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Denker und Schreiber

Nein, kein Widerspruch, im Gegenteil: eng verbunden. Denn nur wer noch denken kann, der kann auch noch schreiben: selbst, mit der Hand, und Handgeschriebenes lesen… – LH, 8.8.26 – – – – – – – – – – – – – – –

Früher sagte man: so wie du denkst, so redest du auch. Und umgekehrt: so wie ich rede, so denke ich.
Die Rede als Abbild der individuellen Verstandeswelt.

Nun ist es eine weitere zweifelhafte „Errungenschaft“ der allgegenwärtigen – süchtig machenden – kleinen Wisch-Vierecke, daß fast alle ‚modernen‘ jungen Menschen kaum noch reden können.
Also ihre Gedanken im Kopf ordnen, formulieren und sprachlich ausdrücken.
Ist dies der Grund, warum junge Leute sich vorwiegend anschweigen und sich lieber miteinander austauschen, indem sie – körperlich nebeneinander sitzend – im a-sozialen Netzwerk auf ihren Vierecken herumtippeln?

Es sind vereinzelte Ausnahmen, wenn ‚moderne‘ junge Leute noch in der Lage sind, eigenhändig einen sinnvollen längeren Text, zum Beispiel einen einfachen Brief an den Opa über den Ferienausflug, zu Papier zu bringen.
Wer hat auch schon noch Beziehungen zu sowas unmodernem wie einem Opa ohne Schlau-Fernsprecher?
Auch das Lesen eines handgeschriebenen Briefes überfordert schon viele.

– – –
Ja, liebe junge Leute, dann schaut euch doch bitte mal eure Tippel-Ergebnisse vom letzten „Gespräch“ mit eurer Freundin an, die lang die einzelnen Aussagen sind, was sie beinhalten und wie wichtig sie für die Empfängerin wohl gewesen sein mögen…
So denkt euer Hirn.

Und wann habt ihr zuletzt eine Rede gehalten, vor mehr als einem Menschen?
Gut, einfacher: wann habt ihr euch das letzte Mal mit einem Menschen ausgiebig unterhalten, egal zu welchem Thema?
Was ist davon euch im Gedächtnis geblieben?
Denn Kommunikation ist ja kein Selbstzweck: es sollen Gedanken ausgetauscht werden, und nur wenn dir – und sei es auch nur ein einziger Denkstupser – etwas im Gedächtnis geblieben ist, dann war der Austausch für dich ertragreich…
Oder ‚funzt‘ das Gedächtnis nicht mehr?
– – –

Nach dessen Verstehen ist es auch nicht mehr verwunderlich, daß die meisten jungen Leute einen Text, der länger als 2 Seiten ist, nicht mehr lesen können: sie lesen den Anfang, das Ende und vielleicht noch einen Absatz in der Mitte, und das war’s.
Sich was merken? Wozu?
Auf der Basis dieses „Wissens“ meinen sie, verstanden zu haben, was der Schreiber ihnen mitteilen wollte, und schon tippeln sie ihren Kommentar dazu…

Kaum jemand macht sich noch Gedanken darum, wieviel er von sich und seiner Denkweise allgemein preisgibt, wenn er einen Text / einen Kommentar in einem a-sozialen Netzwerk schreibt.
Beispiel: wer nicht in der Lage ist, sich zum Thema/Gegenstand des Textes zu äußern, aber unbedingt „seinen Senf dazugeben“ muß, der zeigt damit allen, daß seine geistigen Fähigkeiten hinter dem eigenen Anspruch – „wichtig zu sein“ – zurückbleiben.
Freilich ist dann oft auch die Fähigkeit zur selbstkritischen Betrachtung des eigenen „Ergusses“ bereits verkümmert…

Ja, der Rechner mit seiner Textverarbeitung hat auch uns Älteren die geistige Vorarbeit zu einem Thema weitgehend ‚aberzogen‘.
War man früher darauf angewiesen, ein Thema erstmal im Kopf komplett zu durchdenken, zu strukturieren, ggf. dazu ein ‚Bild‘ oder Stichpunkte zu skizzieren, und dann „die Tinte fließen“ zu lassen, so ist es heute – leider manchmal auch bei mir – so, daß eine Idee in den Kopf schießt, worüber unbedingt zu schreiben ist, und dann flink ein paar Hauptthesen gesammelt werden, mit denen man die Schreibarbeit beginnt.

Klar, der Appetit kommt beim Essen, und „die Eleganz des Ausdrucks“ – der Stil – kommt unterm Schreiben von allein, so wie man eben denkt.
Schlimm ist nur, daß man sich schon voll darauf verläßt, daß man nachträglich beliebige Änderungen und Ergänzungen einbringen kann: da bleibt oft vieles an Denkarbeit ungetan, was aber zum Thema gehörte…

So bin ich dazu zurückgekehrt, zu vielen Themen, die mich bewegend und vielleicht von allgemeinem Interesse sind, eine lose-Blatt-Sammlung anzulegen und erst nach deren Durchsicht und weiteren äußeren Anstupsern ans Schreiben zu gehen.
Wie früher, erst per Hand ins Unreine zu schreiben und dann – einen Tag später – „in die Maschine“ abzutippen, wie früher in Zeiten der Schreibmaschine, halte ich allerdings für übertrieben. Die „modernde“ Technik will ja auch genutzt werden…

Aber Stichpunkte und/oder eine grafische Darstellung für die Zusammenhänge mache ich mir, gerade bei schwierigen Themen, schon.
Oft liegen diese ‚Vorarbeiten‘ auch tage- oder wochenlang herum und kommen ab und zu „unter die Augen“ – sie ‚reifen‘: werden ergänzt, korrigiert, und es wird nachrecherchiert.
Klar geht das nur bei Themen, die nicht tagesaktuell ‚bedient‘ werden müssen…

Ja, denken und schreiben steht in enger Verbindung, ist einzeln nicht vorstellbar.
Die zunehmende geistige Verarmung der Umgebung, die immer schwierigere Kommunikation mit anderen, sobald es nicht um die direkten Alltagsfragen (diese beherrschen die meisten noch) geht, macht mir schon zu schaffen.
Um so schöner, von diesem oder jenem einen E-Brief oder einen Kommentar zu lesen, der zeigt, daß mein Geschreibsel noch ‚ankommt‘ und Menschen noch denken können.

Deshalb, liebe Leser/innen und Kommentator/in/en, laßt euch gern aus über das, was ihr hier von mir zu lesen bekommt – klar, kulturvoll, durchdacht, unpersönlich.
Klar zeigt ihr dabei eure Geisteswelt, aber darin besteht ja Verständnis: daß man lernt, wie andere Leute denken.
Mich habt ihr hier schon tausendfach kennengelernt – nun seid ihr dran…


4 Kommentare

  1. Avatar von Angela Angela sagt:

    @ LH

    Zitat: …“ Klar zeigt ihr dabei eure Geisteswelt, aber darin besteht ja Verständnis: daß man lernt, wie andere Leute denken.
    Mich habt ihr hier schon tausendfach kennengelernt – nun seid ihr dran…

    Es war schon immer eine Kunst, seine Gedanken in einer Form zum Ausdruck zu bringen, welche die Leser dazu anregen, mal über das Geschriebene nachzudenken. 

     Im Idealfall sollte der Leser das Dargebrachte  mit eigenen Erfahrungen und vorhandenem Wissen vergleichen und Schlüsse daraus  ziehen. Ob das mit überfrachteten „Splittern“,  vergleichbar mit Brosamen, die man den Vögeln hinwirft , gelingt , wage ich zu bezweifeln . Nicht immer liegt die Ursache eines Desinteresses bei den Lesern.

    Was hier seit etlicher Zeit geschieht, bzw. NICHT geschieht, bestätigt meine Ansicht. 

    Betrachte meine Ansicht  einfach als einen „Denkstupser“.

    LG A n g e l a 

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  2. Avatar von bettinamaerz23 bettinamaerz23 sagt:

    Laß jetzt auch mal meine Gedanken schriftlich schweifen.

    Was mich total verwundert ist, daß es keine Demos gegen diese kriegslüsternen Schranzen gibt. Müßte eigentlich fast täglich sein.

    Klar weiß ich, daß alles gesteuert ist, wie damals die Schulschwänzer mit der Schweden-Grätel durch die Gassen zogen, wegen Klima.

    Trotzdem. Es gab doch vor vielen Monden schon große Demos gegen die Jänkies wegen der Lagerung von Kriegsgerät im Bunzelland, ja ultimativ großen Aufschrei. Da ging es nur, in Anführungszeichen, um die Lagerung von diesem todbringenden Müll.

    Wo bleiben eigentlich die ganzen Friedensaufmärsche?

    Interessiert das im Moment keinen so richtig, weil bald Wahlen sind und alle auf die Affeedeee warten?

    Diese dann schon alles rückgängig machen und unser Retter sein werden. Die Firmen dann wieder Autos und Waffeln produzieren, statt Waffen.

    Und wir den Kriech nicht nach Rus tragen.

    Fragen über Fragen.

    Ja, es gibt so viele Themen und vieles ist auch schon gesagt und geschrieben, aber natürlich nicht von allen.

    Dürre, liegt es an den Wetterwaffen, die es ja eigentlich gar nicht gibt, pöhse Verschwörquerung. Manche behaupten, es könnte auch an diesen Windreichskraftanlagen liegen.

    Dürre:

    Ach was, das gab es doch früher auch schon. Und damals, anno knippi, war sogar der Rhein so ausgedörrt, daß die Menschen zu Fuß, von Ludwigshafen nach Mannheim, trockenen Fußes gelatscht sind, ja, das ist wahr, die mußten nicht über die Brücke spazieren. Nä, es war net die Brigg, die Mannemer Nekkar-Brigg. Es war die Rheinbrücke.

    Und im Winter, auch schon lange her, war sogar der Rhein mal zugefroren, so daß die Leute Schlittschuh laufen konnten; sogar ein Kinder-Karussell stand auf der Eisfläche.

    Die Waldbrände in Europa, die von Menschen gelegt wurden, ja, einige Brandstifter sind gefaßt worden und in den Bau gegangen. Obwohl, wer weiß.

    In Italien, wo man Katzen Benzingetränkte Lappen an den Schwanz bindet, sie dann losläßt und die armen Viecher nach der Brand-Verrichtung jämmerlich zugrunde gehen. Manche dieser Tierquäler hat man auch gefaßt.

    So, das war für heute mein Schreib-Senf.

    Wir schreiben uns, bis neulich.

    P.S.: Bin meistens analog unterwegs. Und das wird lange so bleiben.

    Finde digital so langweilig.

    .

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  3. Avatar von luckyhans luckyhans sagt:

    Liebe Angela,
    vielen Dank für Deine „Ansicht“.
    😉
    Nein, die „Splitter“ sind keine Brosamen, sondern Denk- und Argumentations-Hilfen, wie alle meine Beiträge.
    Hatte ich hier aber wohl schon geschrieben… nicht angekommen?
    😉
    Und wie kommst Du dazu, für „die Leser“ zu sprechen? Wen kennst du hier noch?
    😉
    Deinen Schluß verstehe ich nicht ganz: Du bist doch selbst hier auch als Autorin tätig gewesen, oder?
    Hast es doch in der Hand, das was „NICHT geschieht“ zu ergänzen, oder?
    Wir warten…

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  4. Avatar von luckyhans luckyhans sagt:

    Liebe Bettina,
    vielen Dank für Dein „Schweifen“.
    😉
    Warum nichts passiert? Mir scheint, die heutigen Menschen sind anders als die damaligen.
    Und die wenigen Leute, die vor einigen Monaten erfolgreich große Demos organisiert haben (Ballweg usw.), sind gemaßregelt worden – darauf hat keiner Bock. Aber das wichtigste: wir sind heute alle so stark „vereinzelt“, daß kaum noch ein Zusammenhalt vorhanden ist; Volk ist für viele nur noch ein abstrakter Begriff; Heimat ist für viele ein Fremdwort geworden – kein Wunder, ein besetztes Land zu lieben, ist schwierig.
    Wir müssen wieder von ganz unten anfangen: Familie, Sippe, Gemeinde, Vereine usw.
    LG

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