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Markéta Prokopovičová / Johann Sebastian Bach / Praeludium und Fuge in Es – Dur

Das grosse Es-Dur! Das Gigantische. Es war eines meiner Leibstücke. Für Feld- Wald- und Wiesenmusiker wie mich technisch machbar, aber schon sauanspruchsvoll. Ich tüftelte ein liebes Konzertleben lang, wie ich das, was in der Komposition steckt, zum Ausdruck bringe.

Pianisten haben ganz andere Probleme, die nehmen ihren Leibflügel mit und spielen. Der Organist hat in jeder Kirche nicht nur ein bis zu gänzlich anders zu spielendes Instrument, er hat auch eine bis zu gänzlich andere Raumakustik. Das Klavier spielt nicht mit der Raumakustik, na ja, ein furztrockener Raum ist auch für den Pianisten eine angezogene Handbremse, doch die Orgel, sie braucht die Nachklingzeiten des Gebäudes, damit die Komposition so zum Ohr gelangt, wie sie vom Komponisten gedacht war.  Und diese Raumakustiken, die haben es in sich.

Es kommt vor, dass du am Spieltisch sitzest, und kristallklar alle Konturen der Komposition, die du spielst, hörst. Der Hörer unten im Schiff hingegen, der wird überschwemmt mit einem unstrukturierten Klangschwall. Dann so zu spielen, dass der Hörer die Strukturen nachvollziehen kann, zwingt dich als Organisten, so zu spielen, wie es an deinem Stand- äh Sitzort dir gar nicht gefällt. Da ist ein Lauf, eine schnelle Folge von Tönen. Damit der Hörer unten die einzelnen Töne noch unterscheiden kann, musst du staccato oder sogar staccatissimo spielen, was der Komposition null entspricht.

Einfach mal ein bisschen aus der Wurmbüchse geplaudert.

Ha, ich öffne die Wurmbüchse nochmal. Klavier in Konserven zu bringen, ist null Problem. Stereomikro drüber, und du hast das originale Spiel gut in der Kiste.

Kirchenorgel, holla, das braucht einen, der was von Akustik versteht. Es soll ja so klingen, wie es der Komponist meint, nicht so, wie am Spieltisch, nicht so, wie im Instrument drin, vielleicht nicht so, wie im Chor der Kirche. Blöd dabei ist, dass Mikrofone anders hören als das Ohr. Die Miks richtig platzieren für Orgel, das ist eine Kunst, welche nur noch von der Kunst, grosses Orchester aufzunehmen, übertroffen wird.

Der Tonmeister hier hat es gut getroffen. Kompliment!

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Es ist ein Neufund von mir. Ich habe immer wieder eine Wiedergabe des grossen Es – Durs von unserem Gigagenius Johann Sebastian Bach gesucht, welche mindestens so gut ist wie meine eigenen damals. Haha, das ist subjektiv, klar.

Und diese famose Markéta Prokopovičová hat es geschafft, und sie erfreut mit ihrem Spiel mein Herz und lässt in mir Chemie hochfahren. Vieles macht sie, wie ich es gemacht habe, Vieles macht sie, mich froh überraschend, besser (hat Bach besser verstanden!), und so Einiges macht sie anders so, dass ich mich erst dran gewöhnen musste, um heute festzustellen: Die Frau hat recht. So kann es auch gemeint sein.

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Markéta Prokopovičová nutzt das sehr grosse Instrument ohne sich hinter „historisch gerechter“ Wiedergabe zu verstecken. Sie lässt den Seitenwender die Setzerkombinationen drücken, und das Resultat ist so, dass ich meine Putzfrau samt Bodenwichse fresse, wenn J.S.B. nicht auch hellstens begeistert wäre!

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Von der Grösse her hat das Instrument sicher einen gedeckten 32 Fuss im Pedal, möglicherweise einen offenen. Auch die besten Kopfhörer geben das nicht richtig wieder, aber andeutungsweise schon. Ich wette, sie hat den an den Tuttistellen all überall mit drin, die 16 Fuss – Posaune sowieso. Oder ist da sogar eine 32 Fuss Schnarre mit dabei? Unmöglich, per Konserve zu beurteilen. Aber…. das nenne ich Tiefbass. Einfach obergeilo.

Die ganz ganz grosse Kirchenorgel (diese hier ist eine!) hat Pfeifen von 32 Fuss- bis 1- Fuss Länge.

Längste 32 Fussffeiffe: Gut 9 Meter Höhe. Neun Meter! Für einen Ton jeweils eine Pfeife.

Höchstes 1 Fussfffeifffchen, das misst vom Labium bis zum Pfeifchenende wenige Centimeter.

Das sind Grundfrequenzen von 16 (sechzehn!) Hertz, da du nicht sicher bist, ob dein Ohr oder dein Bauch wackelt, bis zu 14’000 Hertz, da ein disco- oder gewehrgeschädigtes Ohr per Hirni den Mund fragen lässt: „Spielt da einer, ich hör nix.“

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Ich kannte so viele so langweilig spielende Organisten, Menschen mit bis zu stupend brilliantem Gedächtnis und sehr sehr geschickten Fingern. Und so wenige darunter machten das, was ich mir unter Musik vorstellte.

Gott sei’s getrommelt und gepfiffen, die Markéta Prokopovičová macht Musik. Sie versteht Bachs Komposition nicht nur nach Notentext, sie versteht, was wie wo warum weshalb gemeint ist – und spielt so, dass da nicht nur viele viele Töne sind, sondern die von Bach gemeinte, gigantische Geschichte, in musikalische Architektur gegossen, Statik also, und gleichzeitig fliessend, und mit Feuer, und mit Leidenschaft.

Sagenhaft.

thom ram, 25.11.0004 NZ Neues Zeitalter, da Menschen wieder mehr singen werden, als „Lieder“ sich „reinzuziehen“.

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14 Kommentare

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

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  2. Rechtobler sagt:

    @Thom Danke für das Musikstück. Meine Ohren sind gewehrgeschädigt (Tinnitus beidseitig seit 1984) und ich bin seit ca. 14 Jahren Hörverstärkerträger. D. h. der Genuss ist etwas eingeschränkt, aber immer noch ein Genuss, sofern ich die Dinger eingesetzt habe. 🙂

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  3. thom ram sagt:

    Rechtobli

    Hoff nur, dass dein Gehörgerät so schlau ist, deinen Tinnitus nicht zu hören und denne zu verschtärke.

    Seit 5 Jahren in Bali hab ich hier eine Analogie, vielleicht eine Analogie, keine Ahnung. Es stört mich nicht im Geringsten, meist blende ich es aus, doch wenn ich in Ruhe bin, dann höre ich ein Grundrauschen, schwer zu beschreiben, Wasser, Luft, ein sirren, nicht laut, aber deutlich. Das Komische. Wenn ich die Ohren zumache, ist es leiser. Oeffne ich sie, ist es deutlicher. Keiner meiner Gäste hat aber bezeugen können, so was Sirriges hier zu hören.

    Klarer Fall: Ich bin mit den Ohren in anderer Dimension, hehe.

    Die einzige Einschränkung bei der Wiedergabe der Fuge: Die Frau lässt ihr Temperament sprechen, das schätze ich verd hoch, doch lässt sie dabei die Schwere des Gott – Themas ins leicht Unbedeutende entschwirren, es kommt zu leichtfüssig daher, trägt die Schuhe des kreativen Bergbauern, und die schreiten Schritt für Schritt, nixe joggen.

    Ach, alled nicht wichtig, sind eben Dinge, die mich lange sehr und freudig interessiert haben.

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  4. Usul sagt:

    M;usik ist Alles… wunderbar!

    Hier etwas: der stinkt doch glatt allein gegen das was wir so hassen, aber was wir $CHEINBAR nicht ändern können, noch nicht! 🙂

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  5. Lieber Thom, als ich damals meine Kontemplationen getätigt habe und in mir etwas gearbeitet hat, je bewusster ich meines Selbst wurde, hatte ich permanent solch merkwürdige Töne in mir….manchmal wie ein Summen, manchmal aber auch ein hoher einzelner Ton der immer lichter wurde….
    Irgendwann stimmte ich mich auf ihn ein, schwang mit ihm….und dann geschah etwas, ich fühlte mich verbunden mit dem Ton.

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  6. Rechtobler sagt:

    @Thom 23:08 Tinnitus ist ein Innenohrgeräusch, d.h. die Hörgeräte habe null Einfluss darauf. Dieses permanente Pfeifen im Ohr ist mein permanenter Begleiter, obschon es schön wäre, auch mal wirkliche Stille zu hören 🙂 Die einzige Zeit in der ich nichts höre ist wenn ich schlafe (hahahahahaa).
    Das mit ‚Schwere‘, resp. ‚Leichtfüssigkeit‘, das kann nur ein Musiker feststellen, für den Laien wie mich ist es einfach schöne Musik. Und das soll es doch auch sein – oder nicht? 🙂

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  7. thom ram sagt:

    Rechtobli

    ….weiss ich doch, dass deine künstlichen Ohren keinen Einfluss auf dein Geffeiffe haben. Darum erstaunt mich doch so, dass MEIN Rauschen verschieden ist, je nachdem ich meine Löchli offen halte oder verschliesse.

    Das mit dem „Gott“ – Thema müsste ich dir bei laufendem Stück zeigen. Ich würde es dir vorsingen so, wie es sein müsste.

    Bach hat da was Irrsinniges gemacht. Es sind drei Themen: Gott, Christus, der heilige Geist. Die verwebt er. Christus ist der Teil, welcher sehr schnell fliesst, hell und leise registriert ist. Dann setzt der heilige Geist ein, um dann von Gott mächtig „unterlegt“ zu werden. Es ist kongenial.

    Solch Musik ist schön und mächtig. Wenn ich mehr weiss, ist der Genuss noch höher.

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  8. Archivar sagt:

    An die Musikliebhaber mit fundiertem Verständnis und Wissen. Experten will ich nicht schreiben, da negativ behaftet. Wie haltet Ihr es damit?
    Ich bin überzeugt, wenn die Organistin es halten würde wie Toscanini:“Lieber die Partitur im Kopf als den Kopf in der Partitur“, dann würde dieses Quentchen „Unaufmerksamkeit“ keinen Einfluß auf die Musik haben.

    Ein absolutes Gehör ist meiner Überzeugung nach ein MUSS für oberstes Niveau. Ein fotografisches Gedächtnis wäre dazu wünschenswert. Also beides zusammen ein Traum eines jeden Interpreten?

    Selbst wenn beides vorhanden wäre, dann ist mir klar, daß auch 5% Talent und 95% Arbeit unabdingbar sind.

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  9. thom ram sagt:

    Archivar

    Du sagst es! Wer ein Stück inwendig hat und damit auswendig spielt, hat erweiterte Kapazität für Gestaltung.
    Ich war Organist. Ich gehöre zu den Gedächtnistuble, da war nix zu machen. Virtuose Stellen hatte ich intus, aber die vielschichtige Architektur von Bachwerken überforderte mein Gedächtnis, da half auch täglich 8 Stunden üben nicht. Was ich die Auswendighirsche benied, kannst dir vorstellen.

    5% Talent und 95% Fleiss? Auch Grossmeister Bach war so unverschämt, das zu behaupten, sagte, würden die Leute so fleissig arbeiten wie er es tue, wären sie ebenso gut. Das ist eine Watsche für einen Fleissmenschen wie ich es auf dem Instrument war. Ich werde ihm diesen Spruch nie verzeihen, haha.

    Die Organistin hier spielt für eine ab Noten Spielende sehr sehr sehr musikantisch. Aus diesem Grunde ja habe ich diese Interpretation rausgehängt. Ich habe keinen Auswendigspieler gefunden im Netz, der dieser Interpretation das Wasser reicht.

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  10. Archivar sagt:

    @ thom ram

    Das mit 5% Talent und 95% Fleiß sagte auch die Lehrerin von Evgeni Kissin. Du schreibst 8 Stunden am Tag üben. Von Valentina Lisitsa erfuhr ich, daß sie bis zu 14 Stunden am Tag übe, obwohl sie beides hat(absolutes Gehör und fotografisches Gedächtnis). Ich bin nicht auf der Suche nach Superlativen, das überlasse ich gerne anderen. Mir geht es darum rauszufinden, wo sich die Grenzen der Interpretationen befinden. Wie läßt sich das feststellen? Wenn ich zum Beispiel Chopin Wettbewerbe anhöre, dann sehe ich einen Haufen Be“urteiler“, und darunter auch welche, die selbst auf „Weltniveau“ spielten. Abeeer, das Gefühl, daß die ersten drei, bis auf die Reihenfolge, schon vorher feststehen, werde ich nicht los. Denn, Klavier spielen, können sie alle. Wer dahin kommt, hat Talent und übt und übt und übt. Was fehlt noch für den Sprung in den Olymp? Vor vielen Jahren ging um, könnte auch Propaganda der westlichen Musiker und Kritiker gewesen sein. Die asiatischen Spieler spielen zu technisch, ohne Leben. Das heißt, sie gestehen ihnen zu, spielen zu können. Nur das Leben fehlt. Insbesonders war dies im Bereich Violine besonders hervorgehoben. Sicher, wenn eine 12-Jährige Paganini ohne Fehler runterraselt, hmmm, das gibt zu denken? Oder vielleicht doch nicht? Mittlerweile hat sich das eingefahren. Im Zuge der „Globabilisierung“, welch schreckliches Wort, spielt das heute keine Musik mehr.
    Aber noch einmal, was ist technisch einwandfrei spiel und wo ist der Unterschied zu lebendig einwandfreiem Spiel. Du liest, ich mache es mir nicht einfach. Fragen über Fragen.

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  11. thom ram sagt:

    Archivar

    Technisch einwandfrei spielt auch ein Komputer: Jeder Ton ist mathematisch genau zur richtigen Zeit da.

    Ich widerspreche dir heftigst, wenn du sagst, dass Asiaten nicht gestalten. Ich habe die letzten zwei Jahre viel in der Duröhre rumgehört, vor allem Klavier und Klavierkonzerte, und du, mein lieber Archivschwan (nicht böse gemeint!) ich sage dir: Da gibt es TOP inspirierte Asiaten.

    Dass bei den Contests Sieger zum Vornherein feststehen, kann ich aus meiner Sicht auch keineswegs bestätigen. Da sind schon sehr deutliche Unterschiede in der Gestaltungskraft. Eingestehen tue ich: Manchmal sind zwei oder drei für mich auf gleichem Level, spielen verschieden, aber jeder auf seine Art für mich komplett gültig. Da möcht ich nicht in der Jury hocken, ich wüsste nicht, wie entscheiden.

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  12. Renate Schönig sagt:

    Archivar:“Aber noch einmal, was ist technisch einwandfrei spiel und wo ist der Unterschied zu lebendig einwandfreiem Spiel.“

    Ich wage zu behaupten, den „Unterschied“ macht das „Herzblut“ (= Leidenschaft/TIEFES Gefühl)

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  13. Archivar sagt:

    @ thom ram

    „Ich widerspreche dir heftigst, wenn du sagst, dass Asiaten nicht gestalten“

    Das habe ich in keiner meiner Zeilen behauptet. Somit kannst Du mir nicht heftigst widersprechen.

    Ich stelle nur Fragen und bezog mich auf Aussagen, die ich vor zwanzig Jahren noch gelesen habe. Bezugnehmend möchte ich auf das Klassik Forum verweisen und deren Kritiken bei Neuerscheinungen.

    @ Renate Schönig

    Jetzt muß auch noch Blut fließen? War ein Scherz. Aber ich denke, Ihr wißt, was mich bewegt, wenn es um Beurteilungen von Interpretationen geht. Ich stelle mich nur Gedanken, die mich bewegen. Alles ist Schwingung.

    Wenn ich Kritiken lese und stelle fest, daß wieder von einem silbrigen Glanz von Tönen und Höhen geschrieben wird, dann sollte ich sowas wirklich nicht mehr lesen. Was soll mir sowas sagen. Das ist wie bei einem Weinkenner, der schreibt: Leichter Duft voller Nuancen, die nur davon kommen, wenn eine Bahnstrecke für das nötige abendliche Flirren der Aromastoffe im späteren Wein sorgt.

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  14. thom ram sagt:

    Archivar

    *Das habe ich in keiner meiner Zeilen behauptet. Somit kannst Du mir nicht heftigst widersprechen.*

    Richtig. Ich habe schlampig gelesen und bitte um Nachsicht.

    Was das „Reden über Musikinterpretationen“ anbelangt…es ist ähnlich wie Erleuchtungserfahrung.
    Wer hört, was der Spieler zum Ausdruck bringt, wer dazu noch selber spielt und es auch bezüglich Klang, Agogik, Artikulation und so zu analysieren vermag, der spricht darüber. Für den, der über diese Erfahrungen nicht verfügt, ist jedoch jede Beschreibung per Wort chinesisch. Womit ich nicht dich meine, ich sage das allgemein.

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