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Wie enden Kriege?
Es gibt dazu unterschiedliche Ansichten – hier eine aus Moskau, die einer gewissen Logik nicht entbehrt, gefunden im Weltnetz und sorgsam von Hand übersetzt… LH, 22. Oktober 2026 – – – – –
„Kriege enden mit einer Kapitulation, nicht mit Verhandlungen
Es gibt da so ein Phantom in den Köpfen von Politikern – darüber, daß alle Kriege durch Verhandlungen enden.
Nein.
Kriege enden mit einer Kapitulation, wenn der Sieger dem Besiegten seinen Willen aufnötigt.
In Verhandlungen zur Politik wird es niemals Lösungen geben, weil alle unterschiedliche Weltbilder haben.
Und niemand kann den anderen davon überzeugen, daß sein Weltbild das richtigere sei.
Verhandlungen kann es z.B. geben über den Handel im gegenseitigen Interesse. Wenn wir, sagen wir, beschlossen haben, mit den Deutschen ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen und vereinbaren: ihr liefert uns Rohre, und wir werden durch diese dann Erdgas schicken und so mit Gas diese Rohre bezahlen. So war das zum Beispiel zu Zeiten des „teuren Leonid Iljitsch“.
Aber in der Politik gibt es keine Verhandlungen.
Nun haben wir beschlossen, miteinander Handel zu treiben, weil im Westen alle Kapitalisten sind und dort für Geld alles zu haben ist, wie uns Maria Iwanowna in der Schule erzählt hat. Laßt uns deshalb die Helsinkier Vereinbarungen unterzeichnen und wir hören auf, internationale Politik zu betreiben, sondern werden nur noch handeln.
Und laßt uns mit allen gut stellen. Die Ukraine sieht in der RF einen Feind? Dann laßt uns sie füttern. Das Baltikum sieht in der RF einen Feind? Laßt uns auch die füttern. Aserbaidzhan sieht uns als Feind an? Laßt uns auch sie füttern! Wunderbar…
Hier bei uns sind nach 1991 Leute an die Macht gekommen, die sich niemals mit Politik befaßt hatten. Sie sagen: „Wir werden jetzt nach WashDC fahren und uns zu allem vereinbaren. Wir haben persönliche Beziehungen zu Bill Clinton… oder zu Helmut Kohl oder zu noch wem. Und mit unseren persönlichen Beziehungen werden wir die Staatsprobleme lösen.“
Das ist Schwachsinn. Aber ein zählebiger.
Und jetzt hält man sich die ganze Zeit daran fest, daß Kuschnir und Witkow kommen werden und wir mit ihnen alles besprechen werden, und sie müssen uns verstehen.
Aber sie kommen daher, um uns zu fragen: „Seid ihr bereit zur Kapitulation? Wenn ihr bereit seid, dann sollten wir die Bedingungen dafür erörtern. Seid ihr nicht bereit zur Kapitulation? Dann auf Wiedersehen, wir fahren dann.“
Aber die Unsrigen verstehen das nicht und beginnen, denen ihr Weltbild zu erzählen. Da kommt Tacker Karlson gefahren und unser Staatsschef erzählt ihm sein Weltbild. Tacker Karlson geht zu Dugin, und diese erzählt ihm SEIN Weltbild.
Aber man kann niemandem sein Weltbild erklären!
Oft verstehen nicht mal Eheleute einander. Obwohl sie dieselbe Sprache sprechen, in einer Stadt leben und sogar in einer Wohnung.
Aber wie können Menschen aus völlig verschiedenen Ländern mit ganz unterschiedlichen Sprachen einander verstehen und zu irgendetwas einigem kommen?
Um jemanden zu verstehen, muß man sich tief in seine Mentalität versenken.
Die internationale Politik kann nicht auf den Prinzipien des gegenseitig vorteilhaften Handels und auf den Versuchen, sein Weltbild zu erklären, aufgebaut werden.
Und alle Kriege enden nicht mit Verhandlungen, sondern mit der Kapitulation einer der Seiten.
Dmitrij Rode
Rektor des Instituts der Russischen Politischen Kultur“
– – – – – – – – – – – – Ende der Übersetzung – – – – – – – – – – – –
Ja, vielleicht fangen wir in der Politik – im Großen wie im Kleinen – erstmal damit an, daß wir uns gegenseitig respektieren?
Daß ich bereit bin, dem anderen dasselbe zuzugestehen, was ich für mich beanspruche?
Freilich wird der andere nicht dasselbe beanspruchen, sondern anderes, denn jeder hat ja SEINE Prioritäten und Wünsche, die sich mit der Zeit auch noch ändern können…
Also muß ich bereit sein, zu gewichten: was ist unveräußerlich, und wo könnte im Sinne eines Kompromisses etwas zugesagt werden.
Freilich nur dann, wenn beide Seiten etwas zusagen und bereit sind, bei Bruch der Vereinbarungen entsprechende Buße / Sühne zu leisten (wie auch immer diese – möglichst vorab vereinbart – aussehen wird).
Es ist für jeden legitim, eigene Interessen zu verfolgen; es ist aber auch erforderlich, die Interessen des anderen zu berücksichtigen, sogar wenn dieser nicht nachdrücklich darauf besteht.
Sobald jedoch klar ist, daß er früher oder später diese Interessen beanspruchen wird, weil es gar nicht anders geht, darf ihm ruhig zu dieser Einsicht verholfen werden… Auf lange Sicht kann dadurch sowas wie ein Vertrauen – als ‚rechnen auf Fairness‘ – erwachsen…
Ja, im Zustand heute klingt das alles sehr utopisch, aber alle Alternativen landen stets früher oder später bei der gegenseitigen Auslöschung per Atomkrieg… (LH)