen) angegriffen; die Entfernung zum U-Land beträgt 2500 km!!!
Die Dinger flogen also garantiert nicht vom U-Land aus… RF? Mittelasien? Kasachstan?
Folgen?