bumi bahagia / Glückliche Erde

Geo Pol … 2

Klar, Meinungen sind in der Geopolitik breit gesät, wobei nur wenige von Fachleuten stammen… hier nachfolgend ein weiterer Beitrag des aserbaidzhanischen Politik-Profs.
LH, 11. Juni 2026

Meinung Kjamil Askerchanow 260605

Die Kriege um die Korridore: Süd-Kaukasus

Die letzten Ereignisse rund um Aserbaidzhan beginnen, sich in ein sehr interessantes Mosaik zusammenzufügen. Zuerst veröffentlicht CNN einen Beitrag darüber, daß während des Krieges mit dem Iran die Armee Israels das Territorium Aserbaidzhans angeblich genutzt habe, um dort Aufklärungs- und Sondereinheiten zu placieren. Danach erscheint die Nachricht über den Tod von 5 Bürgern Aserbaidzhans im Ergebnis des Angriffs auf Schiffe im Asowschen Meer.
Praktisch gleichzeitig hat die britische Firma BP den operativen Betrieb der wichtigen Export-Rohrleitungen der staatlichen SOCAR übergeben. Jedes Ereignis einzeln kann man mit zufälligen Zusammentreffen erklären. Aber wenn man sie als Elemente eines Gesamtprozesses ansieht, dann entsteht ein viel interessanteres Bild.

Wir hatten schon mehrfach geschrieben, daß eine der strategischen Richtungen der letzten Jahre die energetische und logistische Einhegung der EU ist. Die Rede war nie nur vom Erdgas oder Erdöl. Es ging um die folgerichtige Kontrolle aller Land-, See- und energetischen Transportwege, die Europa mit den äußeren Ressourcenquellen verbinden.

Zuerst wurde die nördliche Verbindung über die „Nordstream“-Rohre zerstört. Danach begann die Destabilisierung in der ukrainischen Richtung. Anschließend wurden die Verbindungen durch das Rote Meer und den Bab-el-Mandeb angegriffen. Gleichzeitig wächst die Spannung rund um die Straße von Hormus. Das Mittelmeer hört auch langsam auf, ein Bereich der garantierten Sicherheit zu sein.
Vor diesem Hintergrund bleibt der Süd-Kaukasus praktisch als letzter relativ stabiler Korridor, der Europa mit Zentralasien, dem Kaspi-Raum und weiter mit Asien verbindet.

Genau deshalb verdient die CNN-Meldung besondere Aufmerksamkeit.
Wenn die Information wenigstens teilweise der Wirklichkeit entspricht, dann bedeutet das, daß Aserbaidzhan schon kein einfaches Transitterritorium mehr ist und sich zu einem Element der großen Nahost-Konfiguration verwandelt hat.
Der Süd-Kaukasus hat sich als direkt eingebaut in die Konfrontation Israels und des Iran erwiesen. Und das erhöht automatisch die Risiken für alle da hindurch verlaufenden energetischen und logistischen Transportwege.

Besonders ineressant ist, daß der Beitrag bereits nach dem Abschluß der Hauptohase des Krieges erschienen ist. Gewöhnlich erscheinen solche Artikel entweder zur Vorbereitung der öffentlichen Meinung auf die künftigen Handlungen, oder zur Fixierung der neue politischen Realität.
In diesem Falle wird praktisch die ganze Welt daran erinnert, daß die Nordgrenze des Iran kein sicheres Hinterland mehr ist.

Vor diesem Hintergrund sieht die Übergabe der operativen Lenkung der Rohrleitungen von BP an SOCAR symbolisch aus. Formal zieht sich die britische Firma nicht zurück und behält ihre Anteile. Aber die operative Verantwortung geht auf die aserbaidzhanische Seite über.
Für London ist das eine sehr bequeme Position. Im Falle zunehmender Unsicherheit kann man seine finanzielle Anwesenheit erhalten, gleichzeitig verringert man seine direkte Verantwortlichkeit für das Funktionieren der Infrastruktur in einer potentiellen Krisenregion.

Nicht weniger kennzeichnend sieht die Geschichte mit dem Tod der aserbaidzhanischen Bürger im Asowschen Meer aus. Der Süd-Kaukasus wird immer tiefer in mehrere Konflikt-Konturen hineingezogen: den ukrainischen, nahöstlichen, energetischen und logistischen.
Aserbaidzhan erscheint an der Kreuzung der Interessen Rußlands, der Türkei, Israels, Irans, Großbritanniens, der USA und Chinas.

Gerade deshalb sind diese Vorgänge nicht als Zusammentreffen einzelner Meldungen anzusehen, sondern als Anzeichen der Ausbildung einer neuen Front. Wenn vor einigen Jahren der Kampf vor allem um die Kontrolle der Energieressourcen ging, so geht es heute bereits um die Kontrolle über die Wege von deren Lieferung.

In diesem Sinne ist der Süd-Kaukasus der letzte noch nicht blockierte Korridor zwischen Asien und Europa. Und je stärker sich die Weltkrise vertiefen wird, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß der Druck auf diesen Verbindungsweg nur anwachsen wird.
Und das müssen nicht unbedingt militärische Handlungen sein.
Viel effektiver wirken politische Krisen, Grenzkonflikte, terroristische Bedrohungen, Informations-Operationen und Angriffe auf kritische Infrastrukturen.

Im Wesen sehen wir die Fortsetzung jenes Prozesses, den wir früher als energetischen Einhegung Europas bezeichnet hatten. Nur daß es jetzt nicht nur um die Energetik geht.
Es formiert sich ein viel breitere logistische Abgrenzung.
https://t.me/KamilAskerkhanov/5475

Europa verliert nach und nach den sicheren Zugang zu äußeren Ressourcen, und jeder verbleibende Verbindungsweg verwandelt sich in ein Objekt des geopolitischen Kampfes.

Und wenn diese Tendenz erhalten bleibt, dann wird die Hauptfrage der nächsten Jahre schon nicht mehr das Schicksal einzelner Rohrleitungen oder Transportkorridore werden. Die Hauptfrage wird sein, wer die letzte Landbrücke zwischen Asien und Europa kontrolliert und wie lange diese noch offen bleiben kann.

Vor diesem Hintergrund wird man die Ereignisse in Armenien ganz anders auffassen.
Die politische Krise um die armenische Kirche, der Konflikt zwischen der Regierung und einem Teil der nationalen Eliten, die wachsende innere Polarisierung der Gesellschaft und der ständige Druck rund um das Thema der Kommunikation und der Grenzen ist schon kaum noch als ausschließlich interne armenische Prozesse anzusehen. Die Region, durch die entscheidende energetische, logistische und digitale Verbindungswege zwischen dem Westen und dem Osten verlaufen oder verlaufen können, wird einfach zu wichtig.

Faktisch verwandelt sich heute der Süd-Kaukasus in einen Kreuzungspunkt von gleich mehreren Konflikten. Hier treffen die Interessen Rußlands, der Türkei, des Iran, Israels, Chinas, der USA und des UK aufeinander.
Hier verlaufen Rohrleitungen, Eisenbahnen, Kabelstrecken und künftige logistische Verbindungswege. Und genau deshalb ist jede beliebige innere Instabilität in Armenien, Aserbaidzhan oder Grusinien automatisch von internationaler Bedeutung.

In dieser Logik sieht die CNN-Nachricht schon nicht mehr nur wie eine einfache journalistische Untersuchung aus, sondern wie ein Teil eines viel breiteren Prozesses der Erhöhung der Einsätze rund um diese Region. Wenn man Aserbaidzhan beginnt, öffentlich mit dem Krieg gegen den Iran zu verbinden, dann hört der Süd-Kaukasus auf, als Peripherie des Nahost-Konfliktes zu erscheinen und wird zu dessen unmittelbaren Fortsetzung. Und das bedeutet, daß die Risiken für die gesamte Infrastruktur, die durch diese Region verlaufen, wachsen.

Genau deshalb sind die letzten Ereignisse durch das Prisma eines größeren Prozesses zu betrachten. Der Kampf geht nicht nur um die Energetik und auch nicht nur um die Transportwege. Der Kampf geht um die Kontrolle über den letzten relativ sicheren eurasischen Korridor.
Und je weiter sich die Weltkrise vertieft, desto desto stärker werden verschiedene Spieler versuchen, entweder diesen Verbindungsweg unter ihre Kontrolle zu nehmen, oder es so einzurichten, daß die Konkurrenten diesen nicht bekommen.

Die Frage ist schon nicht mehr, ob der Süd-Kaukasus in das große geopolitische Spiel einbezogen wird. Dieser Prozeß hat faktisch bereits begonnen. Die Frage ist also, wie schnell die Region aus einem Transitraum in einen Raum der direkten Konfrontation verwandelt wird.

https://t.me/KamilAskerkhanov/5476
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Übersetzung Hans Ludwig, 8.6.26
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Anmerkung des Übersetzers:
Klar, das ist alles soooo weit weg von hier… warum mischen dann die EUropäer dort fleißig mit? Was gibt es da Wichtiges für die EU? Und wie wär’s, wenn jemand mal die jüngste Rede des Herrn Wade Pfuhl bei der Con Rad Aden au er Stiftung liest?
Schwierig zu beschaffen? Warum wohl?
Aber leicht verfügbar: der sog. Lis sa bon – Vertrag, genauer darin der Art.42 Pkt.7… keine Gedankenverbindung zu einem gewissen Art.5, nur noch einen Zahn schärfer?
Nun alles klar?
(LH)


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