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Eine polyphone Weltordnung entsteht

„Polyphone Weltordnung“, so bezeichnete Putin das von ihm und seinesgleichen angestrebte Zusammenwirken der Völker und Kulturen.

Der Begriff passt ausgezeichnet.

In einem polyphonen Musikstück spielen zwei oder mehrere Stimmen zusammen, jede selbständig, alle sich dabei harmonisch ergänzend.

So soll es sein. Dies ist anzustreben. Völker hegen und pflegen ihre spezifischen Eigenarten, erfreuen sich der Eigenarten der Nachbarvölker, tauschen aus, inspiriert und inspirierend, Wissenschaft, Grundstoffe, Erzeugnisse und Kultur.

Man horche Putins Reden. Valeriy Pyakin erläutert und ergänzt sie.

TRV, 14.11.NZ12

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Eine Polyphone Weltordnung entsteht

Zusammenfassung der zweiten Frage der «FRAGE-ANTWORT Sendung» vom 11.11.2024

Moderator: Guten Tag, sehr geehrte Zuschauer, Zuhörer und Gäste im Studio! Heute ist der 11. November 2024.

Vergangene Woche am 7. November, am Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution, trat Wladimir Wladimirowitsch Putin auf der 21. Sitzung des Waldai-Klubs auf. Unter anderem nannte er die Prinzipien der neuen Weltgestaltung. Wie werden sie umgesetzt?

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Valeriy Pyakin: Ich wundere mich über diese Frage. Prinzipien der neuen Weltgestaltung wurden auf Waldai im vergangenen Jahr, 2023, formuliert – damals wurden ja die 6 Prinzipien verkündet. Zur Erinnerung:

Erstens – eine offene Welt, wo es keine künstlichen Barrieren zwischen Ländern und Völkern geben darf. 

Zweitens – Die Vielfalt der Zivilisationen, Harmonie diverser Kulturen.

Drittens – Länder und Völker treffen die Entscheidungen gemeinsam und jeder hat ein Mitspracherecht.

Viertens – die allgemeine Sicherheit und ein stabiler Frieden. 

Fünftens – Gerechtigkeit für alle, was die Errichtung eines neuen Kolonialimperiums unmöglich macht.

Sechstens – Gleichberechtigung.

Da wurden die Regeln verkündet, die historisch in der «Russischen Welt» umgesetzt werden. So war es, als das Russische Kaiserreich und die Sowjetunion erbaut wurden. Auch jetzt, trotz der Trikolore, werden diese Prinzipien umgesetzt.

Also, 2023 wurden diese Prinzipien verkündet. Und dieses Jahr sprach Putin darüber, wie diese Prinzipien umgesetzt werden. Ich kann nur empfehlen, Putins Rede nochmals aufzugreifen. Er erläutert jedes der sechs Prinzipien. Er fing ja auch an mit den Worten: «Letztes Jahr wurden auf Waldai die Prinzipien formuliert. Und jetzt werde ich präzisieren und konkretisieren, wie sie umgesetzt werden.»

Es ist wichtig, wie Putin seinen Waldai-Moderator:Auftritt begonnen hat. Er fing damit an, dass die am 7. November 1917 ausgebrochene Russische Revolution die nachfolgende Entwicklung der gesamten Welt beeinflusste. Also geschah ein Ereignis von globaler – und darüber hinaus weltweiten –  Bedeutung. Alles wurde verändert. Nicht nur im geopolitischen Sinne, als nach dem Zweiten Weltkrieg die sozialistische Gemeinschaft der Länder entstand… Bereits davor, 1948, hat Indien den Kolonialstatus verlassen … und 1960 haben gleich mehrere Staaten ihre Unabhängigkeit erklärt … das war doch eine Folge der russischen Revolution von 1917.

Putin nutzte das Waldai-Rednerpult, um sich an die Welt zu wenden, mit der These über die Große Sozialistische Oktoberrevolution, die Russland von der kolonialen Abhängigkeit befreit hat. Russland wurde infolge dieser Revolution in Gestalt der Sowjetunion zur absoluten Supermacht.

Bereits 1949 wurde der NATO-Block gegründet, um Sowjetrussland zu unterdrücken. Bereits damals wurde klar, dass die “Supermacht Nummer 1”, die USA, die nach dem Zweiten Weltkrieg – so schien es jedenfalls – zur einzigen Supermacht wurden, nicht kräftig genug ist, um die Sowjetunion zu unterdrücken. Daher musste man die Welt um sich herum vereinigen. Der Warschauer Pakt entstand erst 1955. Davor war es nicht erforderlich. Stalins globale Politik der UdSSR richtete die Ziele so aus, dass die Vereinigung der Länder nach der sechsten Priorität automatisch  erfolgte.

Die Gründung des Warschauer Pakts im Jahre 1955 zeigt, dass Chruschtschow und andere Trotzkisten auf die globale Ausrichtung der Politik verzichtet haben. Damit wurden die Bedingungen der Stalinschen Politik zunichtegemacht, wonach die militärische Vereinigung von alleine entstand. Das war der Beginn des Zerfalls der Sowjetunion.

Putin erklärte nun seinen Anspruch auf globale Politik nach den Prinzipien der «Russischen Welt». Passend zu dieser Entwicklung fand am 9.-10. November das Ministertreffen «Russland-Afrika» statt. Dort waren 54 offizielle Delegationen sowie 45 Minister anwesend. Die Teilnehmerzahl belief sich auf 1.500. Das ist eine ernste Tatsache darüber, dass Russland systematisch agiert, dass Russland sowohl Konzept als auch Strategie hat. Und die Taktik kommt von alleine dazu.

Nichts desto trotz konnte Putin keines der russischen Probleme verschweigen. Er sagte, dass er es ungern sehen würde, sollte sich Russland wieder auf einen Weg wie vor 2022 begeben müssen. Dieser Weg war so gut wie eine versteckte Intervention, die der Westen gegen Russland seit Jahren betrieb.

Was bedeutet schon “seit Jahren”? Es kommt darauf an, ob wir hochfrequente oder niederfrequente Prozesse betrachten. Niederfrequent sind die 30 Jahre nach dem Sturz der Sowjetunion.

Dabei erklärte Putin, dass Russland den Ukraine-Krieg nicht begonnen hat. 2022 fing Russland an, aktiv einzugreifen, um den Ukraine-Krieg zu beenden, der 2014 begann. Die Tatsache, dass Russland Streitkräfte einsetzten musste, bedeutet, dass es dem Westen gelungen war, seine eigenen Ziele zu erreichen und Russland in den Krieg hineinzuziehen.

Wenn wir von den 6 verallgemeinerten Steuerungsprinzipien ( https://fktdeutsch.wordpress.com/2020/10/04/sechs-prioritaten/ ) in einem sozialen System sprechen, die wiederum Kampfmittel gegen ein anderes komplexes soziales Supersystem sind … und wenn eine Partei zur Waffe greift, handelt es sich um die unterste Ebene, um die sechste Priorität, dann bedeutet das, dass der Krieg auf fünf höheren Prioritäten bereits verloren wurde. Es gibt den Spruch: «Kanonen sind das letzte Argument der Könige.»

Darauf hat Putin hingewiesen. Infolge des Verrats innerhalb Russlands, infolge der Aktivität der verräterischen “Eliten” wurde Russland in diesen Krieg hineingezogen. Wenn die Minsker Abkommen  umgesetzt worden wären, hätte Russland auf ganz friedliche Art und Weise die Ukraine entnazifizieren, entmilitarisieren und die Ukraine letztendlich zu einem Teil von Russland machen können, weil das russisches Territorium ist.

Der Westen hat offen zugegeben, dass die Minsker Abkommen für den Westen absolut keine Vorteile gebracht hätten, weil Russland dadurch seine eigenen Ziele ohne Krieg erreichen konnte. Der Westen sabotierte die Minsker Abkommen, weil er Zeit brauchte, die Ukraine mit Waffen randvoll zu pumpen und es dann auf einen Krieg vorzubereiten. Russische “Patrioten” haben dem Westen dabei geholfen. Man sollte endlich ein Gewissen haben und das eingestehen. Man sollte auch zugeben, keine Ahnung von Steuerungsmechanismen zu haben.

Putin betonte: «Wir kämpfen nicht nur um unsere Freiheit. Wir verteidigen die allgemeinen Rechte und Freiheiten aller Völker». Das verstehen alle. Alle sehen, dass Russland alleine gegen den kollektiven Westen kämpft. Das ist für Russland nicht neu. Davon, ob Russland den kolonialen Westen besiegt, hängt die Zukunft des gesamten Planeten ab.

Russland steht alleine gegen den Westen, der die ganze Welt plünderte und plündert, der die Entwicklung der Nationalstaaten verhindert, der nicht erlaubt, die kulturelle Identität zu erhalten. Die Welt schaut auf Russland und versteht: Bricht Russland zusammen, macht der Westen alle anderen platt. Einen nach dem anderen der Reihe nach. Steht Russland jedoch durch, wird Russland die Prinzipien der «Russischen Welt» umsetzen.

«Wir unterjochen niemanden, wir unterdrücken keinen» – so Putin. «Wir gehen einen anderen Weg. Wir kooperieren. Wir befürworten eine Symbiose der Kulturen, dadurch kooperieren wir» – sagte Lawrow.

Auf dem Waldai-Forum sagte Putin: «Wir steuern nicht einen polyzentrischen Weltaufbau an, weil die Zentren untereinander immer konkurrieren, bis hin zu Kriegen, um das Recht, sich als Konzentrationszentrum der Steuerung zu verwirklichen. Unser Ziel ist eher der polyphonische Weltaufbau, wo alle Stimmen gehört werden». Im Orchester gibt es mehrere Instrumente, die einander ergänzen. Auf der Welt sind die Unterschiede zwischen den Völkern und den Staaten so, dass sie einander gegenseitig ergänzen. Der Bass muss nicht gegen die Trommel kämpfen. Die Geige muss nicht gegen das Klavier kämpfen. Sie ergänzen einander und im Orchester klingt alles harmonisch. Dann gibt es keinen Krieg. Dazu empfehle ich den Film von Fellini «Orchesterprobe». Er zeigt, wohin es führt, wenn diverse Steuerungszentren errichtet werden.

Abschließend noch ein Zitat von Putin. Er hat gesagt, dass das ganze Böse vom Westen ausgeht. Wenn der Westen eine solche Möglichkeit bekommt, wird der Westen nicht davor zurückschrecken, Atomwaffen einzusetzen. Es gibt kein Vertrauen in die westliche Politik. Putin sagte: «In der polyphonischen Welt, die gerade entsteht, darf es keine Verlierer-Länder und keine Verlierer-Völker geben. Niemand darf sich gekränkt fühlen. Europa hat nur eine Chance, als historisches Zivilisationszentrum zu bestehen und diese Chance besteht darin, dass Europa und Russland gemeinsam handeln.» Putin hat die Worte von Kanzler Kohl zitiert. Das verstehen alle – bis auf die modernen Politiker in Europa. Sie verstehen gar nicht, was staatliche und auch supranationale Steuerung ist. Daher hat man Trump dermaßen kritisiert und als er gewonnen hat, da hat man nicht schlecht geguckt … das kam für sie völlig überraschend. Man hatte sich doch bereits überzeugt, dass Trump niemals siegen wird, dass Harris gewinnt. Die Erfahrung von 2016 war nicht aussagekräftig genug, sodass man die Lektion im Jahre 2024 wiederholen muss.

Und Russland … Russland wird mit seinem Konzept der «Russischen Welt» seine eigene globale Politik machen. 

Noch macht Russland seine eigene Globalpolitik nur auf Basis seiner Strategie. Doch nach und nach entsteht auch die Taktik. Russland wird sowieso siegen. Der Westen hat keine Chance. Dort gibt es keine Strategie, nur Taktik. Das westliche Konzept hat seine eigene Unzulänglichkeit bewiesen. So ist die Lage.

Ich wünsche Ihnen allen einen friedlichen Himmel über den Köpfen und viel Glück! Wir sehen uns! Auf Wiedersehen!

Fond Konzeptueller Technologien

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2 Kommentare

  1. Lieber Thom,

    danke für diesen Beitrag. In unserer ‚freien und unabhängigen‘ Presse findet man es nicht.

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  2. Avatar von Thom Ram Thom Ram sagt:

    Uhu 14:12

    Ja.

    „Polyphone Weltordnung“… ein strahlend klarer Begriff, Musik ist drin, Vielfalt, Freiheit, Kreativität.

    Eine phantastische Wortschöpfung.

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