Luschig nennt man jemanden, der lieblos, mit wenig Sorgfalt und Ordnungsliebe, sein Leben gestaltet oder eine Arbeit tut. Das deutsche Wörterbuch nennt ‚liederlich‘ oder ’schlampig‘ als Bedeutung. Eine Lusche ist im Kartenspiel eine Karte ohne eigenen Zählwert.
Ob die Überschrift der nachfolgenden Geschichte, die mir vor einigen Jahren eine Leserin schickte, bewußt diese Assoziationen hervorrufen soll?
Nur orthographisch überarbeitet wird sie hier wiedergegeben. Jede/r Leser/in möge bitte selbst überlegen, welche Gefühle und Gedanken diese zynische Allmachtsphantasie in uns hervorrufen soll…
Und alle Leser/innen, denen diese Geschichte wieder „zu lang“ ist, sind aufgerufen, diese eigenständig in kleinere Abschnitte zu unterteilen, so wie sie der eigenen Aufmerksamkeitsspanne entsprechen, und diese Teile nacheinander zu lesen… –
Hans Ludwig (LH), 21. Oktober 2026 – – – – –
Lusch!
Irgendwer, Irgendwo (oder beides, zu Millionen oder Unzähligen) verlangt, möchte, braucht, schätzt, sammelt, trinkt, ißt oder verwendet als Droge (sic) eine Substanz mit der Kennung „Lusch“. (Elektrizität, Öl, Sauerstoff, Gold, Weizen, Wasser, Land alte Münzen, Uran).
Das ist eine sehr seltene Substanz in Irgendwo und wer „Lusch“ besitzt, hält es für unentbehrlich, wofür auch immer es gebraucht wird.
Angesichts dieser Frage von Angebot und Nachfrage (einem universellen Gesetz in Irgendwo) beschloß Irgendwer, es sozusagen künstlich herzustellen, anstatt es in seiner „natürlichen“ Form zu suchen.
Er entschloß sich, einen Garten anzulegen und „Lusch“ anzubauen. Wie man feststellte, hatte „Lusch“ im ursprünglichen Zustand seine Herkunft in einer Reihe von Schwingungsvorgängen im Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus, und der Rückstand war „Lusch“ in unterschiedlichem Reinheitsgrad. Es entstand nur während dieser Vorgänge und indirekt noch beim Reaktionsprozeß. Die Interessenten aus Irgendwo streiften auf der Suche nach „Lusch“- Quellen überall umher, und neue Funde wurden begeistert gefeiert.
So kam es, daß Irgendwer und sein Garten all das änderten. Weitab in einer abgelegenen Gegend, machte er sich ans Werk und experimentierte. Als erstes erschuf er eine geeignete Umgebung für den Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus, in der er gedeihen konnte . Mit viel Sorgfalt schuf er ein Gleichgewicht, damit ständig die passende Strahlung und sonstige Nahrung vorhanden wären.
Dann versuchte er es mit seiner ersten Sorte, die tatsächlich „Lusch“ hervorbrachte, aber nur in kleinen Mengen, und von vergleichsweise geringer Reinheit, nicht bedeutsam genug, um es zurück ins Zentrum von Irgendwo zu bringen. Das Problem war doppelter Art. Die Lebensspanne war zu kurz, und die Sorteneinheiten selbst waren zu klein. Das hatte qualitative und quantitative Begrenzungen zur Folge, da die Sorte innerhalb so enger Toleranzgrenzen kein „Lusch“ hervorbringen konnte. Außerdem konnte „Lusch“ nur in dem Augenblick geerntet werden, wenn die Lebensspanne beendet war, keinen Augenblick früher.
Seine zweite Sorte war nicht besser, wenn überhaupt. Er verlegte den Anbau in einen anderen Teil des Gartens, wo die Dichte gasförmig und nicht flüssig war und die chemischen Stoffe höherer Dichte eine feste Grundlage bildeten und damit trotzdem verfügbar waren. Er pflanzte zahllose Einheiten unterschiedlichster Art und Form an, steigerte die Größe, einige waren um ein Vieltausendfaches größer und alle komplexer als die einfache, einzellige Erste Sorte. Er kehrte den Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus um. Doch alle blieben von einer elementaren Einförmigkeit.
Wie die Erste Sorte versamten sie sich in regelmäßigen Abständen und beendeten ihre Lebensspanne automatisch. Um die ungleichmäßige Verteilung der chemischen Stoffe und der Strahlung zu vermeiden, die bei der Ersten Sorte so vorgeherrscht hatte, gab er der Zweiten Sorte einen festen Standort. Jede sollte grundsätzlich in dem ihr zugedachten Teil des Gartens bleiben. Aus diesem Grund bekam jede kräftige Ranken, die sich tief in die dichtere chemische Materie gruben. An ihnen befand sich ein Stengel oder Stamm, der den oberen Teil stützte, damit dieser die erforderliche Strahlenmenge aufnehmen konnte. Der obere Teil, ausladend, dünn und etwas zerbrechlich, war als Umwandler der Kohlenstoff-Sauerstoff-Verbindungen der Sorteneinheit in beide Richtungen geplant.
Zusätzlich wurden auf jede Einheit Radiatoren für leuchtende Farben und kleine Partikelgeneratoren gesetzt, meistens in der Nähe der Spitze und symmetrisch angeordnet. Er sorgte für Zirkulation in der die Sorte umgebenden Gashülle, um vor allem den Versamungsprozeß zu fördern.
Später entdeckte er, daß der gleiche Turbulenzeneffekt auch zum Ernten von „Lusch“ genutzt werden konnte. War die Turbulenz stark genug, wurde die Frucht herabgeblasen, die Lebensspanne endete, und das „Lusch“ wurde freigesetzt. Das war vor allem dann praktisch, wenn „Lusch“ zu einem bestimmten Zeitpunkt besonders stark gefragt war, der nicht in die Erntezeit fiel.
Trotzdem war die zweite Sorte äußerst unbefriedigend. Es traf zwar zu, daß ein mengenmäßig größerer Ertrag erzielt wurde, aber das unbearbeitete „Lusch“ war von so geringer Reinheit, daß die Mühe kaum lohnte. Außerdem war die Wachstumszeit nun zu lang, und es kam zu keiner qualitativen Verbesserung. Irgend etwas Wesentliches fehlte.
Irgendwer schwebte lange Zeit über seinen Garten und stellte Untersuchungen an, bevor er es mit der Dritten Sorte versuchte. Es war in der Tat eine Herausforderung. Es stimmte zwar, daß er teilweise Erfolg gehabt hatte. Er hatte „Lusch“ angebaut. Doch das Ergebnis seiner Bemühungen blieb weit hinter der wilden, nicht veredelten Sorte zurück.
Es war unvermeidlich, daß er die Antwort wahrnahm. Die Dritte Sorte war der lebende Beweis für diese Wahrheit. Der ursprüngliche Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus mußte einbezogen werden. Die Mobilität mußte wieder wiederhergestellt werden. Beide Faktoren hatten sich bei der Erzeugung von hochwertigem „Lusch“ als sehr vielversprechend erwiesen. Wenn man jetzt noch die Größe steigern könnte, ließe sich viel erreichen.
Dieser Plan bekam Vorrang, und Irgendwer holte sich mehrere Exemplare der Ersten Sorte, die noch immer im flüssigen Teil des Gartens gediehen. Er änderte sie so ab, daß sie im gasförmigen Bereich existieren und wachsen konnten. Er paßte sie zunächst derart an, daß sie Nahrung von der Zweiten Sorte aufnahmen, die er zu diesem Zweck wuchern ließ. So entstand die Erste Mobile, die Dritte Sorte. Die Mobilen nahmen Nahrung von der Zweiten Sorte auf, beendeten damit deren Lebensspanne und erzeugten „Lusch“ von geringer Qualität. Wenn jede große Mobile die eigene Lebensspanne beendete, wurde zusätzlich „Lusch“ erzeugt. Die Menge war zwar gewaltig, aber das Frequenzmuster des „Lusch“- Rückstands ließ noch sehr viel zu wünschen übrig.
Durch Zufall stieß Irgendwer auf den Hauptkatalysator für die „Lusch“-Erzeugung. Die monströsen und sich langsam bewegenden Mobilen hatten eine Lebenspanne, die in keinem Verhältnis zur Nahrungseingabe stand. Das Wachstum und der Prozeß der Lebensbeendigung waren derart lang, daß die Mobilen die zweite Sorte bald dezimieren würden. Das Gleichgewicht des gesamten Gartens würde umkippen, und es gäbe überhaupt keine „Lusch“-Produktion mehr. Sowohl die Zweite wie auch die Dritte Sorte standen vor dem Aussterben.
Als die Zweite Sorte knapp wurde, wurde die Energieversorgung der Mobilen kritisch. Oft versuchten zwei Mobile, sich von derselben Einheit der Zweiten Sorte zu ernähren. Das schuf Konflikte, die zu tatsächlichen Auseinandersetzungen zwischen zwei oder mehr der ungeschickten Mobilen führten.
Irgendwer beobachtete diese Auseinandersetzungen zunächst verwirrt, dann mit größerem Interesse. Als die Auseinandersetzungen um sich griffen, fingen die Mobilen an, „Lusch“ abzusondern! Nicht in kleinem Umfang sondern in großen, verwertbaren Mengen und von viel höherer Reinheit.
Er erprobte die Theorie sofort. Er nahm eine weitere Einheit der Ersten Sorte aus dem flüssigen Gartenteich und gestaltete sie für eine gasförmige Umgebung um – allerdings mit einer wichtigen Veränderung. Die neue Mobile war etwas kleiner, würde aber als Nahrung andere Mobile zu sich nehmen müssen. Das würde das Problem der Übervölkerung durch die Mobile lösen und gleichzeitig bei jeder Auseinandersetzung für ausreichende Mengen gutes „Lusch“ sorgen; zusätzliches „Lusch“, würde entstehen, wenn die neue Klasse der Mobilen die Lebensspanne der anderen beendete. Irgendwer würde nun in der Lage sein, vernünftige Mengen von im großen und ganzen reinen „Lusch“ nach irgendwo zu bringen.
So entstand das Gesetz vom Hauptkatalysator. Der Konflikt innerhalb des Kohlenstoff-Sauerstoff-Zyklus bewirkt eine ständige Emanation von „Lusch“. So einfach war das.
Zufrieden darüber, daß er die Formel gefunden hatte, bereitete Irgendwer die Vierte Sorte vor. Er wußte jetzt, daß die Mobilen der Dritten Sorte zu groß waren und eine zu lange Lebensspanne hatten, um letztendlich brauchbar zu sein. Wenn man sie in größerem Umfang züchtete, würde man den ganzen Garten vergrößern müssen. Es war nicht genug Platz, derart massige Einzeleinheiten zu züchten und dazu noch die entsprechende laubreiche Zweite Sorte, die erstere unterstützen mußte. Ferner überlegte er sehr richtig, daß eine bessere Mobilität den Konfliktfaktor erhöhen und zu einem größeren Ausstoß an „Lusch“ führen würde.
In einem einzigen Schritt beendete Irgendwer die Lebensspanne aller schwerfälligen Mobilen der Dritten Sorte. Er griff auf die Erste Sorte im flüssigen Bereich zurück, änderte sie in unterschiedlichste Formen und Größen ab und gab ihnen einen komplexen, vielzelligen Aufbau von hoher Mobilität. Er baute ihnen ein Gleichgewichtsmuster ein. Es gab diejenigen, die Kohlenstoffzyklus-Einheiten von der Art der Zweiten Sorte (im wesentlichen nicht mobil) als Nahrung aufnahmen. Und es gab diejenigen sehr mobilen, die als Nahrung andere mobile, abgeänderte Einheiten der Ersten Sorte brauchten.
Der abgeschlossene Kreislauf arbeitete recht zufriedenstellend. Die abgeänderte ortsfeste Zweite Sorte gedieh im flüssigen Bereich. Kleine, sehr aktive, Flüssigkeit atmende Mobile nahmen Nahrung auf, „aßen“ die abgeänderte Zweite Sorte. Größere und/oder andere aktive Mobile konsumierten als Energie die kleineren „Pflanzenfresser“ Wuchs eine Mobile zu hoch oder zu langsam, wurde sie eine sichere Beute der kleineren Mobilen, die sie unersättlich angriffen.
Der chemische Rückstand aus dieser Nahrungsaufnahme lagerte sich am Boden des flüssigen Mediums ab und lieferte so neue Nahrung für Ortsfesten (abgeänderte Zweite Sorte), womit sich der Kreislauf schloß. Das Ergebnis war ein ständiger Fluß von „Lusch“- durch die Beendigung der Lebensspanne der Ortsfesten, durch den heftigen Konflikt unter den Mobilen, um dem Gefressenwerden zu entgehen, und schließlich durch die plötzliche Beendigung der Lebensspanne jener Mobilen, die diesen Konflikten zum Opfer fielen.
Irgendwer wandte sich einem anderen Teil seines Gartens zu – dem gasförmigen Bereich mit der Grundlage aus dichten Verbindungen – und erprobte das gleiche Verfahren mit noch ausgeklügelteren Verbesserungen. Er nahm mehrere Unterarten der Ortsfesten (ursprünglich die Zweite Sorte) hinzu, um ausreichend und vielseitige Nahrung für die neuen Mobilen zu haben, die er erschaffen wollte.
Wie in dem anderen Gartenbereich entwarf er auch hier ein auf zwei Arten beruhendes Gleichgewicht: Mobile, die den Ortsfesten der Zweiten Sorte Energie entzogen, und solche die zu ihrem Fortbestand auf andere Mobile angewiesen waren. Er schuf sie in buchstäblich Tausenden von Originaltypen, große und kleine – jedoch keine so groß wie die Mobilen der Dritten Sorte-, und stattete alle genialerweise mit einer gewissen Konfliktfähigkeit aus. Sie traten als Masse auf, mit schwer bestimmbarer Geschwindigkeit, einem Tarn- und/oder Schutzüberzug und Farbabstrahlung. Wellentätigkeit und Partikelempfängern und – Detektoren sowie einmaligen Protuberanzen höherer Dichte zum Packen, Greifen und Reißen während des Konflikts. All das sollte dazu dienen, Konflikte zu erzeugen und zu verlängern, und sollte letztlich zu einer höheren Emanation von „Lusch“ führen.
(Fortsetzung folgt)