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Der unzuverlässige Handwerker

(Ludwig der Träumer) Eine alte Geschichte, die ich als Bauleiter auf einer Baustelle mit 80 Wohnungen erlebte, läßt mich heute noch grübeln. Grübeln über so manchen ‚unzuverlässigen Handwerker‘, der vermutlich absolut zuverlässig war. Erfahren wir nicht manchmal die Unzuverlässigkeit unserer Mitmenschen und sogar Maschinen im nachhinein als äußerst segenreich? Die Baustelle nahte sich dem Ende – alles lief nach Plan. Der Fertigstellung und die vertraglich festgelegten Einzugstermine der Mieter stand also nichts im Weg. Nur in einer Erdgeschoßwohnung klemmte es. Ausgerechnet in einer Wohnung, die auf Wunsch bzw. Drängung  der Mieter vorzeitig fertiggestellt werden sollte. Was macht ein Bauleiter in solchem Fall. Er will dem Wunsch entsprechen und versprach eine frühere Fertigstellung. Der Fensterbauer – sonst perfekt im Plan, brachte die Fenster für diese Wohnung einfach nicht bei. Als er endlich ankam, stellte er fest, daß die nicht paßten. Der Einzugstermin war am Platzen. Da ist natürlich der Bauleiter schuld.

Vor dem Loch in der Fassade mangels Fenster stand noch der Baukran, der nach seiner letzten Handlung, der Umsetzung eines Gipsersilos am nächsten Tag abgebaut werden sollte. Der Kranführer war krankgemeldet. Also übernahm ein wenig geübter Arbeiter gern diese Rolle, der zeigen wollte, was er kann. Gipsersilo perfekt angeschirrt, mit elegantem Schwung aus der Baustelle gedreht und mit Vollgas abgelassen und in Bodennähe scharf abgebremst. Das nahm ihm wohl das physik- und schwerkraftkundige Gipsersilo übel – sauste weiter und zog den Kranausleger mit in die Tiefe. Der erinnerte sich, woran er hing und ließ den ganzen Kran umkippen. Der Arbeiter, zum Glück geistesgegenwärtig auf dem unteren Führerstand stehend, sprang durch das Loch – mangels Fenster in das noch fertigzustellende Wohnzimmer. 20 Tonnen Betongewicht vom Kran folgten ihm. Wie durch ein Wunder machte das kurz vor seiner Landung halt. Er sprang mit einem verstauchten Knöchel dem Deifi nochmals von der Schippe. Der Kran machte das was alle Kräne in so einer Situation machen – er legte sich flach. Fegte dabei über die Straße und durchbohrte mit seinem Ausleger eine Garage gegenüber. Es war zur Mittagszeit während die Straße eigentlich voll ist mit den SUVs, die die Kinder von der Schule abholten. Genau zu dieser Zeit versperrte ein Müllauto die Straße, so daß den Helikoptereltern die Durchfahrt versperrt war. Das Müllauto hatte Probleme mit der Hydraulik, so daß es nicht flüssig vorwärts ging. Seltsame Zufälle, wie ich meine. Nicht auszudenken, wenn der SUV mit Mutti und Balg unter der fallenden Kranlast flachgelegt worden wäre.

Diese kleine Geschichte möge zeigen, daß eine Unzuverlässigkeit nicht in jedem Fall negativ sein kann. Sie kann uns durchaus vor größerem Unheil bewahren. Die auf früheren Termin drängende Familie ist übrigens da nicht eingezogen. Die Ehefrau ertappte ihren Göttergatten vorher als unzuverlässig beim Seitensprung. Was aus ihnen wurde entzieht sich meiner Kenntnis.

Also liebe Leser, überlegt euch bei jeder Unzuverlässigkeit, die ihr erfahrt, ob sie euch nicht dienlich sein kann. Sie sind oft ein Korrektiv, das wir leider erst zu spät erkennen. Manchmal glaube ich, daß da eine Art Schutzengel mitspielt.

Ich könnte auch so manche Unzuverlässigkeit meiner Mitmenschen erzählen, die mir hilfreich waren oder sogar mein Leben gestalteten. Die schönste ist die der Peugeot Werkstatt, die Pfusch bei der Inspektion machten. Das war 1979. Auf der Heimfahrt von Brunsbüttel, wo ich für ein Forschungsprojekt der Uni KA arbeitete, streikte das Auto. Scheiße dachte ich. War doch der heilige Freitagabend im Bürgerstübel angesagt – der Kultkneipe damals in Karlsruhe, in der sich das ganze Gesindel von Nichtnutzen – angefangen von Studenten, Professoren, Neger, Huren, Bankern und gleichgesinnte Zuhälter und das erste grüne Pack trafen. Da durfte ich nicht fehlen. Es war regelmäßig rappevoll. Das Bier wurde über die Köppe gereicht. Ein Durchkommen der Bedienung war nicht möglich. Die Zeche nahm den umgekehrten Weg. Keiner prellte. Das nur nebenbei.  Nun, die Werkstadt hatte die neuen Zündkerzen nicht richtig angezogen. Abschleppen war angesagt. Natürlich das wöchentliche Highlight verpaßt. Die Kanne geben mit Gleichgesinnten war futsch. Am darauffolgenden Abend – nix gscheides im Fernsehen wieder ins Bürgerstübl. Wie verwandelt war dort eine Atmosphäre wie in einer gemütlichen Dorfkneipe. Nicht ganz. Es kam eine bildhübsche junge Lehrerin rein, die sich noch nie in so eine Kaschemme verirrt hatte. Sie ist seit fast 40 Jahren nunmehr meine Lebensgefährtin. Die Unzuverlässigkeit der Werkstatt war ein Segen.

Ohne den Pfusch äh Unzulänglichkeit der Werkstatt wäre ich samstags nie in diese Kneipe gegangen.


12 Kommentare

  1. Spannender und bildhafter Bericht zum Thema Unzuverlässigkeit.
    Super, das Ding mit dem Fenster- besser Öffnungssprung…..

    So, lieber Ludwig, nun muss ich mich mal outen:
    Von Dir seinerzeit zum ersten Mal in mein Blickfeld gebracht: der Buchstabenmix SUV……
    Durch den Umgebungstext war ja für mich schon einsehbar,
    dass es sich dabei um einen vermutlich kostspieligen fahrbaren Säufer handeln müsse.

    Bitte hilf mir aus meiner mangelnden Allgemeinbildung heraus und sag mir, was sich dahinter verbirgt.
    BMW weiß ich grad noch, dass es sich dabei um ein Motorenwerk in einem südlich gelegenen Freistaat dieser „Republick“ handelt. Bei RWE gehts auch noch so eben: Elektrizitätswerke, rheinisch und westfälisch…
    aber SUFF ähhhh SUV???

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  2. makieken sagt:

    Sehr schöne Geschichten und auch ich habe schon ähnliches erlebt. Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass vieles, was am Anfang eher negativ wirkte, letzten Endes doch positiv war.

    Unklar bei derartigen Synchronizitäten ist jedoch, ob die Ereignisse überhaupt hätten anders verlaufen können. Vielleicht war es von vornherein z.B. vorgesehen, dass Ludwig seine Frau an eben jenem Abend treffen sollte und die Sache mit der Werkstatt genau so ablaufen musste, um die eigentliche Vorhersehung zu erfüllen?

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  3. thom ram sagt:

    Als Erstes muss ich Petra rügen. Du solltest dich so langsam gewisser Updeets befleissigen, also wirklich.

    SUV ist eine Abkrüztung, die Vokabeln habe ich vergessen, ich würde von mir aus sagen speziell ungetümisches Vieh, vielleicht heisst es Special Universal Vehicle, keine Ahnung, aber wie ein SUV aussieht, muss Mutti Peti wissen, denn SUV braucht der Mensch, schon seit vielen Jahren.
    Man könnte schlicht übersetzen mit Grossraumfahrzeug. Das heisst: Was zum Fahren gehört, Motor und so, das wird möglichst klein gehalten und in irgendwelche Nischen gedrückt, und für die kostbaren Frachten wird eine Kabine gebüldet, so gross wie ein kleines Einmafiliensauh. Damit du deine Beinchen strecken kannst. Damit das Zweijährige im Spezisitzli genügend Atemfreiraum vor seinem Näschen hat, damit Papi seine Taucherausrüstung ohne räumliche Akrobatik bequem verstauen kann.

    Ja, gans vergesst. Söhnchen vom Reitunterricht abholen geht nur mit SUV, denn alles Andere geht gar nicht.

    SUV ist eine der irren Ausgeburten des Konsumwahns. Fällt mir grad dazu ein, analogiter. Vor 12 Jahren, ich war Stellvertreter an einer CH Schule, da bereitete ich des Sonntags vor und erhaschte Blicke auf Lehrerkollegen, welche sich versammleten für eine Veloaufsahrt. Bikes von 4000 an aufwärts. Spezihandschuhchen, Spezischuhchen, Spezisöckchen, Spetzi Leibchen, Spetzibrille, die Unwertäsche hätte mich interessiert, wie spetzi die war, na ja, alles in allem mindestens 5000, was die da ausführten. Analog der SUV.

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  4. thom ram sagt:

    LdT

    Ich liiebe solche Geschichten! Ich liiebe sie! Daankee!

    Immer und immer öfter begegnen mir analoge Ereignisse.
    Das erleichtert mein Leben enorm!!!
    Seit mir klar ist, dass alles und jedes seinen Sinn hat, auch spontan als Ungemach zu Klassifizierendes, fällt mir Ungeduldspinsel es viiel leichter, Missgeschicke, Wartezeiten, Enttäuschungen locker anzunehmen. Nach einem Sekundenbruchteil Aerger reagiere ich mittlerweile schon reflexartig darauf: Es wird zum Besten sein! Ich weiss konkret nicht, was das Bessere sein wird, ich weiss konkret nicht, was Schlimmeres verhütet wird, doch so, wie es geschieht, ist es optimal.

    Fällt mir ein Minibeispiel ein, mini, es ist nicht 1/10 so genial wie die Grosszusammenhänge in deiner Geschichte, und doch…

    Ich hatte vor 3 Monaten des Morgens eine halb gelähmte Hand (dir bekannt, aber nicht allen Lesern). Ich war besoffen eingeschlafen, hatte meinen Arm zu lange in wörtlich nervtötender Stellung. Die Heilung, nebenbei bemerkt, dauerte drei Monate, sie ist perfekt.
    Was ich erzählen will:
    In Monat 1,5, da wollte ich eine Farbbüchse öffnen, mit dem Schraubendreher. Der Deckel klemmte blödsinnig, ich schlipfte ab und bohrte den Schraubendreher in die Weichteile zwischen Daumen und Zeigefinter links. Heftiger Schmerz und…ich registrierte, mich beobachterd, sowas wie Schockzustand.
    Nahm das Geschehen gewohnheitsmässig an, einfach so, schalt mich nicht, nahm es an. Und was?
    Dieser Schock beschleunigte die Heilung des Nervs mit einem Ruck. Es war, wie wenn der Nerv freudig erschrocken festgestellt hätte: Huch, mich gibt es, jetzt aber mrsch mrsch, ich heile nun schnell.

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  5. Wolf sagt:

    petravonhaldem
    22/06/2018 um 03:29

    Die Fahrzeuggattung SUV (Sport Utility Vehicle) ist gewissermaßen auch aus einer Verkettung „unglücklicher“ Umstände heraus entstanden. Vor etwa 20 Jahren wurden in den USA, beginnend in Kalifornien, vom Gesetzgeber strengere Auflagen und Vorschriften bezüglich der Emmissionswerte und des Kraftstoffverbrauchs von Personenwagen eingeführt. Da sich die amerikanischen Fahrzeugbauer mit der Erfüllung der neuen gesetzlichen Normen schwer taten, entschloß man sich kurzerhand, eine neue Fahrzeuggattung zu schaffen. Das SUV – ein Personenwagen, der jedoch offiziell als Nutzfahrzeug galt und somit die strengen gesetzlichen Auflagen nicht zu erfüllen brauchte – war geboren!

    Als Reaktion auf die Mogelei der Autobauer entschloß sich der US-Gesetzgeber dazu, daß für SUVs ab Baujahr 2009 die gleichen Umweltschutzvorschriften wie für Personenwagen zu gelten haben. (Pickup-Trucks sind in den USA weiterhin von den strengen Vorschriften ausgenommen.)
    Doch der „Hausfrauenpanzer“ alias „Börsentraktor“ alias SUV ist nach wie vor sehr populär.

    https://www.anderweltonline.com/index.php?eID=tx_cms_showpic&file=294&md5=cc5d7856df33b237f1f035580a7777a41be5fa33&parameters%5B0%5D=YTo0OntzOjU6IndpZHRoIjtzOjQ6IjgwMG0iO3M6NjoiaGVpZ2h0IjtzOjQ6IjYw&parameters%5B1%5D=MG0iO3M6NzoiYm9keVRhZyI7czo0MToiPGJvZHkgc3R5bGU9Im1hcmdpbjowOyBi&parameters%5B2%5D=YWNrZ3JvdW5kOiNmZmY7Ij4iO3M6NDoid3JhcCI7czozNzoiPGEgaHJlZj0iamF2&parameters%5B3%5D=YXNjcmlwdDpjbG9zZSgpOyI%2BIHwgPC9hPiI7fQ%3D%3D
    Links: PIckup-Truck / Rechts: SUV

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  6. Wolf sagt:

    petravonhaldem
    22/06/2018 um 03:29


    Links: Pickup-Truck (keine Abgasvorschriften) / Rechts: SUV (seit 2009 strenge Abgasvorschriften)

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  7. thom ram sagt:

    Wolf 2030 und 2033

    LoL. Geile Info. Danke. Bestätigung des galoppierenden Wahnsinns des qualligkrakigen Irrsins.

    Ich biete reines Wasser an. Das wird verboten.
    Ich, HIV positiv, krebsleidend, an Hirnschwund leidend, hautkrank, versoffen, verraucht, vollgepumpt mit Pharma, die Liste ist unendlich, mein Stuhl blutig und mein Urin ebenfalls blutgeschwängert, biete meinen Urin an, das wird bewilligt. Mit Garantie.

    Wie gerne doch bin ich da krank von a bis z.

    Kam mir so.

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  8. @thomram @wolf

    ich bin beglückt.
    Jeweils eine so schöne Ausführung sowie Einführung in das Rätsel SUV.
    Nun muss ich mich wenigstens nicht mehr mit meinem Unwissen unterm Bett verkriechen.
    Danke.

    @wolf
    Bist Du der „Baron Wolf“ ?
    Ich erkenne Dich noch nicht so genau, deshalb die Frage 🙂 🙂 🙂

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  9. rechtobler sagt:

    @Makieken, 22.6.2018/19h21
    Zitat: Unklar bei derartigen Synchronizitäten ist jedoch, ob die Ereignisse überhaupt hätten anders verlaufen können.
    Weil wir Menschen – der Behauptung zufolge – den sogenannt ‚freien Willen‘ haben ist es an uns, sich (unbewusst) für eine der sich stellenden Möglichkeiten zu ent – scheiden. Et voilà. Zeit an sich gibt es nicht, alles was geschieht, passiert im Moment. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – alles menschengemacht, denn Raum und Zeit existieren nicht in der geistigen Welt. Und daher können solche Dinge geschehen, wenn mensch sich so oder anders ent – scheidet. Die Antwort ist daher klar: Logisch hätten die Ereignisse anders verlaufen können. Die Frage ist die, wie sind die verschiedenen Dinge im Lebensplan der einzelnen Betroffenen geplant gewesen? Alles klar? 😉
    Die Quintessenz die ich für mich schon langen gezogen habe: „Nichts ist so blöd, dass sich nicht ein Nutzen daraus ergäbe.“ LdT Geschichte ist der klare Beweis, genau wie Thom Ram seine. Danke Ludwig & Thom.

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  10. makieken sagt:

    @rechtobler

    Ich wünschte, ich könnte die gleiche Logik erkennen. Momentan leide ich jedoch unter akuter Hinterfrageritis und die Symptome äußern sich oft so, dass das, was behauptet/erzählt/gelehrt wird, den Gegenpol zu (meine)r Wahrheit bildet. Konkret: Gefühlt verläuft unser Leben vorwärts, d.h. selbst wenn Zeit und Raum nicht existieren, denken wir uns in eine jüngere Version unseres Selbst (Vergangenheit) sowie in eine ältere Version (Zukunft). Was aber, wenn dieses Leben eigentlich rückwärts läuft und wir uns von wo auch immer nur daran erinnern? Quasi wie ein Traum, nur eben gedehnter?

    Hinterfrageritis halt. Hilft leider auch nix von Ratiofarm. :-/

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  11. thom ram sagt:

    makieken 07:18

    Kam eine adelige Dame zum Herrn Tokter, seufzte: „Ach, Herr Tokter, ich leide so sehr an meiner Vagina Pectoris.“
    Der Tokter:“Ja, gute Frau, da hilft nur Peniszillin.“

    Hinterfrageritis? Barfuss auf nassem Waldboden. Bad im Fluss mit 14 Grad, schon kalt duschen ist nicht schlecht. Joggen mit Sprints. Da kommt so manche Antwort.

    😉

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  12. Wolf sagt:

    @petravonhaldem 03:20

    Ja, ich bin der „Baron Wolf – Freiherr von Rede“.
    (Den Titel „Lügenbaron“ lasse ich doch lieber sein.)

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