Laßt uns einfach eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Wirtschaftslage, so wie sie sich nach unserer Ansicht zur Zeit darstellt, aufschreiben. Wie gewohnt, keine Dogmen oder Besserwisserei, sondern Denkstupser für eigene Überlegungen.
Hans Ludwig (LH) Mitte Juni 2026
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Vorwort: Da es ohne Zielerkennung schwierig ist, seinen Kurs zu bestimmen, hier als Vorschlag ein Blick in die ferne (?) Zukunft: welche Basisfaktoren es denn sein könnten, die eine lebenswerte Zukunft (irgendwann) bestimmen werden.
Da haben wir zuerst einmal eine autarke Ökonomie (autark = eigenständig, selbstgenügsam, unabhängig; oeconomia altgriech. ‚Hauswirtschaftsorganisation‘), die zu gestalten ist.
Dabei ist zu beachten, daß die Wirtschaftsvorstellungen so gut wie der gesamten Menschheit in den letzten 250 Jahren Kapitalismus und besonders seit den 1980er Jahren zu dem verkommen sind, was die „alten Griechen“ Chrematistik (Gewinnsucht) nannten.
Wir haben also ALLE unsere Ansichten von dem, was Wirtschaft ist, tun und sein muß von Grund auf neu zu bedenken. Und dann später auch praktisch umzusetzen…
Der 2. Faktor ist der notwendige Paradigmenwechsel, weg vom ‚modernen‘ neoliberalen Wahnsinn und hin zu humanistischen und den ursprünglich liberalen Idealen.
Auch hier sind es tiefgreifende Veränderungen in der Denk- und Handlungsweiseweise, die uns allen bevorstehen, da wir alle von den Massenmedien in den letzten 40 Jahren in völlig menschenfeindliche „Narrative“ (Dogmen) gepreßt wurden.
Schlimm an der irren Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist, daß auch fast alle Kirchen es nicht geschafft haben, sich vom Sog der unmenschlichen Hirnverdrehungen fernzuhalten und die allgemeinmenschlichen Werte zu verteidigen – im Gegenteil…
Und als drittes ist die Rückkehr zur natürlichen persönlichen Verantwortlichkeit zu nennen, welche die naturgegebene Verantwortung, der langfristig niemand entgehen kann, in unseren Alltag zurückführen wird.
Mit anderen Worten, wir stehen als Menschheit vor einer Mammutaufgabe, denn die Prozesse der letzten Jahrzehnte haben uns – offenbar gesetzmäßig – stramm in die falsche Richtung geführt.
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Nun zur leicht vereinfachten Darstellung des gegenwärtigen Finanz-Weltwirtschafts-Systems in Kürze. Bitte nicht einfach überfliegen, sondern überdenken, was dies oder jenes bedeutet…
Ausgangspunkt seien die 1970er Jahre, als mit den Berichten des sog. ‚Club of Rome‘ ein ziemlich düsteres Zukunftsszenario verbreitet wurde; bitte selbst nachlesen: „Grenzen des Wachstums“ und „Das menschliche Dilemma“ usw. – alles im Netz verfügbar.
Da geriet der Systemwettbewerb der (längst monopolisierten) ‚Marktwirtschaft‘ mit dem real existierenden Sozialismus (RES) in reale Gefahr, an die sich kontinuierlich entwickelnde Planwirtschaft verloren zu gehen…
Zum Glück für den Westen waren die senilen Führer des RES (der ‚teure Iljitsch‘: gemeint war nicht Lenin, sondern Brezhnjew) nicht in der Lage, die Situation zu erkennen und ihre Chance zu ergreifen: sie hatten sich durch die Petro-Dollar-Schwemme ‚einlullen‘ lassen.
Klar, um seine Naturreichtümer zu verkaufen und damit für sich und Teile seines Volkes einen befriedigenden Wohlstand zu erkaufen, braucht es nicht viel Geist…
Wer hat da eben gerufen, das sei heut in Rußland kaum anders?
Und da gab es bei der FED jenen Herrn Paul Volker, der die clevere Idee hatte, wie ein stabiles Wachstum (für eine gewisse Zeit, 1 – 2 Jahrzehnte) erzeugt werden kann: mit Hilfe einer kreditgestützten Nachfrage, d.h. indem man Geld an die Verbraucher verteilt, deren zahlungsfähiger Bedarf dann die Wirtschaft in Schwung bringt.
Dies waren die sog. Reagonomics, die ab Anfang/Mitte der 1980er die Leitlinie in der Wirtschaftspolitik bestimmten. Da wurden Nachfrage und Verbrauch durch Verteilen frisch gedruckten Geldes stimuliert – natürlich, wie im Kapitalismus üblich, gegen Zins und Zinseszins, d.h. mit der Schaffung von dauerhaften Abhängigkeiten.
Zuerst wurden die billigen Kredite – teils ohne sorgfältige Prüfung und die ‚üblichen‘ Sicherheiten – an die privaten Haushalte vergeben, dann an die Unternehmen und schließlich an die kolonialen Verwaltungen und „Staaten“ (die – wir erinnern uns an DUNS und UPIK – inzwischen weitestgehend in Unternehmen umgewandelt wurden).
Freilich war diese Politik nur für einen bestimmten Zeitraum vorgesehen, nämlich solange, bis man mit Hilfe dieses attraktiven Schein-Schaubildes von einem funktionierenden Kapitalismus den RES in die Knie gezwungen hatte.
Was auch bestens funktionierte: die Nomenklatura der UdSSR und des RES ließ sich davon beeindrucken und zerstörte selbst die erste wirkliche Gesellschafts-Alternative der uns bekannten Geschichte.
Leider ging die ursprüngliche zeitliche Begrenzung des kreditstimulierten Verbrauchs im weiteren verloren, denn der daraus resultierende Verbraucherwahn ließ sich irgendwann nicht mehr stoppen und Alternativen waren später auch nicht mehr bekannt, da auch die Lehre nur noch die eine Richtung kannte.
Folge: Die allseitige ‚Verschuldung‘ nahm überhand…
Heute zeigt sich, daß diese Reagonomics-Praxis ihre natürlichen Grenzen erreicht hat:
– eine zunehmende Anzahl von Firmen- und Privatpleiten: laut Institut für Wirtschaft (IW) gab es allein im März 2026 in der BRD 2308 Firmenpleiten (+15,8% ggü. März 25) und sogar +18,9% Privatinsolvenzen;
– unprofitable Unternehmen, die sich nur durch Tricks wie Eigenaktienkauf und „Marktkapitalisierung“ irgendwie in die Gewinnzone rechnen (nach dem IPO der IT-Konzerne werden es über 50% des US-Aktienmarktes sein, welche durch die IT/AI-Konzerne dargestellt werden, wobei die Kapitalisierung wächst, jedoch die Firmen entlassen Mitarbeiter),
– ‚Staaten‘, deren Zinszahlungen an die Finanzinternationale zu den größten Ausgaben-Positionen im Haushalt zählen (in den USA sogar mehr als die Kriegsausgaben),
all das zeigt deutlich, daß weitere Kreditvergaben kaum mehr möglich sind.
Nunmehr erfolgt noch eine Geldverteilung über den Staatshaushalt, hier allerdings gelangt das Geld vor allem an diejenigen, die nahe genug „an der Quelle“ sitzen.
Was aber tun mit dem Geldüberfluß? Wie verhindert man eine hohe Inflation?
(wir erinnern uns an Prof. Katasonow: „Inflation ist das Zurückbleiben der Warenmenge hinter der Geldmenge, oder umgekehrt das Überholen der Geldmenge gegenüber der Warenmenge.“)
Hier hatte jemand die geniale Idee, die überschüssige Geldmenge im Finanzbereich zu ’sterilisieren‘, damit sie im realen Leben nicht inflationswirksam wird. Dazu war es ausreichend, mit Hilfe diverser „Finanzinstrumente“ (real: Betrugsmechanismen) die Gewinne im Finanzbereich höher zu halten als in der Realwirtschaft.
Was kein Problem ist, da ja alles nur rechnerisch, d.h. in Rechenmaschinen („Komm, Puter“), abläuft: fiktive Werte kann man erschaffen, soviel man will, solange keiner auf die Idee kommt, damit im realen Leben einkaufen zu gehen…
Denn nun – da alle nur noch profitgeil sind – investierte kaum jemand mehr in real tätige Unternehmen („ich bin ja nicht blöd“).
Das Geniale daran:
Der Geldzufluß führt im Finanzbereich zu steigenden Aktienkursen – und das, was in der Realwirtschaft als Inflation ’schädlich‘ ist, wird hier als „positiv“ verkauft.
Denn keiner merkt dabei, daß der Markt-Wert aller Unternehmen kontinuierlich sinkt – durch den Wertverlust der Währung…
Weitere Ergebnisse: regelmäßige, immer größere „Blasen“ und eine immer ungleichere Verteilung der Vermögen…
(realistisch betrachtet, sind jedoch die sog. Aktiva der meisten Dollar-Billionäre und -MultiMillionäre – deren Anzahl seitdem sprunghaft gewachsen ist – rein ‚papiermäßige‘, denn das Geld kann nur zu einem ganz geringen Teil in realen Reichtum umgesetzt werden: sobald einer beginnt, seine Aktien in merklichen Mengen zu verkaufen, sinkt der Aktienkurs und er wird ständig „ärmer“ – freilich auf höchstem Niveau)
(Fortsetzung folgt)