bumi bahagia / Glückliche Erde

Luckys Nachtgedanken (4) – Briefe

„Streckt die Nacht die Finger aus,
findet mich in meinem Haus,
setzt sich unter meinen Tisch –
sie kriecht, wird groß, sie windet sich.“ (aus einem Song der Gruppe „Bayon„, 1973)

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Manche/r wird mir vielleicht nostalgische Anwandlungen unterstellen, wenn ich heute etwas thematisiere, das in der „modernen“ Welt schon fast verdrängt worden ist.

In meinem Bücherregal stehen mehrere Bände mit Briefen – Briefe, die große Geister der Vergangenheit an ihre Zeitgenossen beiderlei Geschlechts geschrieben haben – mit der Hand.

Wer kann heute noch einen „richtigen“ Brief mit der Hand schreiben?

Natürlich meine ich dabei nicht nur den reinen Schreibvorgang – auch wenn dieser bei vielen jungen Leuten heute schon extrem ungelenk vor sich gehen dürfte – und bei einigen schon gar nicht mehr möglich ist.
Ob das gut ist? –

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„Wozu auch – gibt doch „Computer“, „Handhelds“, „Tablets“ und „Ich-Dingsdas“ – da ist selbst schreiben doch ein Anachronismus.“ – Wirklich?

Ich gebe es zu – auch mir fällt es heute nicht mehr leicht, einen handschriftlichen Brief zu verfassen – vor allem deshalb, weil ein solcher Brief zuerst im Kopf entstehen muß.
Denn will man nicht mehrmals den Brief umschreiben, muß man sich zuerst überlegen, was und wie und in welcher (möglichst logischen, damit nachvollziehbaren) Reihenfolge an Gedanken und Emotionen übermittelt werden soll.

„Ist doch ganz einfach.“ – Echt?

Ich habe es mal wieder probiert – einen einfachen Brief an meine Tante zu schreiben – „nur“ Alltägliches, nichts Weltbewegendes – es war recht zeitaufwendig und schon ungewohnt. Vor allem wenn einem beim Durchlesen noch etwas einfällt, was zu ergänzen ist – so manches P.S. (post scriptum = nach dem Schreiben) oder auch P.P.S. kommt dabei heraus – bestenfalls.

Die Textverarbeitungsprogramme des „PC“ haben uns das Vorausdenken abgewöhnt.

Was nun mit „neuen“ Programmen wie „Mindmap“ wieder nachträglich eingeführt wird – sich erstmal ein Konzept zu machen und dann, wenn alles bedacht ist, loszuschreiben – war vor gut 20 Jahren noch geistige „Standardprozedur“.

Wenn ein Thema im Kopf nicht zu bewältigen war, nahm man einen Zettel zur Hand, skizzierte kurz die Sachlage („Stichpunkte„), sortierte sie, machte dann eine Gliederung („was in welcher Reihenfolge muß ich beleuchten“) und fing dann meist erstmal an, eine „Kladde“ zu schreiben.

Mit viel Glück und Übung war man in der Lage, die Kladde dann als fertiges Produkt schon vorlegen zu können.

Meist jedoch kamen beim ersten (auf korrekten Inhalt) und zweiten (auf Rechtschreibung und Grammatik) und dritten (auf emotionale Wirkung) Durchlesen noch wichtige ergänzende Gedanken auf, welche an entsprechender Stelle einzuarbeiten waren, so daß die „Reinschrift“ oft bis zu 20% länger war als die Kladde.

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„Mann, du bist aber ganz schön rückwärtsgewandt – was ist denn Schlimmes dran, daß heute alles, auch das Schreiben, viel leichter und schneller geht?“

Ja, was ist nun die „schlimme“ Folge der Textverarbeitung?

Die geistige Bequemlichkeit – sie hat dazu geführt, daß wir weder geschriebene Texte nochmal gründlich durchlesen und nachträglich Gedanken einfügen, noch Fehler für den Leser „unbemerkt“ korrigieren.

Nein, wir sind schon weit darüber hinaus. Wir haben verlernt, uns vorher Gedanken zu machen, was wir eigentlich sagen und erreichen wollen – wir setzen uns einfach hin und fangen an, das was uns gerade in den Sinn kommt, erstmal „hinzurotzen“.

Und meist liest auch keiner mehr das nochmal durch, was er da schnell mal hingeklatscht hat. „Senden“ – und weg – aus den Augen, aus dem Sinn – das Programm speichert ja…

Rechtschreibung? Grammatik? Unwichtig – macht doch das Programm. –

Wirklich?

Leider (oder doch kein „Zufall“?) gibt es bis heute kein Programm (weder Textverarbeitung noch Übersetzungsprogramm), welches in der Lage wäre, einen einwandfreien deutschen Text zu erstellen – von einfachsten Beschreibungen vielleicht abgesehen.

Die sog. „Rechtschreibung“ tut nichts weiter, als zu prüfen, ob es ein solches Wort überhaupt gibt in der „neuen Rechtschreibung“ – ob es an dieser Stelle grammatisch richtig ist, die Semantik stimmt etc., wird nicht geprüft.
Einfaches Beispiel: die Artikel – „den“ und „dem“ werden von Programm „angenommen“, auch wenn sie an der jeweiligen Stelle falsch sind – es gibt sie, und fertig.

Klar, die Textprogramme sind wo entstanden? In englisch-sprachigen Ländern – dort gibt es nur „the“…

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„Ist doch nicht schlecht, wenn die Sprache ein wenig vereinfacht wird.“

Wirklich?

Sprache ist, wie schon oft erwähnt, nicht nur Ausdruck von Gedanken, sondern auch von Denkweisen – eine „vereinfachte“ Denkweise muß nicht unbedingt von Vorteil sein.

Wohl nicht zufällig war die deutsche Sprache bis in die 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts weltweit die anerkannte Sprache der Wissenschaftler und Techniker – sie ist die präziseste Sprache, die sehr konkret – rein aus der Wortwahl heraus – auf „Wurzeln“ und Zusammenhänge hinweist.

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„Mann, ich hab um die 200 emails jeden Tag im Posteingang – da ist das völlig utopisch, alle sorgfältig zu beantworten – das muß schnell gehen und effizient sein.“

Ja, da ist es wieder – das allgegenwärtige Mantra der vollständigen Geschäftswerdung unseres Lebens – alles soll sich irgendwelchen wirtschaftlichen Kriterien unterwerfen, soll „effizient“ sein – auch das, was gar nicht mit solchen Kriterien zu erfassen ist, und auch das, was einer solchen Bewertung gar nicht zugänglich ist – weil es im Leben eine Menge „weicher“ Faktoren gibt, die sich jeder „Berechnung“ entziehen…

Wer nach vollkommener Effizienz strebt, der darf sich nicht wundern, wenn er am Ende dem Wunschtraum eines gewissen Herrn Josif Wissarionowitsch Dzhugaschwili für seine „Untergebenen“ sehr nahe kommt: ein tadellos funktionierendes Rädchen im großen Mechanismus der Welt zu sein.

Der wird auch nicht so leicht bemerken, daß die Welt KEIN riesengroßer hochkomplizierter Mechanismus ist – genausowenig wie der Mensch selbst eine hochkomplizierte Maschine ist…

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Und so manche/r hat offensichtlich „vergessen“, daß nicht wir für die Wirtschafts- und Finanzwelt da sind, sondern diese scheinbar mal erdacht worden war, um UNS das Leben leichter zu machen – was ist davon heute noch geblieben?

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„… un wat nu?“ –

Entschleunigt euer Leben, liebe Mitmenschen, nehmt euch jeden Tag die Zeit für die „ineffizienten“ aber wichtigen Dinge des Lebens: mit eurem Partner reden so oft es geht, regelmäßig mit euren Kindern und Enkeln etwas unternehmen, eure Freundschaften pflegen, mal mit den Nachbarn quatschen, die Arbeitskollegen mal nach ihren Gefühlen fragen – und auch mal wieder jemanden mit einem handschriftlichen Brief erfreuen.

Ein solcher Brief zeigt, daß ihr diesem Menschen euer Wertvollstes widmet, das ihr in diesem Leben zu vergeben habt: eure Zeit und Aufmerksamkeit.

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Vorab überlegen, was für den anderen interessant und wichtig sein könnte, wie man die mitzuteilenden Dinge klar, deutlich und humorvoll darlegen könnte, nicht zu vergessen die entsprechenden eigenen Gefühle mit einbeziehen.

Sorgfältig überprüfen, wie diese oder jene Formulierung beim Empfänger „ankommt“ – was man vielleicht auch „anders“ („falsch“) verstehen kann, weil es (unbeabsichtigt) zweideutig formuliert ist – ob die Wortwahl korrekt ist und der Gesamtzusammenhang deutlich wird – welche Gefühle man beim Empfänger hervorruft.

Und dann sich einfach hinsetzen und losschreiben – vielleicht erstmal „ins Unreine“, also auf ein einfaches liniertes Papier.

Dann erstmal weglegen und eine Stunde was ganz anderes machen.

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Anschließend sich in den anderen hineinversetzen – wie er den Brief bekommt und erstaunt ist, wie er ihn öffnet und beginnt zu lesen – sorgfältig auf die eigenen Emotionen dabei achten…

Wenn der Brief an einigen Stellen nicht gut genug ist, nochmal dran „herumfeilen“, bis er wirklich „paßt“ und dann Abschrift „ins Reine“ – auf ein schönes weißes Briefpapier, mit einem Linienblatt darunter – alle Buchstaben ordentlich ausführen, liebevolle Gedanken mit hineinpacken, beim Schreiben lächeln … – all das kommt mit an.

Das Wort „Brief“ kommt übrigens vom lateinischen „brevis“ – das bedeutet „kurz“ – Briefe sollte also nicht lang sein – auch wenn so mancher da andere Beispiele zur Hand hat… 😉


14 Kommentare

  1. Petra von Haldem sagt:

    Das Briefeschreiben ist die eine Geschichte.
    Wem schreibe ich, wenn es die alte Tante nicht mehr gibt, für die so ein Brief ja auch von Wert gewesen ist/war

    Den erwachsenen Kindern schicke ich hin und wieder eine schöne Karte, die schnell (!) geschrieben ist
    und lediglich ein Tagespostkastenerfreunis sein könnte.

    Von den „geistigen“ Freunden- z.B. hier- habe ich die Anschriften gar nicht 😉
    Aber nun Spaß beiseite.

    Was eine wirklich ernste Sache ist, ist die Sache mit der Handschrift.
    Was bei uns noch ein Extrafach in den ersten Schuljahren war -Schönschrift- mit Benotung!! ist schon längst als unwesentlich mit in den Kulturzerfalleimer gewandert und entsorgt worden.
    Seit neuestem soll ja sogar die Schreibschrift unter den Tisch fallen
    und nur noch Druckschrift als Schreibschrift in den Schulen unterrichtet werden……ja…..
    nur nichts Verbindendes (die Handschrift verbindet die vereinzelten Buchstaben zu Worten)!!!
    Sehr interessant ist, dass es in den Volkshochschulen vermehrt Angebote gibt,
    die die Schrift und das Schriftenüben anbieten, besonders natürlich Kalligraphie.

    Mit ziemlichem Schrecken habe ich festgestellt, dass sich auch meine Handschrift nicht gerade zur Verschönheitsseite hin zerwickelt hat seit ich die moderne Form des Tippens anwende.
    Die manuellen Tätigkeiten sind ja auch weitaus andere beim Schreiben und beim Tippen und folglich auch die Vernetzungen im Koppe.

    Habe schon begonnen und will sehen wie es weitergeht, an einem handschriftlichen Buch zu schreiben für meine Enkel.
    So nach dem Motto . „Geschichte, wie sie wirklich war“ 😉 🙂 🙂 oder auch sowas wie ein Buch der Ahnen….
    und ich schreibe O-Schrift, da dabei die lebendigste Energie dem Inhalt anhaftet.
    Das heißt aber Konzentration, falls ein „schönes“ Schriftbild beibehalten werden wollte…. 😉

    Luckyhans, danke der Nachtgedanken Teil vier!

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  2. ohnweg sagt:

    @Lucky

    Danke für Deine Gedanken!
    Es gab Zeiten da kannte man kein Komma. Da wurde Laufschrift geschrieben. Es gab Zeiten da kannte man keine Schrift. Und trotzdem behauptet man, dass am Anfang das Wort da war!!!! Was für ein Wort? Schall etwa? Und daraus soll ein Wort, ein Begriff, eine Information daraus gestrickt worden sein?

    Es werde Licht? Dazu braucht es drei Worte in der deutschen Sprache. Die Sprache der Inuits Menschen/Eskimos haben 14 Begriffe für Eis. Also stinknormales gefrorenes Wassser für uns. Im Guarani, Hauptsprache der südamerikanischen Menschen und noch lebende Sprache, haben,
    sie 12 Begriffe für den Mond. Die Hiroglifen könnem mit ein paar Strichen einen ganzen Satz hinwerfen. Die Eingeborenen in Australien berichten mit ein paar Strichmännchen und Punkten eine ganze Weltanfangsgeschichte… und besagt am Ende doch nichts.

    Die Babbala(Kabbala(le) berechnet mit zwei Begiffen, nämlich nichts =0 und eins=1 , Gottt, den Schöpfer. (Ein Computer kann es schneller).Ein Jud „Süß“ hat die Zahl 19 als die Weltformel hingestellt. Peter Plichta die Primzahlen als Weisheit letzter Schluss dahingesudelt und dabei das Silizium als Energieträger erkannt. Ich selbst kann meine Filosofie nur mit drei Grashalmen darstellen.

    Ein-stein hat Masse unendlich und Geschwindigkeit mit seiner Lichtgeschwindigkeit als endlich dargestellt und etwas im Quadrat hingesudelt. Die Quanten-THEORIE! kommt den Weisheiten der Veden/Weden näher.****++++~~~~ Und das wars wohl.

    Da wird gezwurbelt und gezwirbelt und Liebe als der Weistheit letzter Schluss hingespuckt. Da wird das Böse als gut und das Gute als böse dargestellt. Da werden Weiss und Schwarz als Pole bezeichnet. Da wird die Welt als polar angenommen. Ja nun, darfs denn auch ein bisschen Grau sein?

    Man sollte die Liebe in den Hosenladen stecken und das Mitgefühl hinter das Ohr. Das ist schon alles um mit der Verwirrung aufzuräumen.
    Man sollte Gott als seinen Freund betrachten und nicht als berechenbare Grösse. Das ist schon alles.

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  3. ohnweg sagt:

    Nochmals, die Welt kann man mit drei Grashalmen darstellen. Pytagoras hat dazu genial ein Dreieck in den Sand gesudelt und angefangen zu rechnen. A-quadrat plus B-quadrat= C-quadrat. Die Bienen waren schlauer, die haben nicht gerechnet sondern gehandelt. Und woher kam dieses Wissen ohne Zahlenzauber?

    Woher kam dieses Wissen, daß 20 000 Engel auf einer Nadelspitze Platz haben.? Es wäre sinnvoller die Wüstensöhne hätten angefangen die Sandkörner zu zählen.

    Was ist der Weisheit letzter Schluss? Dass man nichts weiss? Woher wissen die Tiere ohne zu Wissen? Sie handeln ihrer Art entsprechend. Und die Menschen? Sind sie abartig? Nein! Diese Arschlöcher lassen das Böse einfach zu! Angsthasen, Erbsenzähler, Zerstören anstatt verbinden. Explosion anstatt Implosion. Schauberger war dem Ding auf der Spur und man hat in gebrochen. Er ist mit der Natur gegangen.

    Und jetzt zum nichtsnutzigen Geld als Schmarotzerkatapult. Wenn jeder gibt kann auch jeder nehmen. Geld ist in dieser Logik und Nichtrechnung so unnötig wie ein Kropf.

    Und jetzt die Welt ohne Horus! Links im Dreieck GEIST, rechts im Dreieck MATERIE und oben an der Spitze hockt Gott. Jetzt könnt ihr diese einfache Weisheit zerfleddern und verzahlheimern. Ihr könnt das Dreieck umdrehen. Es bleibt doch ein Dreieck mit einem rechten Winkel und zwei 45 grad Winkeln. Da beisst die Maus keinen Faden ab.

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  4. ohnweg sagt:

    DAS WAR MEIN WORT ZUM SAMSTAG1! Und morgen kommt mein Donnerwetter zum Sonntag. Amen. hans dieter steinle, genannt ohne weg, stutengarten, busch 17, ast 4, blatt 12, molekül 394759354759945874……. atom? Und jetzt noch für die Unverzagten…Ja habt ihr geglaubt die Weisheit ist ungleichschenkelig?

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  5. ohnweg sagt:

    Beweist mir, dass es ein Nichts gibt und ich zeige euch den Himmel der vor euren Augen ausgebreitet ist.

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  6. Frieda sagt:

    Dürfen Nachtgedanken eigentlich auch noch am Morgen gelesen werden? Da ich nicht alles mit wieso, weshalb, warum und könnte (?) hinterfrage, habe ich es ganz einfach getan und sage Danke.
    Ich habe 45 Jahre lang Briefe mit meiner ehem. Lehrerin geschrieben – handschriftlich natürlich. Eine Nonne (Oberin) der Schule, wo ich meine klösterliche Erziehung genossen habe. Sie konnte u.a. aus meiner Schrift ablesen, wie es mir geht, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Aus diesem Schriftwechsel durfte ich sehr viel lernen. Sie hat die Briefe in einem „Schatzkästchen“ aufgehoben und die neue Oberin des Klosters hat die Briefe gefunden, als sie nach dem Tod meiner Lehrerin den „Nachlass“ durch gesehen hat.
    Mir ist vor Schreck bald der Hörer aus der Hand gefallen, als die Oberin mich angerufen hat und mir mitgeteilt hat, dass sie die Briefe gelesen habe. So kenne sie Schwester M. gar nicht – für die Mitschwestern sei sie immer die strenge, unnahbare Schwester Oberin gewesen.
    Wie ich das geschafft hätte!? Sie und ihre Mitschwestern wollen mich unbedingt kennen lernen.
    Ja Hilfe, mir sind erst mal alle Sünden auf einmal eingefallen, denn ich hatte in dem Schriftwechsel meine Meinung zur kath. Kirche und spez. dem Vertreter Gottes auf Erden sehr deutlich kund getan.
    Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Das Angebot, dass ich bei einem Besuch in meinem ehem. Zimmer im Kloster schlafen darf (uns das als „Ungläubige“) steht immer noch!

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  7. Petra von Haldem sagt:

    Liebe Frieda,
    danke für diesen Deinen herzerwärmenden wunderschönen Beitrag aus dem Leben, angeregt durch luckys Nachtgedanken.
    Gut, dass Du Dich tags noch „getraut“ hast zu lesen…. 🙂 🙂

    Und….? wirst Du das Angebot annehmen ? Würde gerne mitgehen, als Mäuschen ? ! 😉

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  8. Ludwig der Träumer sagt:

    Jean-Jacques Rousseau: „Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und dreist sagte: ‘Das ist mein’ und so einfältige Leute fand, die das glaubten, wurde zum wahren Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, Leiden und Schrecken würde einer dem Menschengeschlecht erspart haben, hätte er die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinesgleichen zugerufen: ‚Hört ja nicht auf diesen Betrüger. Ihr seid alle verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde keinem‘.“

    @luckyhans, Nur zu Fuß hält die Seele Schritt!

    Der Homo Sapiens hat sich zum Computer Sapiens entwickelt ohne daß er geistig Schritt halten konnte. Bis vor ca. zwanzig Jahren mußte er sich mit dem Schreib- und Malstift abmühen um etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen. Schreibmaschinen gab es zwar schon früher, es war aber immer noch Hand- bzw. Kopfarbeit. Nicht nur bei persönlichen privaten Beziehungen, sondern auch im Geschäftsleben. Dort fällt der heutige Mangel an Selbstdenken besonders kraß auf.

    Nach anfänglicher Faszination für die ersten Computer an der Uni, die noch mit Telexstreifen und Lochkarten gefüttert werden mußten, fand ich diese Erfindung bald öde und Zeitverschwendung. Diese Geräte waren einem Ingenieur nicht würdig, wie ich damals dachte. Du kannst nur das da reinhämmern was du selbst im Kopf bereits vorbereitet hast. Die Ergebnisse mußten mit denen im Hirn bereits vorgedachten übereinstimmen, sonst bist du aufgelaufen. Mit diesen Maschinen kam also keine Erleichterung bei der Arbeit, sondern zusätzliche. Die Fehlerquote war einfach zu groß. Computer verblöden das Hirn des Ingenieurs. Dessen Arbeit entsteht nur im Kopf. Entweder man hats oder man hats nicht.

    Ich hatte noch lange Jahre ein Brett vorm Kopf, auf dem ich meine Bauzeichnungen gemacht hatte, bis – ja bis ich das erste Mal 1988 zur ACS (Architektur Computer Messe) ging. Dort führte man mir ein Zeichenprogramm vor, das meine triste Arbeit vor dem Brett revolutionieren sollte. Vor allem sollte die Arbeit in einem Viertel der Zeit erledigt sein. Dieses Argument ziehte und ich war viel Geld los für die künftige Zeitersparnis. Nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten war mir das wert. Aus den 15 Stunden wurden schnell 80 Stunden bis ich das Programm kapierte und vor allem kapierte, daß es nicht an mir lag, wenn da Scheiße rauskam. Das Programm war so grottenschlecht, daß ich froh war, das Zeichenbrett nicht entsorgt zu haben. Heute sind sie zwar wesentlich ausgereifter und es macht sogar inzwischen Spaß mit CAD (Computer Aided Design) zu arbeiten. Aber, wo ist die Zeitersparnis geblieben?

    Die größte Gefahr, die in solchen Programmen steckt, ist die Synchronisierung mit den vorgefertigten Zeichenbausteinen, ähnlich Textbausteinen. Per Mausklick kann ich heute einen komplexen Dachaufbau einfügen. Brauche ihn nur von der Fa. xxx herunterladen. Perfekte Wärmedämmung mit Dampfbremse für ein Null-Energiehaus. Damit bin ich Up To Date. Bekomme von der Architektenkammer viel Lob und es schützt mich vor Schadensansprüchen, weil es Mainstream ist. Sollte ich mit meinen gesunden Ingenieurverstand damit nicht einverstanden sein und eigene Konstruktionen planen, die auf bewährtem Wissen und Erfahrungen der Altvorderen basieren, riskiere ich mein monetäres Dasein. Ich kann jederzeit verklagt werden, da ich nicht energieeffizient geplant habe. Planungsfehler also. Das heutige Argument Energieeffizienz heißt für mich nichts anderes als effizient den Gläubigen der Erneuerbaren Energie!? das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ob dabei der Bauherr letztendlich beschissen wird, hat hier nicht zu interessieren. Neunzig % der CAD-Programme sind von den Konzernen mit ihren Baustoffen verseucht. Architekten und Bauingenieure haben sich zu kostenlosen Prostituierten der Konzerne degradieren lassen – aus Bequemlichkeit und aus Angst vor Repressalien, wenn sie deren Normen nicht folgen wollen. Das ist unser Fortschritt.

    Ähnlich dürfte es in allen anderen Branchen aussehen, der Verwaltung, Medizin, der Rechtsprechung, bis hin zur Hartz4-Behörde. Copy and Paste. Es lebe der Textbaustein. Selbstdenken war gestern.

    Ich stelle mir gerade vor, der Kompie in der Hartz4-Behörde ist kaputt und das angelernte Mädchen hinterm Schreibtisch soll eine Sanktion nur mit ihrem eigenen Verstand für eine alleinerziehende Mutti schreiben, die wegen Masern ihrer kleinen Tochter nicht zum diktierten Termin beim Vorstellungsgespräch im Call- Center erschienen ist. Diese Behörde hätte nach einem halben Tag keine Mitarbeiter mehr.

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  9. Ludwig der Träumer sagt:

    — Aua, Rousseau sollte hier nicht erscheinen. Wie sich dieser Textbaustein hier ohne Bezug eingeschlichen hat, ist mir ein Rätsel.

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  10. Frieda sagt:

    @Petra von Haldem
    mit der Frage, ob ich das Angebot annehmen soll, kämpfe ich nun schon über 2 Jahre. Die Geschichte von der Beisetzung, die mir die neue Oberin am Telefon erzählt hat, hat mir schwer zu denken gegeben und ich habe für mich immer noch keine Erklärung gefunden. Schwester M. war ja schon bei den Schülerinnen nicht gerade beliebt, weil sie eben sehr streng und „unerreichbar“ erschien. Ihr großes Herz unter der Kutte wollte oder konnte (?) keiner schlagen hören. So verhielt sie sich scheinbar auch den Mitschwestern gegenüber. Unser Briefkontakt hat sich zur Schulzeit aus Blickkontakten und hier und da einem verstohlenem Lächeln aufgebaut.
    Die Situation im Telefongespräch war nun folgende: Die Oberin hat den Willen von Schwester M. akzeptiert, dass sie am Tag X keine lebensverlängernden Maßnahmen möchte. Am Tag der Beisetzung lachte zunächst ein blauer Himmel. Plötzlich stand wie aus dem Nichts eine kohlrabenschwarze Wolke am Himmel und als der Sarg abgesenkt wurde, schlug ein Blitz direkt im Baum neben dem Grab ein – begleitet von einem lauten Donnerknall.
    Die Oberin meinte nun, das habe ihr gegolten, weil man nach ihrer Auffassung ja Leben bis zum geht nicht mehr erhalten muss.
    Ich habe sie beruhigt und gesagt, so wie Schwester M. gelebt hat, sei sie auch mit lautem Knall im Himmel aufgeschlagen – ein Zeichen, dass sie gut dort angekommen ist.
    Die Oberin hat mir dann noch Bilder vom Grab und auch vom Baum geschickt, damit ich sehe, dass sie mir keine Märchen erzählt hat.
    Da es bei mir nicht das erste Erlebnis dieser Art ist, habe ich immer noch dran zu knabbern, was dieses Zeichen mir sagen soll!?
    Der Friedhof muss also noch auf meinen Besuch warten, bis ich mit diesem Thema fertisch habe.

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  11. Petra von Haldem sagt:

    Liebe Frieda,

    danke für Dein wunderschönes Erzählen und Mitteilen uns allen hier.
    Das ist ja schon ein phantastisches Ereignis!

    Wir wissen ja nicht, oder besser ich weiss ja nicht, was der Grund für Schwester M. gewesen sein mag, sich für ein Klosterleben zu entscheiden.

    Auf jeden Fall aber ist es ihr in ihrem Leben wichtig gewesen, den Kontakt mit Dir aufrecht zu erhalten.
    Damit war mindestens ein Seelenanteil von ihr mit der sogenannten Außenwelt dergestalt verbunden, dass sie mit Dir Dinge beschreiben/besprechen hat können, die sie wohl keinesfalls innerhalb ihrer Gemeinschaft mitteilen/sich austauschen hat können.

    Der Kontakt zu und mit Dir war es, was wichtig ist.
    Wollte sie diesen für die anderen ebenso herstellen ? 😉

    Falls ja, war die Art und Weise eine recht deutliche und das hat sie phantastisch in die Wege geleitet, dass auch ihre Nachfolgerin nicht anders hat können/wollen, als den Kontakt zu Dir zu suchen.
    Deine Antwort für die sich sündig fühlende Oberin war toll und sicherlich bildhaft der Wahrheit entsprechend.

    Offen allerdings ist ja nun doch noch das „Angebot“….
    Mit großer Sicherheit wirst Du nicht alleine dorthin gehen, eventuell hat Schwester M. über Dich was dort hinzubringen.

    Vielleicht kannst Du „mit dem Thema erst fertich haben ;)“, wenn Du zuerst auf den Friedenshof gegangen sein wirst ??

    Bin mit neugierig, wie sich das weiter entwickelt.
    Auf alle Fälle ist mittlerweile Schwester M. auch in meinem Seelenfeld aufgetaucht . :)………………………………………….

    Einen wunder-vollen SonnenTag wünsche ich Dir……..und endlich die Uhr wieder auf „richtig“ stellen 🙂

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  12. Frieda sagt:

    Danke liebe Petra,
    dann hoffe ich mal, dass die Sonne morgen mal auch wieder „richtig“ tickt und uns mit ihren Strahlen verwöhnt. Gute Nacht.

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  13. thomram sagt:

    @Ludwig

    Ich lass den Russoo mal stehen. Wer weiss, wem er „unbeabsichtigt“ welchen Impuls bringt 😉

    Dein Lied von den vorgefertigten, praktischen und „verklagesicheren“ Zeichnungsprogrammen passt natürlich ins Gesamtbild.
    Dir brauch ich das nicht zu erzählen. Wenn man mal einigermassen den Dirchblick hat, fällt es einem an jeder Ecke vor die Füsse: Was an Abläufen installiert ist, darf nicht verändert werden. Gesetz. Ueberwacht, alles. Der Architekt mit der besseren Idee fällt hinten runter – weil sein Material nicht den Farbvorschriften entspricht. Der Ingenieur mit der besseren Idee kommt in die Klapse, weil sein Kühlschrank schschhschhschh macht, statt wie vorgeschrieben sssssssss.

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  14. Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Nachtgedanken

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