bumi bahagia / Glückliche Erde

Deutsche Absetzbewegung 2

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Wer das Buch kaufen möchte, findet unter dem Text die notwendigen Angaben.

Der Autor Gilbert Sternhoff hat keine Mühe gescheut, Quellen zu erforschen und sie in Querverbindung auf ihre Wahrheit zu prüfen. Gilbert Sternhoff kommt zu eigenen Schlüssen, welche ich persönlich für plausibel halte.

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DIE ABSETZBEWEGUNG

In diesem Abschnitt des Buches sollen die einzelnen Behauptungen

Wilhelm Landigs Punkt für Punkt einer genauen Überprüfung unterzogen

werden. Gab es diese Absetzbewegung reichsdeutscher Kräfte zum Ende

des Krieges also tatsächlich, und nahm dieses große Völkerringen damit

einen anderen Verlauf, als von der offiziellen Geschichtsschreibung heute

behauptet wird?

Angeblich begann alles schon am 17. Dezember 1938.

1. Die deutsche Antarktisexpedition nach Neu-Schwabenland und der

Aufbau des antarktischen Stützpunktes im Verlauf des Krieges

An diesem 17. Dezember 1938 begann mit dem Auslaufen des

Motorschiffes Schwabenland ein Kapitel in der Erforschung des

antarktischen Kontinents, das bis heute – gemessen an den erreichten

Erfolgen – eine viel zu geringe Beachtung findet.

Das mag nicht zuletzt daran liegen, daß nach dem Krieg die

erstaunlichen Leistungen der beteiligten Männer mit dem Makel belegt

waren, unter Hitler erbracht worden zu sein.

Die Initiative zu dieser Expedition ging von der Vierjahresplanbehörde

aus. Der von Hitler als Beauftragter für den Vierjahresplan eingesetzte

Hermann Göring hatte die Aufgaben für die Expedition klar definiert.

Danach war es das Ziel, durch einen Erkundungsvorstoß in die

antarktischen Gewässer und in das Innere des antarktischen Kontinents

Deutschland ein Mitbestimmungsrecht und seinen gebührenden Anteil bei

der kommenden Aufteilung der Antarktis unter den Großmächten zu

sichern und damit die Voraussetzungen für das ungeschmälerte Recht des

Deutschen Reiches auf ungestörte Ausübung eines für seine 80 Millionen

Menschen lebenswichtigen Walfangs zu schaffen (wegen der

Fettversorgung; der Autor). (19)

Am 19. Januar 1939 erreichte das Forschungsschiff Schwabenland die

antarktische Packeisgrenze. Das Schiff war mit Dampfkatapulten

ausgerüstet, mit deren Hilfe zwei Flugboote vom Typ Dornier-Wal zu

18

Aufkl.rungsflügen über der Antarktis starten konnten. Ein Novum zu jener

Zeit. Am 3. Februar 1939 gelang auf diese Weise eine der spektakulärsten

Entdeckungen. An diesem Tag startete das Flugboot Boreas zu einem

Erkundungsflug. Die Aufzeichnungen des Expeditionsleiters Alfred

Ritscher über diesen Flug enthalten ein interessantes Detail: Die

Entdeckung von für die Antarktis völlig ungewöhnlichen eisfreien

Geländeabschnitten sowie von eisfreien Seen, »Teiche bis auf Grund

durchsichtig, anscheinend mehrere Meter tief ohne Eisbildung, obwohl

Außenthermometer -5 Grad Celsius zeigt, eingebettet zwischen

knollenartigen, rundlichen Kuppen aus rotbraunem Schichtgestein;

Stützpunkt für spätere Landexpeditionen?« (19) Diese Bemerkung sowie

die Existenz der nach dem Flugkapitän Schirrmacher benannten eisfreien

Seen sollten später die Grundlage für die Spekulationen um einen

reichsdeutschen Stützpunkt in der Antarktis abgeben. Die

Forschungsarbeiten dauerten bis zum 6. Februar an. Bis dahin gelang mit

mehr als 11.000 Aufnahmen die fotografische Erfassung eines ca. 350.000

Quadratkilometer großen Gebietes, das den Namen Neu-Schwabenland

erhielt. Längs aller Flugwege wurden metallene Pfeile mit eingepreßtem

Hakenkreuz abgeworfen; an den Umkehrpunkten der Flugzeuge trugen

diese Pfeile die deutsche Reichsflagge. Damit hatte Deutschland den

völkerrechtlich ersten Schritt zur Besitzergreifung dieses Gebietes getan.

Neu-Schwabenland ist auch heute noch die offizielle geographische

Bezeichnung. Nach Erfüllung ihrer Aufgaben trat die Schwabenland die

Heimfahrt an. Am 11. April ging die Reise des Forschungsschiffes in

Cuxhaven zu Ende.

Entgegen anderen Behauptungen kehrte die Schwabenland während des

Krieges nicht mehr in die Antarktis zurück. Das Schiff diente den

Fernaufklärungsgruppen der Marineflieger der Luftwaffe als

Schleuderschiff an der Westfront und im Kampfraum Norwegen. Hier

wurde es 1944 von einem britischen U-Boot torpediert. Das nicht mehr

reparable Schiff wurde danach bis Kriegsende im Oslofjord als Wohnschiff

eingesetzt und im Dezember 1946, bis in den letzten Winkel beladen mit

Gasmunition, versenkt. (19)

Gab es andere reichsdeutsche Aktivitäten während des Krieges in der

Antarktis? Ohne diese würde den Behauptungen über den Ausbau eines

antarktischen Stützpunktes die Grundlage entzogen sein. Daß während der

deutschen Antarktisexpedition von 1938/39 ein solches Vorhaben nicht zur

19

Diskussion stand, dürfte schon deutlich geworden sein. Befragt über die

generellen Möglichkeiten der Einrichtung eines solchen militärischen

Stützpunktes, antwortete der letzte überlebende Teilnehmer der Expedition,

der Luftfotograf Siegfried Sauter, in einem Interview wie folgt:

Frage: »Dann halten Sie es wohl auch für unmöglich, daß kurz vor

Kriegsbeginn und während des Krieges Baumaterial nach Neu-

Schwabenland transportiert wurde, um dort Bunker im Eis zu bauen,

Bunker für Unterkünfte und U-Boot-Bunker?«

Antwort: »Alle Gerüchte und Spekulationen darüber, die nach dem

Krieg in Umlauf gebracht wurden, sind barer Unsinn. Schiffe konnten nicht

landen wegen des Packeisgürtels, der Neu-Schwabenland umgibt. Nur

Eisbrechern wäre dies möglich gewesen oder besonders gepanzerten

Schiffen. Die Schiffe stoßen zunächst auf Schelfeis, dann auf Randeis, das

bis zu 100 Meter hoch ist, oft noch höher. Das Eis schiebt sich im

antarktischen Winter nach außen und bricht dann nach einiger Zeit ab.

Einen Bunker in das Eis oder unter das Eis zu bauen ist technisch

unmöglich, denn das Eis bewegt sich und treibt nach außen. … Jede Station,

in der Forscher überwintern, muß für ein Jahr mit Lebensmitteln versorgt

werden. Das reicht nur für eine geringe Anzahl von Menschen. Daß für

Hitler in Neu-Schwabenland ein Bunker gebaut wurde, ist völliger Unsinn

… Wer solche Gerüchte in die Welt setzt, hat keine Ahnung, wie es in der

Antarktis aussieht, sie ist der wüsteste Kontinent, den es gibt. Über ihn

rasen Stürme mit 200 und mehr Kilometern Geschwindigkeit dahin, und

ein halbes Jahr lang ist Nacht, völlige Nacht.«

Angesprochen auf die Möglichkeiten der »Schirrmacher-Oase«

antwortete Siegfried Sauter:

»Unter dem Begriff Oase stellt man sich normalerweise einen Ort mit

Palmen vor. In der Antarktis gibt es keine Vegetation. Die Schirrmacher-

Oase ist eine eisfreie Zone mit einem blauen See mittendrin. … sie liegt

etwa eine Flugstunde von der Schelfeisgrenze entfernt und ist im

antarktischen Sommer, der im Januar beginnt, eisfrei. Nur diese Zeit kann

genutzt werden für den Bau und die Einrichtung von Forschungsstationen.«

(19)

Es sieht nicht gut aus für den reichsdeutschen Stützpunkt in der

Antarktis!

Aufgrund des Packeises besteht keine Möglichkeit, Güter anzulanden.

Bunker in das küstennahe Eis zu bauen ist wegen dessen permanenter

20

Bewegung technisch nicht realisierbar. Verpflegung muß für ein Jahr im

Voraus herangebracht werden. Ein halbes Jahr ist es stockdunkel, vom

sonstigen Klima einmal ganz abgesehen. Die vermeintlich eisfreien Seen

sind das auch nur für die Hälfte des Jahres.

Und aller scheinbar zwingenden Logik zum Trotz, gab es nicht doch

von deutscher Seite noch andere Unternehmungen während des Krieges im

Gebiet der Antarktis? Jawohl, es hat sie gegeben.

Bekannt geworden sind hier vor allem die Operationen der deutschen

Hilfskreuzer, deren spektakulärste die Kaperung von Teilen der

norwegischen Walfangflotte im Januar 1941 unweit der Küsten von Neu-

Schwabenland darstellt. In 24 Stunden wurden durch den Hilfskreuzer

Pinguin ohne einen Schuß 35.000 Bruttoregistertonnen und 22.000 Tonnen

Walöl als Prise aufgebracht (Abbildung 1).

Hilfskreuzer sind umgebaute Handelsschiffe, die mit ihrer Bewaffnung

den blitzschnellen Zugriff auf feindliche Schiffe ermöglichen sollen. Dazu

fahren sie unter der Tarnung eines Handelsschiffes zumeist anderer

Nationalität und offenbaren sich ihrem Gegenüber erst im letzten Moment

durch Hissen der Kriegsflagge ihres Landes. Aufgrund ihrer im Vergleich

zu echten Kriegsschiffen schwachen Armierung gehen sie der Begegnung

mit solchen des Gegners im Regelfall aus dem Wege. Im Grunde

genommen sind sie die Kaperschiffe und die Männer auf ihnen die

Korsaren der Neuzeit.

Ein Jahr nach der Kaperung der norwegischen Walfänger durch die

Pinguin soll auf Anweisung der deutschen Seekriegsleitung der

Hilfskreuzer Thor diese erfolgreiche Aktion wiederholen, was diesmal

jedoch nicht gelingt. Auch die Thor operiert wieder einige Tage in der

Nähe von Neu-Schwabenland (Abbildung 2). (20)

Folgendes Szenario wäre im Zusammenhang mit den Operationen dieser

beiden Hilfskreuzer durchaus denkbar:

Im Abstand von einem Jahr, immer in der Zeit des antarktischen

Sommers (siehe Aussage Sauter), versorgen die Hilfskreuzer einen

Stützpunkt an den Küsten von Neu-Schwabenland. Nach dem Löschen

ihrer Ladung gehen sie in der Folgezeit ihrer eigentlichen Aufgabe nach,

die im Aufbringen feindlicher Handelsschiffe besteht.

Nur gibt es für dieses Szenario eben keinen Beweis. Es existieren keine

entsprechenden Aussagen der beteiligten Männer, und die offizielle

Fahrtroute der Schiffe führte in immer noch beträchtlichem Abstand an den

Küsten Neu-Schwabenlands vorbei. Da es sich bei den Hilfskreuzern

21

Abb. 1: Der Kurs der Pinguin führte das Schiff bis nahe an die

antarktische Küste.

Abb. 2: Auch die Thor gelangte in die Nähe der Antarktis.

22

auch weder um Eisbrecher noch um gepanzerte Schiffe handelte, sind damit

auch nicht die Einwände des Zeitzeugen Sauter aus der Welt, der aufgrund

seiner Erfahrungen eine Anlandung normaler Schiffe wegen des

Packeisgürtels kategorisch ausschloß.

Die Vorbehalte Siegfried Sauters treffen natürlich genauso auf die

Situation nach Kriegsende zu, da sich an den natürlichen Bedingungen in

der Antarktis bis dahin nichts geändert hatte.

Der Einrichtung eines reichsdeutschen Stützpunktes nach dem Ende der

Kampfhandlungen im Jahr 1945 standen auch noch andere Fakten im

Wege.

Schon in den ersten Nachkriegsjahren hatten die Russen in Neu-

Schwabenland ihre große Forschungsstation Nowolasarewskaja

eingerichtet, die in den Folgejahren ständig erweitert wurde. Während der

norwegischen Antarktisexpedition von 1956 bis 1960 wurde das ganze

Gebiet dann topographisch neu aufgenommen, so daß es spätestens bei

dieser Operation zu Verwicklungen mit den Deutschen hätte kommen

müssen. (19)

Fazit: Während die deutsche Antarktisexpedition von 1938/39 gut

dokumentiert ist, existieren für die Errichtung und den Ausbau eines

reichsdeutschen Stützpunktes während des Krieges bzw. unmittelbar nach

dem Ende des Völkerringens keine Anhaltspunkte. Hat Landig hier

gelogen, oder steht »Antarktis« als Synonym für etwas anderes?

2. Das Auslaufen deutscher U-Boote in den letzten Kriegstagen mit der

Aufgabe, Spezialisten und technisches Know-how dem alliierten

Zugriff zu entziehen

Um dieser Behauptung eine gewisse Wahrscheinlichkeit zubilligen zu

können, müssen mindestens vier Grundvoraussetzungen erfüllt gewesen

sein:

– die Existenz von U-Boot-Typen, die in der Lage waren,

langanhaltende Unterwasserfahrten durchzuführen, um der

militärischen Überlegenheit des Gegners zu Wasser und in der Luft

zu entgehen;

– U-Boote, die neben der für den Betrieb unentbehrlichen Besatzung

zusätzlich eine beträchtliche Anzahl von Personen an Bord nehmen

konnten;

23

– »verschwundene« U-Boote, deren Schicksal in den

Nachkriegsstatistiken zu verifizieren nicht möglich war;

– hochmotiviertes Personal unter den U-Boot-Besatzungen sowie

unter den evakuierten technischen Spezialisten, das bereit war,

vielleicht auf Jahre hinaus jede Verbindung zur Heimat abreißen zu

lassen, um trotz einer unsicheren Zukunft für ihr politisches Ideal

wirken zu können.

In den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges waren die deutschen UBoote

für lange Tauchfahrten noch nicht gerüstet. Die Dieselmotoren der

Unterseeboote benötigten für den Verbrennungsvorgang Sauerstoff, ohne

den eine Verbrennung nicht stattfinden konnte. Dieser Sauerstoff wird bei

den üblichen Dieselmotoren aus der Luft, in der er sich zu etwa 21 Prozent

befindet, angesaugt. Wurde nun ein U-Boot durch feindliche Schiffe oder

Flugzeuge zum Tauchen gezwungen, so konnte es die Dieselmotoren nicht

mehr einsetzen. In diesem Fall wurde die Unterwasserfahrt mit

Elektromotoren fortgesetzt. Diese wiederum waren für ihren Betrieb aber

auf funktionierende Akkumulatorenbatterien angewiesen. Waren diese leer

gelaufen, mußte das U-Boot auftauchen.

Anfang 1944 ging man auf deutscher Seite dazu über, die Boote mit

»Schnorcheln« auszurüsten, mittels derer es möglich wurde, dicht unter der

Wasseroberfläche fahrend, den Dieselmotoren wieder atmosphärische Luft

zuzuführen. Eine Verbesserung gegen die bis dahin immer noch mögliche

Ortung durch feindliche Radarflugzeuge brachte die Ausstattung mit

gummiartigen gewaffelten .berzügen mit sich, die die Radarstrahlen zum

Teil absorbierten, zum Teil in andere Richtungen abstrahlten.

Nach dem Krieg haben alle Seemächte den deutschen »Schnorchel« in

ihre U-Boot-Flotten eingeführt und als hervorragend geeignet und

brauchbar gefunden. (10)

Den Kriegsverlauf im Atlantik zu ändern hätte eine andere Entwicklung

vermocht, wäre eine Serienproduktion und Erprobung dieser Typ »XXI«

genannten U-Boote früher möglich gewesen. Als Überwasserantriebsmaschinen

dieser Boote wurden zwei normale Dieselmotoren von je 2000

PS verwandt. Für den Unterwasserbetrieb erhielten sie dagegen zwei

Elektromotoren von je 2510 PS. Mit diesen konnten die U-Boote 80 bis

100 Stunden fahren, ohne wieder auftauchen zu müssen. Sie wurden auch

als Elektroboote bezeichnet, weil ihre elektrische Maschinenleistung höher

24

war als die Leistung der Dieselmotoren. Erreichten die alten U-Boote bei

einer Unterwasserfahrt im Schnitt eine Geschwindigkeit von nur acht

Seemeilen in der Stunde, so konnten die neuen Typen »XXI« mit

Geschwindigkeiten von 17,5 Seemeilen in der Stunde unter Wasser fahren,

was einer technischen Revolution gleichkam.

Bis Kriegsende wurden von den deutschen Werften 120 dieser Boote

abgeliefert. Da sich aber die Probefahrten sowie die Ausbildung der

Besatzungen in die Länge zogen, kam angeblich nur noch ein Boot

(U2511) kurz vor Kriegsende zum Einsatz, jedoch nicht mehr zum Schuß.

Bis Kriegsende fertiggestellt werden konnten auch einige der

sogenannten Walther-Unterseeboote. Diese funktionierten während der

Unterwasserfahrt auf der Grundlage der von Prof. Walther entwickelten

Flüssigkeitstriebwerke. Um vom Sauerstoff der Luft gänzlich unabhängig

zu sein, führten die Boote den Sauerstoff in einem flüssigen

Sauerstoffträger, zum Beispiel Wasserstoffsuperoxyd, mit sich. Bedingt

durch einen technischen Kreislaufprozeß konnten die Walther-U-Boote

damit noch länger unter Wasser bleiben. Mit den projektierten zwei

Walther-Turbinen von je 7500 PS erhöhte sich die Geschwindigkeit auf bis

zu 25 Seemeilen in der Stunde! Alle im Betrieb und im Bau befindlichen

Boote wurden – wiederum angeblich – rechtzeitig zerstört. Erst neun Jahre

nach Beendigung des Krieges gelang es den Briten, ein Walther-U-Boot

nachzubauen, was den unerhörten Fortschritt aufzeigt, den die deutschen

Entwickler gegenüber ihren Konkurrenten erreicht hatten. (10)

War es deutschen U-Booten möglich, über ihre Besatzung hinaus noch

in einer beträchtlichen Anzahl weitere Personen an Bord über eine größere

Entfernung zu befördern?

Am 22. November 1941 wurde der deutsche Hilfskreuzer Atlantis im

südlichen Atlantik von dem britischen schweren Kreuzer Devonshire

gestellt. Nach kurzem ungleichen Gefecht versenkte die Mannschaft der

Atlantis ihr Schiff, damit es nicht dem Feind in die Hände fiel. Im gleichen

Zeitraum ereilte dieses Schicksal auch den Versorger Python. Von den

Überlebenden wurden jeweils 100 (!) von den U-Booten U 68, U 124, U

129 und U A übernommen. Nach eineinhalb Wochen Fahrt in tropischer

Hitze unter beinahe unzumutbaren Bedingungen konnten von jedem Boot

60 bis 70 Mann an zu Hilfe geeilte, größere italienische U-Boote übergeben

werden. U 68 und U A hatten mit dieser Überbelegung von zuerst 100,

dann 30 bis 40 Mann insgesamt 5000 Seemeilen zurückgelegt, was nahezu

25

10.000 Kilometern, also einem Viertel des Erdumfangs, entspricht! (20)

Gibt es »verschwundene« deutsche U-Boote, deren Schicksal auch nach

dem Krieg nicht geklärt werden konnte?

Offiziell waren die beiden Boote U 530 und U 977, die sich am 10. Juli

bzw. am 17. August 1945 den argentinischen Behörden ergaben, die letzten

noch vermißten deutschen U-Boote.

Über diese Boote wird noch zu sprechen sein.

Von den insgesamt 1174 deutschen U-Booten, die in Dienst gestellt

wurden, kamen 863 Boote zum Fronteinsatz. Dabei sind 630 Boote

verlorengegangen, 42 gingen in der Heimat durch Unfall verloren, 81

Boote wurden im Heimatgebiet durch Feindeinwirkung, wie Minen und

Bomben, zerstört, 215 haben sich bei Kriegsende selbst versenkt, 153

Boote wurden nach der Kapitulation in ausländische Häfen überführt, 38

Boote wurden wegen Überalterung oder infolge unreparierbarer Schäden

außer Dienst gestellt, und elf Boote wurden interniert oder an andere

Marinen abgegeben. (10) Doch es existieren auch andere, von dieser

Statistik abweichende Angaben. Diese Abweichungen können nicht

überraschen, befinden sich doch fast alle Unterlagen sämtlicher

Kommandobehörden, Stäbe, Flottillen und U-Boote noch immer in der

Hand der Alliierten. (19) Davon abgesehen, daß aufgrund der

Widersprüche zwischen den Statistiken das eine oder andere deutsche UBoot

vielleicht in einer falschen Rubrik oder gar nicht erfaßt wurde, könnte

sich eine nicht unbeträchtliche Dunkelziffer »überlebter« U-Boote unter

den 215 sich angeblich bei Kriegsende selbst versenkten Booten befinden.

Die Vorstellung, daß vor der Absetzbewegung die Übernahme einer

bedeutenden Anzahl technischer Spezialisten auf manches U-Boot nur

möglich war, wenn dieses einen Teil seiner Besatzung zurücklie., scheint

nicht zu weit hergeholt. Dieser an Land gesetzte Teil hätte dann die Mär

von der Selbstversenkung verbreitet.

Waren deutsche Männer in der Zeit des absehbaren Kriegsendes und vor

allem nach dem 8. Mai 1945, als für die deutsche Seite alles verloren

schien, noch bereit, ihr persönliches Schicksal zu verknüpfen mit dem

vagen Schicksal eines zukünftigen Vierten Reiches? War der Wille zur

Selbstaufopferung unter diesen Umständen wirklich so groß?

Aus der Zeit des Krieges existieren genügend Beispiele für einen

Opfermut, der im vollen Bewußtsein unbedenklich das eigene Leben für

das Überleben Deutschlands eingesetzt hat. Insofern hätten es die Männer,

26

die an einer Absetzbewegung beteiligt gewesen wären, einfacher gehabt.

Nicht Hingabe ihres Lebens, dafür aber trotzdem jahrelange Trennung von

allem, was ihnen lieb geworden war, und zudem ein Leben in andauernder

Anonymität.

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im Februar 2006

1. Auflage Januar 2006

Copyright © 2006 bei

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Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Dr. Renate Oettinger

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München

Satz und Layout: Agentur Pegasus, Zellsi-Mehlis

Druck und Bindung: Clausen & Bosse, Leck

ISBN 3-938516-17-8

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1945 bis heute?

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