bumi bahagia / Glückliche Erde

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Erzählungen und Bekenntnisse eines Freigeistigen / Kapitel 4 / Wohin geht die Menschheit

…zum Beispiel der Irrsinn der Atomkraftwerke…

thom ram, 16.09.0004NZ (Neue Zeitrechnung)

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Rette sich, wer kann

Horst Rüdiger

Warum alles kam, wie es nicht hätte kommen sollen

Warum alles so kommen wird, wie es niemand gewollt hat

Warum der allgegenwärtige Irrsinn normal ist

Sonderedition 2014
Horst Rüdiger, Wiefelstede
Alle Rechte vorbehalten
Druck und Einband: Kohlrenken, Oldenburg Printed in Germany
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Erzählungen und Bekenntnisse eines Freigeistigen / Kapitel 4  
Wohin geht die Menschheit infolge der artspezifischen Eigenschaften des Menschen

Mit Blick auf die artspezifischen Eigenschaften des Menschen stellt sich die Frage, welches Schicksal die Art Homo sapiens hinsichtlich dieser Eigenschaften kurzfristig erleiden wird. In der überwiegenden Mehrzahl denken die Menschen, wenn sie überhaupt vorausdenken, über den potenziellen eigenen Lebenszeitraum nicht hinaus. Deshalb seien die Auswirkungen des Handelns von zivilisierten Menschen auf die nächsten Jahrzehnte bis zum Ende des einundzwanzigsten Jahrhunderts betrachtet. Zum ersten Mal, soweit die Geschichte darüber Auskunft gibt, befassten sich Menschen mit dieser Frage in einem Kolloquium, deren Teilnehmer sich „Club of Rome“ nannten. In der breiten Weltöffentlichkeit wurden die Protagonisten und die Anhänger dieser Denkfabrik als Schwarzseher und Miesmacher betrachtet. Sie hatten gewagt, die Frage nach den Grenzen des Wachstums aufzuwerfen.

Es war eine ganz simple Frage, und obwohl oder gerade weil zu jener Zeit in der Schulmathematik eine Lehrideologie namens Mengenlehre ihren Höhepunkt erlebte, war diese Frage für mehr als fünfundneunzig Prozent der Menschen der Weltbevölkerung, die überhaupt Notiz davon nahmen, eine Provokation. Diese Frage implizierte nämlich, und das erkannten erstaunlicherweise auch solche Zeitgenossen, die nicht zu den Intellektuellen gezählt wurden, dass das Wirtschaften der Menschengesellschaften so nicht weitergehen konnte. Pauschal dargestellt ergaben sich aus den Erkenntnissen folgende Anforderungen an die Menschheit, wenn sie ihre Fortexistenz nicht irreversibel gefährden wollte: Der Verbrauch von Ressourcen aller Art, die nach dem Verbrauchsprozess nicht wieder regeneriert werden können, muss eingeschränkt und am Ende durch erneuerbare ersetzt werden; der Einsatz von Verfahren, durch die Ressourcen langfristig zerstört oder einer nachhaltigen Nutzung entzogen werden, muss unterbleiben; der Mensch darf nicht mehr all das verwirklichen, was mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln machbar ist; das Anwachsen der Weltbevölkerung muss begrenzt werden.

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Jede Gesellschaftsschicht reagierte in der Weise, wie Menschen reagieren, wenn ihnen etwas weggenommen zu werden droht. Wenn etwas geändert werden müsste, dann gelte das erst einmal für die anderen. Die Reichen, so erklärten dieselben, dürften als die „Leistungsträger“ der Weltgesellschaft bei ihrer Entfaltung nicht eingeschränkt oder stärker belastet werden, weil sie ja die seien, die eine gesicherte Zukunft gewährleisten könnten, indem sie eine solche bewerkstelligten. Sie würden eine sichere Zukunft mit allen Mitteln der Wissenschaft, Technik und Wirtschaft sozusagen produzieren. Außerdem fiele ihr Beitrag zur Problementstehung genau wie ihr größtmöglich denkbarer Beitrag zur Problemminderung nicht ins Gewicht. Angefangen werden müsste in der breiten Masse. Wie die breite Masse der Weltgesellschaft die Lage beurteilte, muss nicht explizit erklärt werden. Dazu kamen die Stimmen aus allen Schichten, die im Stammtischjargon erklärten: „Dieser Ökofaschismus ist sowieso nur Unsinn. Das ging schon immer so und das geht auch weiter so.“

Das heißt für den Ressourcenverbrauch, mehr als fünfundneunzig Prozent der Menschen werden metaphorisch betrachtet so weiter jagen und so weiter sammeln, wie es ihrer artspezifischen Eigenschaft als Jäger und Sammler entspricht. Sie werden so viel verbrauchen, wie sie mit ihren jeweiligen Mitteln erlangen können, und alles nehmen, was ihr zivilisierter „Lebensraum“ ihnen bietet, und sich so verhalten, wie sich Menschen zu Urzeiten in ihren natürlichen Lebensräumen verhalten haben, welche für sie beim damaligen Stand der Technik praktisch unerschöpflich waren. Ohne es zu wollen, unterstreichen sie so die Prophezeiung, nach der die Menschheit in ihrer gegenwärtigen Organisationsform und den heute herrschenden Kulturen nicht zu retten ist.

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Der Club of Rome

Die Denker des Club of Rome ließen im Grundsätzlichen die von Großhirnen willkürlich geschaffene und nahezu zum Naturgesetz erklärte, systeminhärente Komplexität aller Wirtschafts- und Lebensvorgänge ganz bewusst außer Betracht und legten ihren Überlegungen die einfachsten naturgesetzlichen Wirklichkeiten zugrunde. Für einen außerirdischen Betrachter, der nur der reinen

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Logik vertraut, hätte sich dieser Denkansatz als eine für den modernen Menschen untypische, herausragende Leistung dargestellt, denn der moderne Mensch kann in seiner überwiegenden Mehrheit nicht mehr einfach und logisch denken, wobei gerade das ein Indikator für einen GMV wäre. Entweder er handelt seiner Art entsprechend weitestgehend gedankenlos, gegebenenfalls mit mehr oder weniger List, wie der Jäger und Sammler der Frühzeit – was zu jener Zeit kein Problem für seinen Lebensraum darstellte – oder er denkt so kompliziert bis hin zum Abstrusen in Hinsicht auf die vermeintliche Komplexität, dass die Hauptsache in den Hintergrund gerät – der Babylonische Talmud z.B. umfasst zwölf oder mehr Bände mit insgesamt Tausenden von Seiten, wo das Alte Testament doch schon reichlich genug skurrile Literatur rund um die Zehn Gebote darstellt. Die jeweils aufgezeigte Komplexität der Dinge ist dabei in den meisten Fällen ein dem Referierenden schulmäßig oktroyiertes oder von ihm selbst entwickeltes ideologisches Konstrukt. Die Veröffentlichungen des Club of Rome stießen damit bei den Pflegern der Pseudogenauigkeit auch sogleich auf heftigen Widerspruch, weil seine Aussagen nicht unmittelbar in mathematische Formeln gefasst waren oder sich nicht in solche fassen ließen. Sie argumentierten sinngemäß: Wenn man den Tag, an dem der Lebensraum Erde erschöpft ist, nicht vorausberechnen kann, ist die These von der Begrenztheit des Wachstums irrelevant. Alles sei viel zu vielschichtig, als dass es möglich wäre, solche Aussagen zu treffen, wie sie von den Mitgliedern des Club of Rome veröffentlicht wurden. Es gebe keine einfachen Zusammenhänge und keine einfachen Lösungen bezüglich der aufgeworfenen Fragen um die Erhaltung der Lebensgrundlagen. Als dann die Welt dreißig Jahre später immer noch nicht untergegangen war, sahen sich alle Kritiker des Club of Rome Reports in ihrer Einschätzung bestätigt, obwohl dieser weder einen Termin für den Weltuntergang noch diesen überhaupt vorausgesagt hatte. Jedenfalls wurde Wachstum wieder mehr als die Jahre zuvor als Allheilmittel zur Behebung der Probleme der Menschheit auf aller Welt angepriesen. Wenn es nicht quantitatives Wachstum sein dürfe, dann sollte es zumindest qualitatives sein, ohne dass auch nur ein einziger der Wirtschaftsexperten oder Philosophen, die mit den Begriffen um sich warfen, je plausibel erklärt hätte, wie sich solches denn gestalten sollte. Wahrscheinlich hätten beide Fakultäten ganz

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unterschiedliche Erklärungen abgegeben. Die einen hätten qualitatives Wachstum – ganz abgesehen von der fragwürdigen Definition – sicher zum Eigennutz, nämlich der persönlichen Bereicherung gepredigt, die anderen es eher zur Förderung des Gemeinwohls empfohlen. Die Mitglieder des Clubs of Rome indes vermieden jede höhere Philosophie und entwickelten keinerlei neue Ideologien. Sie stellten nur ganz sachlich unwiderlegbare, beweisbare Tatsachen fest, die bei aller Dezidiertheit ihres Berichtes auf eine ganz einfache Grundformel reduziert werden konnten, welche für jeden planetaren Raum und jede Zeit uneingeschränkte Gültigkeit hat: Verbraucht man unwiederbringlich von einem bestimmten Gut, das in seiner Masse nicht unendlich groß ist, wiederholt, kontinuierlich oder progressiv eine bestimmte Menge, ist dieses Gut eines Tages restlos verbraucht. Diese einfache, auf Grundschulmathematik aufgebaute Formel muss man nur auf alle Güter des täglichen Lebens, die unwiederbringlich verbraucht werden, übertragen und kann anhand der Verbrauchsmenge ermitteln, für welche Zeit das jeweilige Gut noch zur Verfügung stehen wird. Das gleiche gilt für die Menge der zerstörten Lebensgrundlagen wie Luft (Klima), Wasser und Erde (Böden). Die Menschheit verbraucht derzeit exzessiv auf allen Gebieten der Erde.
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Trivial sei das, erklärten die Scheinintellektuellen, das wisse doch jeder Vorschüler.

Es mag sein, dass es jeder weiß, aber da diese einfachen Tatsachen ein Problem darstellen, wird hier die dem Menschen eigene artspezifische Problemverdrängung wirksam. Der Mensch plant artspezifisch, wie im Grunde alle anderen Arten auch, nur den vollen Bauch, wobei allerdings zum vollen Bauch des modernen Menschen anno 2012 unter anderem ein SUV mit mehreren hundert PS und vieles ähnliches mehr gehört. Die strategische Planung der Zukunft seiner Art ist ihm wie allen anderen Arten fremd, weil in seinem Verhaltensmuster nicht angelegt. Selbst großhirngesteuert funktioniert eine solche Planung nicht, weil dazu ein arteigenes, angemessenes Problembewusstsein und eine arteigene Fähigkeit zum freiwilligen Verzicht Voraussetzung wäre. Immer noch setzen die führenden Eliten auf die Wachstumskarte, also auf Mehrverbrauch, als den universellen

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Problemlöser zur Erhaltung unseres erdachten und gelebten, inzwischen global wirkenden Gesellschaftssystems, das tatsächlich nur so lange halbwegs funktioniert, wie es exponentiell ansteigend mit immer mehr Ressourcen gefüttert wird. Auch die im Jahre 2012 amtierende deutsche Kanzlerin, promovierte Quantenphysikerin – was das allgemein mit Blick auf den GMV auch immer zu bedeuten hat –, setzte auf Wachstum, also in letzter Konsequenz auf Mehrverbrauch. Was den Menschen vielfach als aktiver Umweltschutz verkauft wird, wie etwa die angestrebte Verringerung des CO2-Ausstoßes, impliziert nicht selten einen erhöhten Ressourcenverbrauch und zusätzlich zur Vernichtung der Lebensräume unzähliger Arten zynischerweise sogar einen erhöhten CO2-Ausstoß. Das bedeutet in bestimmten Fällen: Die industriell produzierte Einsparung von CO2 produziert beim „Einsparungsprozess“ mehr CO2, als sie einsparen kann. Ein erschütterndes Beispiel ist hier im Kapitel fünf: „Angebliche deutsche Eigenschaften“, ab Seite 205 beschrieben. Es ist wie so oft ein politisch abgesegnetes Paradoxon aber es schafft Wachstum und einige wenige Arbeitsplätze und vor allem gute Gewinne für die „Wirtschaftenden“.
Dieses Wachstum und die unmittelbar damit einhergehenden Arbeitsplätze dienen in letzter Konsequenz nur der Belastung oder Zerstörung des Lebensraumes. Die Menschheit und die Schöpfung insgesamt profitiert davon nicht. Und es ist nur ein Beispiel von unzähligen anderen Vorgängen. Der Freigeistige kann sich nicht vorstellen, dass eine Kanzlerin oder ein Kanzler das nicht genau weiß. Weswegen sie alle das System trotzdem ohne Rücksicht auf die Folgen weiterpflegen, bleibt vorerst einmal ein Geheimnis der Politik. Steuert die Gesellschaft nach beharrlichem Festhalten am untauglichen Modell und nach Jahrzehnte dauernder Diskussion doch irgendwann einmal um – meistens geschieht das, wenn die betreffende Profitquelle so gut wie erschöpft ist – haben die Wirtschaftsmächtigen auf Kosten der Zukunft der Menschheit reichlich genug Kapital gesammelt, um zum Zwecke der Befriedigung ihrer Jagd- und Sammelleidenschaft den nächsten Wachstums- und Zerstörungsakt zu finanzieren. Die Ressourcenvernichtung dient dabei zum größten Teil nur noch dem Kapitalisierungsprozess und kommt dem persönlichen Verbrauch der Menschen insgesamt nicht einmal mehr zugute, erzeugt also keinen allgemeinen Anstieg des Wohlstandes, weder des ideellen noch des materiellen. So ist z.B. in Deutschland während der letzten

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zwanzig Jahre der Lastkraftverkehr um fünfzig Prozent und der Personenkraftverkehr um fünfunddreißig Prozent gestiegen und hat damit Wachstum nachgewiesen, denn es wurden mehr Verkehrsmittel produziert, Straßen gebaut und repariert, mehr Energie verbraucht und damit CO2 produziert. Während derselben zwanzig Jahre erlangten die Deutschen jedoch keinen Lohnzuwachs, sondern mussten Einkommenseinbußen und Kaufkraftverlust hinnehmen. Während derselben Zeit bürdete sich die Gesellschaft durch eine stark ansteigende Staatsverschuldung sogar eine zusätzliche Zahlungsverpflichtung auf. Alle Steigerung der wirtschaftlichen Aktivitäten und damit des Ressourcenverbrauchs dieser letzten zwanzig Jahre diente damit unter dem Strich der Rechnung nur des Transportes von Geld und damit Macht aus den Händen der breiten Masse der Gesellschaft hin in die Hände weniger Profiteure. So irrsinnig ist das System, das die moderne Menschheit großhirngesteuert zu ihrer Lebensbasis gemacht hat! Das erschütternde Beispiel hierfür auch ab Seite 170. Dass die ihre Macht ausbauenden Profiteure dieses System hegen und pflegen, kann den Freigeistigen nicht verwundern. Weswegen alle anderen willfährig dabei mitmachen, müssen wir versuchen zu ergründen. (Siehe Seiten 160-161 und 206)

Ganz aktuell im Mai 2012 wagten die Wissenschaftler des Club of Rome wieder eine Prognose für die nächsten vierzig Jahre. Diese Prognose fiel sehr moderat aus. Man konnte sich kaum des Eindrucks erwehren, dass das Kolloquium nun nicht noch einmal so unglaubwürdig wie vor vierzig Jahren als Schwarzseher und Miesmacher daherkommen wollte. Das für den Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts vorausgesagte globale Desaster sei ausgeblieben, wurde erklärt, womit man wohl einräumen wollte, dass die Menschheit und der Planet, wie hier zu Anfang schon bemerkt, noch existieren. Es ist allerdings eine sehr subjektive Bewertung des gegenwärtigen Zustandes, denn der Freigeistige und manche andere empfinden die gegenwärtige Verfassung der Erde schon desaströs genug. Der damals prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels wird erst in vierzig Jahren einen halben Meter betragen, korrigierte man sich, als ob vierzig Jahre gemessen an der Erd- und Menschheitsgeschichte eine Bedeutung hätten und diese vierzig Jahre

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ganz neue Entscheidungs- und Handlungsspielräume eröffneten. Aber die Pfleger der Pseudogenauigkeit eiferten, alles sei falsch berechnet worden und damit nicht verwertbar. Erst in vierzig Jahren wird das Eis der Arktis im Sommer verschwinden und das neue Wetter wird Landwirte und Urlauber treffen, als ob nicht schon Schiffe im Sommer des Jahres 2010 die früher undenkbare Nordpassage befahren hätten und als ob sich nicht schon in den letzten Jahren Hitzewellen, Dürren, Stürme und Überflutungen früher unbekannten Ausmaßes ereignet hätten. Der Zuwachs der Weltbevölkerung wird früher als erwartet stagnieren, weil die Geburtenzahlen der immer mehr in Städten lebenden Menschen stark fallen werden, prognostizieren die Wissenschaftler heute ganz moderat. Entweder haben sie jetzt Valium genommen oder sie wollen solches verteilen.
Dem Freigeistigen ist diese Einschätzung jedenfalls so plausibel wie die Annahme, Katzen würden sich nicht mehr so stark vermehren, wenn sie in Wohnungen gehalten würden. Weswegen sollten sich Menschen in Rio und Mumbai oder in Gaza Stadt und Jerusalem nicht weiterhin so vermehren wie bisher? Es wird keinen Papst geben, der die Einkindfamilie predigt und der die Anwendung der modernen Schwangerschaftsverhütung empfiehlt. Es wird auch keinen reformierten Islam, reformierten Hinduismus oder sonstigen reformierten Kult geben, der sich mit den wirklich brennenden Fragen der Gegenwart und der Zukunft beschäftigt. Das entspricht artspezifischem Verhalten.
Der Höhlenmensch im modernen Menschen denkt nur vom Sonnenaufgang bis zum Frühstück und beschäftigt sich mit seinen Höhlenbildern. Mehr war nicht vonnöten und viel Höheres konnte nicht entwickelt werden. Der Club of Rome nennt die neuen Kinderhemmer nicht beim Namen, weil die Menschen das nicht hören wollen. Sie heißen Hunger, Verelendung und frühes Sterben. Lapidar erklären sie weiter, dass die Weltbevölkerung (die Menschheit) kaum bereit sein wird, die Natur um ihrer selbst willen zu schützen. Die Artenvielfalt wird darunter leiden. Mit dieser Formulierung stellen sie den Menschen außerhalb der Natur auf, als ob die Menschheit die Fähigkeit hätte, außerhalb der Natur zu überleben. Diesen durch die Religionen gestützten Irrtum wird die Menschheit noch teuer bezahlen müssen.

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Die Menschheit habe die Ressourcen der Erde ausgereizt und wir würden in einigen Fällen schon vor 2052 einen örtlichen Kollaps erleben, wurde des Weiteren erklärt. Wir stießen jedes Jahr zweimal so viel Treibhausgas aus, als die jetzt noch bestehenden Wälder und die Meere absorbieren könnten. Weil steigende soziale Eingriffe vorgenommen würden, ließen sich die Folgen der Ressourcen- und Klimaprobleme so in Grenzen halten, dass sie keine katastrophalen Ausmaße annähmen. Es würde jedoch zu unnötigem (aber jetzt nicht mehr abwendbarem) Leiden wegen unverminderter Klimaschäden kommen.

Wenn man diese letzten beiden Sätze nicht nur liest, sondern sie weiter denkt, steht darin geschrieben, dass der Ressourcenverbrauch trotz stagnierenden Bevölkerungszuwachses steigen wird, obwohl die Lebensqualität und der Wohlstand abnehmen.

Einige wie China und andere sogenannte Schwellenländer werden in den nächsten Jahren an Lebensqualität gewinnen, andere, vor allem die derzeitigen globalen Eliten, werden an dieser verlieren. Der Rest der Welt wird arm bleiben. Alle, besonders die Armen, werden in einer zunehmend chaotischen und klimageschädigten Welt leben, wurde schlussendlich festgestellt.

Diese Verlautbarung des Club of Rome fiel mitten in die Zeit, in der der Freigeistige diesen Gedanken freien Lauf ließ. Und gerade in dieser Zeit riefen alle „Verantwortlichen“ lauter denn je nach dem Wunderheilmittel Wachstum. Die ganze Situation lässt sich einfach mit den Worten des Freigeistigen umschreiben: Eine Art schafft sich ab.

Nicht eine einzige andere Art auf diesem Planten hat sich so uneingeschränkt ausgebreitet wie der Mensch. Der moderne, zivilisierte Mensch besetzt jedes Biotop, selbst wenn es grundsätzlich für ihn nicht geeignet ist, mit irreversiblen Folgen für die Ökologie. Selbst ökonomisch betrachtet sind viele Okkupationen völlig sinnlos. Er befriedigt damit seinen anachronistischen Pioniergeist, bekämpft damit systeminhärente Langeweile oder besteht damit nach

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hedonistischen Gesichtspunkten auf einen ihm zustehenden Spaß. Die Menschen schätzen in der Mehrheit ihre Situation Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts so ein, dass sie private Weltraumtrips und öffentlich finanzierte Erkundungsreisen zum Mars als eine Herausforderung der Menschheit betrachten. Mit dieser Grundeinstellung arbeiten sie, für die Prioritäten blind, beharrlich an ihrem Niedergang. Sie werden auch fortan den unvernünftigsten Großhirngespinsten nachjagen, nur jetzt global und nicht mehr nur als eine Zivilisationszelle an irgendeinem Ort auf dieser Erde, und damit den Lebensraum für alle Arten auf diesem Planeten auf Jahrhunderttausende schädigen. Sie werden die unsinnigsten neuen Dinge erfinden und die unsinnigsten neuen Ansprüche erwecken, nicht um selbstlos andere Menschen zu beglücken, sondern ausschließlich um ihren eigenen archaischen Jagd- und Sammeltrieb zu befriedigen. Die Wandertriebhaften werden die unsinnigsten Reisen unternehmen und das letzte Refugium gefährdeter Arten besetzen; die Sesshaften werden auf die unsinnigste Weise mobil sein („müssen“), bis nichts mehr geht. Bevor der Mensch seine durchgreifende Immissionswirkung durch eigene Minimierung verliert, werden Millionen von anderen Arten endgültig verloren sein. Zum Leidwesen allen anderen Lebens wird der Urheber der Entwicklung erst am Ende dieser an die Reihe kommen.

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Ein Lebensraum verschwindet

Dass die Ressourcen und der Lebensraum endlich sind, ist nicht eine dumpfe, diffuse Ahnung des Freigeistigen, sondern es ist erlebte Realität. Als ER ein Kind im Alter von wenigen Jahren war, lernte ER an der Hand der Eltern das heimische Moor kennen. Da waren noch die das Hochmoor bildenden Torfmoose zu finden, der Sonnentau wuchs im nährstoffarmen Biotop und große Flächen von Wollgras leuchteten weiß in der flachen Moorlandschaft. Viele Amphibien und Reptilien lebten hier. Im Alter von sechs Jahren hatte er sie alle kennen gelernt, verschiedene Arten von Fröschen, Molche, Eidechsen, Blindschleichen, die Ringelnatter und die Kreuzotter. Über den angrenzenden Feldern und Wiesen sang die Feldlerche, im Moor hörte man die feine Stimme der Goldammer und in jedem Frühling meldete sich mit melodischem Flöten der Große Brachvogel zum Brutgeschäft an. Diese Landschaft war schon damals von Menschen überbevölkert. Sie hätten leben müssen von dem, was die Natur Jahr

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für Jahr durch die „vier Elemente“ hinzu wachsen lässt, aber sie waren nach ihrem Stand der Zivilisation darauf angewiesen, den Torf des Moores zu nutzen. Mit der Kraft ihrer Hände abgebaut, hätte das Moor vielleicht einige hundert Jahre für den persönlichen Verbrauch der angesiedelten Bevölkerung ausgereicht. Dann aber wurden große Maschinen eingesetzt und der energiereichere Schwarztorf wurde weit verbreitet in Hausbrandöfen, in am Moor angesiedelten Industrien und in Kraftwerken verbrannt. Der junge Weißtorf wurde im Land- und Gartenbau unsinnigerweise in die Erde eingebracht, als wären alle Tausende Jahre vorher Pflanzen nicht gewachsen, ohne Torf unter den Wurzeln zu haben. Sogar Palmen duften nun in Torfsubstrat heranwachsen. Mit dem Abbau wurden die Moorflächen zur restlosen Verwertung trockengelegt. So vergingen vielleicht zehn Jahre, als eines Frühlings der Große Brachvogel nicht wiederkam. Das Ausbleiben dieses imposanten Schnepfenvogels war für den jugendlichen Freigeistigen ein nachhaltiges Verlusterlebnis, und es ging so weiter. Nach weniger als dreißig Jahren gab es das heimische Moor nicht mehr, es war restlos verbraucht und alle oben aufgeführten Arten waren ihres Refugiums beraubt wie viele andere, nicht aufgezählte auch. Ganz abgesehen von dem herben Verlust, den der Freigeistige persönlich empfindet, ist dieses nicht zum Nachweis seiner Sentimentalität geschrieben. Es soll nur zeigen, dass all das, was der Mensch auf diesem Planeten unwiederbringlich verbraucht, irgendwann erschöpft ist, es ist jeweils nur eine Frage der Zeit. Was der Mensch im Falle dieses Moores innerhalb von dreißig Jahren verbraucht und für die anderen Arten zerstört hat, würde, wenn man es „wiedervernässt“ der Natur überließe, dreißigtausend Jahre in Anspruch nehmen, um es wieder entstehen zu lassen. Das aber überhaupt nur dann, wenn die an der Entstehung erforderlichen Arten noch nicht restlos ausgestorben sind. ER hört die Masse der modernen Jäger und Sammler fragen:

„Wozu brauchen wir denn Frösche, Molche, Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern, Kreuzottern, Feldlerchen und Brachvögel.“

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„Als Zeichen dafür, dass der Lebensraum noch lebendig ist und nicht im Sterben liegt“, möchte ER antworten, aber zu wenige verstehen diesen Zusammenhang.

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Atomkraft

Wie unvernünftig und wirklichkeitsfremd, von Wunschvorstellungen geleitet der Mensch mit potentiellen Ressourcen umgeht, soll in den folgenden Absätzen am Beispiel der Atomenergie verdeutlicht werden.

In seiner Jugendzeit erlebte der Freigeistige die halbe Welt trunken vor Optimismus, die ganze für den kontinuierlichen Fortschritt der Zivilisation notwendige Energie würde für alle erdenkliche Zukunft durch die Nutzung der Kernenergie bereitgestellt werden können. Eine Patrone in den heimischen Herd geladen und wir kochen für alle Ewigkeit, das war die verbreitete Illusion. Ob diese Vision von Wissenschaftlern so kommuniziert wurde oder es reines Wunschdenken von Volksvertretern einer fortschrittsgläubigen, energiehungrigen Gesellschaft war, ist im Nachhinein nicht mehr genau feststellbar. Wahrscheinlich aber war die Euphorie ausgelöst worden durch naive Fachwissenschaftler ohne allgemeinen Überblick, durch Politiker und durch Lobbyisten einer Industrie, die in der Kernenergie eine unerschöpfliche Geldquelle vermutete. Die schon früh aufkommende Frage, wohin mit dem Atommüll, wurde nach dem Prinzip der dem Menschen arteigenen Problemverdrängung bearbeitet.
Was aber bis in die Gegenwart kaum ein Mensch zur Kenntnis nimmt, ist, dass die Kernenergie unter Einsatz der einzig bekannten, einsetzbaren Technologie keinen bedeutsamen Betrag zum derzeitigen Gesamtenergieverbrauch der Menschheit leisten kann. Die damals als Energie für alle Zukunft angepriesene Kernenergie ist begrenzter als die meisten anderen zur Verfügung stehenden Energieträger. Gleichwohl hatte sich ein früherer, langjähriger Ministerpräsident des Bundeslandes Niedersachsen mit der Kompetenz eines Keksfabrikmanagers unter Aufbietung seiner ganzen Macht und mit der Unterstützung zweier Bundeskanzler für die Errichtung eines Atommüllzwischenlagers und eines Atommüllendlagers in der Gemeinde Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg eingesetzt. Er begründete sein Streben öffentlich mit der Notwendigkeit, kommenden Generationen das Überleben sichern zu müssen. Er

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müsse für diese zukünftigen Generationen den Atommüll aufbewahren, damit sie mit bis dahin entwickelten neuen, noch intelligenteren Technologien ihre überlebensnotwendige Energieversorgung gewährleisten können. Ein solches strategisches Denken seitens eines Politikers war für den damals jungen Freigeistigen frappierend. Noch heutzutage genießen diese Politiker, wie dieser Ministerpräsident und die beiden Bundeskanzler, höchste Anerkennung für ihre politischen Leistungen. Allein schon deshalb hegt der Freigeistige größte Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Menschheit, wie wir sie heute kennen. Da diese Überlebensfähigkeit seitens Politiker in einen Kontext mit der Atomenergie gebracht wurde und diese Diskussion auch heute, dreißig Jahre später, noch nicht beendet ist, möchte ER in diesem Kontext einen Beitrag zur Diskussion abgeben.

Ein guter Bekannter, der durchaus eine kritische Einstellung gegenüber der Atomenergie hegte, war seit seinem Besuch in einem Atomkraftwerk hin und her gerissen von seinen Eindrücken. Er habe ideologische Federn lassen müssen, erklärte er, was darauf schließen ließ, dass er seine frühere Haltung nicht auf der Basis naturwissenschaftlicher Einsichten erlangt hatte, sondern eher der allgemeinen Antiatomstimmung gefolgt war. Bei der Führung durch den Block 6 des Atomkraftwerks Lubmin bei Greifswald, der übrigens niemals eine einzige Kilowattstunde Strom erzeugt, ja nicht einmal einen Kernbrennstab gesehen hat, wurde die Atomtechnik seitens der Atomvertreter in den schönsten Farben dargestellt. Dieses Atomkraftwerk war in den Augen der Besucher eine wahrhaft saubere Anlage. Die Kontrollräume waren steril wie ein Operationssaal, die Armaturen glänzten und nirgendwo war ein Schornstein, der eine Spur von Rauch oder Staub in der Luft beförderte, nicht einmal Dampf stieg irgendwo auf. Wie schon gesagt, der Block 6 war nie in Betrieb genommen worden. Die Jäger und Sammler der Atomlobby beschrieben die Früchte der Atomenergie so süß, dass das Antiatomgefühl des Besuchers überdeckt wurde vom Appetit auf diese verheißungsvollen süßen Früchte – ein durch die artspezifischen Eigenschaften des Jägers und Sammlers gestützter plausibler Vorgang. Für ein intellektuell gestütztes Festhalten an der Ablehnung fehlte ihm das notwendige Wissen, wobei selbst ein solches Wissen die auf

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archaische Verhaltensweisen zurückzuführende Sinneswandlung nur schwer hätte beeinflussen können. In einem Aufsatz über den Besuch hatte er dann am 09.04.2008 unter dem Titel Atomkraft Fragen gestellt, die ihn seit seinem Besuch im Atomkraftwerk beschäftigten. Er hätte den Eindruck gewonnen, dass in der Sache – seitens der Atomkraftgegner – viel polemisiert würde. Nach einer Rücksprache mit ihm hat der Freigeistige die Fragen des Bekannten, so gut er konnte, beantwortet. Die gewisse Süffisanz sollte Kurzweile aufkommen lassen und den in frischer Art formulierten Fragen gerecht werden.

Der gute Bekannte hatte einen neuen Begriff, die Polemik, zusätzlich zur Ideologie eingebracht. Der Freigeistige bot ihm daraufhin an, seine Fragen zur Atomkraft frei von Ideologien zu beantworten, wollte aber gern ein wenig Polemik hineinlegen, wenn damit gemeint war, dass oft ein wenig über die reine Sache hinaus referiert wird. Die Polemik stand aber hierbei für sich und sollte nicht darauf schließen lassen, dass Ideologien im Zentrum der Diskussion standen. Also, Ideologien nein, Polemik ja, sollte die Prämisse sein. Die Polemik soll in einem solchen Dialog Akzente setzen, mit der Nase auf das Wesentliche stoßen. Sie darf ein wenig selbstgefällig sein, sie kann, aber sie muss nicht zwangsläufig Anstoß erregen.

Er habe ideologische Federn lassen müssen erklärte der Bekannte. Dass dieses in Wahrheit nicht der Fall war, sei folgendermaßen erklärt. Einer Ideologie liegt immer eine Lehre zugrunde. Sie ist ein Konstrukt des menschlichen Großhirns, ein Konstrukt, welches im Falle einer Ideologie dadurch gekennzeichnet ist, dass es stofflich nicht vorhanden und seine nichtstofflige Existenz unter Zugrundelegung der Naturgesetze nicht beweisbar ist. Seine ursprüngliche Ablehnung der Atomkraft war aber nicht begründet mit einer unbeweisbaren Lehre, die er vertrat, sondern resultierte aus einer Intuition, nach der ihm Atomkraft wegen ihrer schwierigen Handhabbarkeit suspekt war. Rein ideologisch geprägt wäre eine Diskussion, wenn sie in etwa wie folgt geführt würde:

Gott der Herr hat uns die Atomkraft geschenkt. Wir wissen, sie ist gefährlich, aber wir müssen sein Geschenk annehmen, sonst

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wird er unserer zürnen und wir werden alle nicht das ewige Leben erreichen.

Oder aber: Die Atomkraft ist ein Werk des Teufels. Sie ist zwar vollkommen ungefährlich, aber wir dürfen sie nicht nutzen, sonst wird Gott der Herr unserer zürnen und wir werden alle nicht das ewige Leben erreichen.

Solche ideologischen Auseinandersetzungen lassen also Sachargumente erst gar nicht zu und sind der Menschheit ja keineswegs fremd. In der Diskussion um die Atomkraft aber sind kaum Ideologien auszumachen. Es gibt zwei Hauptquellen, aus denen der Streit gespeist wird; auf der einen Seite sind es vulgär materielle Interessen Einzelner in der Atomwirtschaft und auf der anderen die vitalen Bedürfnisse der Menschen in ihrer Mehrheit. Einfach formuliert: Der eine will maximalen Profit, der andere ein Leben ohne die ständige, begründete Befürchtung, einmal das gleiche Schicksal erleiden zu müssen wie die vielen hunderttausend Opfer von Tschernobyl. Und der andere wollte damals außerdem nicht, dass irgendwelche andere Menschen eines Tages ein solches Schicksal erleiden müssten, wenn das nächste Unglück wie z.B. in Fukushima Wirklichkeit werden könnte. Beiderseits stehen also Sachargumente im Vordergrund. Über die Verhandelbarkeit der Argumente entscheidet am Ende allein die Ethik.

Bei der Beantwortung der Fragen wollte der Freigeistige so kurz und knapp wie möglich jeweils das Fazit herausstellen. Kleinkariertes, eine große Menge an Zahlen und Fakten sowie naturwissenschaftliche Zusammenhänge im Einzelnen hätten vom Wesentlichen abgelenkt und ergäben zusammen etwa eintausend Seiten, eng beschrieben.

Die erste Frage des hin und her gerissenen Atomkraftskeptikers lautete: Gibt es hundertprozentige Sicherheit?

Nein, es gibt sie nicht und es wird sie niemals geben, weder im menschlichen noch im technischen Bereich. Das behauptet auch

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kein ernstzunehmender Mensch auf diesem Planeten. Die drei schwersten Unfälle von Atomreaktoren innerhalb der letzten fünfunddreißig Jahre – die hochintelligenten Urheber der Wahrscheinlichkeitsrechnungen ermittelten für alle einhunderttausend Jahre die Möglichkeit eines solchen Unfalls – sollten Beweis genug sein, dass die Kernkraftgegner nicht von einer Atomunfallideologie getrieben sind. Nach der statistischen Wahrscheinlichkeit unter Einbeziehung der Gaußschen Normalverteilung dürfte nun bei gleichbleibender Kernenergieproduktion für mehrere hunderttausend Jahre kein Kernkraftwerk mehr havarieren. Wer das glaubt, glaubt auch an eine bessere Menschheit und steht völlig abseits der Wirklichkeit. Hundertprozentig sicher ist nur, dass das Universum keinen Anfang und kein Ende hat, wenn auch die meisten Menschen sich das nicht vorstellen können.

Die zweite Frage: Welche Vor- und Nachteile ergeben sich bei erneuerbarer Energie?

Der Begriff an sich ist irreführend, aber wir wissen vermutlich, was damit gemeint ist. Sie ist im Ursprung ausschließlich Energie aus unserer Sonne, die wir unmittelbar oder kurzzeitig versetzt nutzen, und steht uns, wenn nichts Ungeahntes dazwischen kommt, noch für einige Milliarden Jahre zur Verfügung. Sie ist nutzbar in Form von Licht in Verbindung mit Fotovoltaik und Fotosynthese (Biomasse) sowie in Form von freier Wärme und Wärme indirekt als Wind- und Wasserkraft.

Die Energie, die wir aus den fossilen Energieträgern wie Holz, Torf, Kohle, Erdöl und Erdgas beziehen, ist in ihrem Ursprung auch Sonnenenergie. Aber sie ist Sonnenenergie, die in einem Zeitraum zwischen hunderten Jahren und dreihundert Millionen Jahren durch Fotosynthese chemisch gespeichert wurde. Dieser chemische Speichervorgang hat unseren Planeten erst für Menschen und Tiere der gegenwärtigen Arten bewohnbar gemacht. Wenn wir alles Gespeicherte aufbrechen und verfeuern, ist der Planet demnach am Ende nicht mehr bewohnbar. Die Menschheit hat es derweil mit ihren Werkzeugen so weit gebracht, dass sie während der nächsten tausend Jahre ihren Planeten in einen klimatischen und atmosphärischen

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Zustand zurückversetzen kann, in dem er sich vor mehr als dreihundert Millionen Jahren befunden hat, nur mit dem Unterschied, dass die Land- und Wassermassen dann eine andere Verteilung aufweisen werden.

Es gibt dann noch geothermische Energie – nicht zu verwechseln mit Erdwärme, die reine Sonnenenergie ist – und Gezeitenkraft, die aber im eigentlichen Sinne nicht erneuerbare Energien sind. Die Nutzung der ersteren kühlt die Erde – nicht die Atmosphäre – herunter mit nicht erforschten Folgen für die Tektonik, die letztere verprasst die Rotationsenergie der Erde, womit die Tage und Nächte immer länger würden, aber bei beiden könnte es einige tausend Jahre ohne schwerwiegende Folgen bleiben.

Die Vorteile der erneuerbaren Energien liegen in deren relativ unbegrenzter Verfügbarkeit. Solange die Sonne in ihrer derzeitigen Ausdehnung existiert, kann sie mehr Energie liefern, als Menschen solche jemals würden nutzen können. Sie können in den unterschiedlichen Formen jeweils dezentral dort genutzt werden, wo sie vorkommen. In Verbindung mit Kleinkraftwerken mit Kraft / Wärmekopplung werden weniger Fernstromleitungen („Stromautobahnen“) gebraucht, als es bei zentralistischen Netzstrukturen der Fall ist. Zwar behauptet die Großenergiewirtschaft, es würden im Rahmen der „Energiewende“ mehr Fernstromleitungen gebraucht, aber diese Behauptung dient nur der Profitbeschaffung für Leitungshersteller und Trassenbauer und ist genau so falsch wie die frühere Behauptung: „Ohne Atomenergie gehen die Lichter aus.“ Mit flächendeckender Nutzung der Kraft/Wärmekopplung würde der CO2-Ausstoß bei gleichem Industrie- und Haushaltsstromverbrauch und gleicher Nutzwärmeerzeugung unter 50% sinken. Bei Einsatz der Kraft/Wärmekopplung im Bereich der Mobilität, also bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen, würde der CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs bei gleicher Kilometerleistung unter 50% sinken. Diese mindeste Halbierung des CO2-Ausstoßes in Verbindung mit Kraft / Wärmekopplung ist erreichbar bei Einsatz von fossilen Primärenergieträgern wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Das heißt, wir verlängerten allein durch intelligenten Umgang mit den fossilen

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Energieträgern unsere Galgenfrist bezüglich Klima und Ressourcenerschöpfung um das Doppelte. Für diesen Zeit- und Ressourcengewinn müsste nicht ein einziger Regenwaldbaum gerodet werden. Daraus ergäbe sich eine relativ gute Umweltverträglichkeit, wenn die erneuerbaren Energien mit GMV genutzt würden, aber auch nur dann. Allerdings würde nichts mehr gehen wie bisher, was der Freigeistige durchaus als Vorteil betrachtet. Das könnte letztendlich weltweit zu absoluter Vollbeschäftigung führen, ohne dass Arbeitslosenstatistiken gefälscht werden müssten.

Die Nachteile der Erneuerbaren sind schwieriger auszumachen. Als allgemeinen Nachteil möchte man anführen, dass mit steigendem Anteil regenerativ erzeugten Stromes die Bewirtschaftung der Stromnetze komplizierter wird. Wenn man aber die Fortschritte der Informatik nicht nur zur Belustigung und Beschäftigung gelangweilter Menschen aller Altersgruppen einsetzte, wäre diese notwendige intelligente Bewirtschaftung eine annehmbare Herausforderung. Die Betriebswirtschaftler werden als Nachteil anführen, dass die erneuerbaren Energien kostenträchtiger zu produzieren seien. Wir müssten also mehr Arbeitseinsatz für die Erzeugung einer elektrischen Einheit erbringen. Bildhaft dargestellt kann man sagen, die gebratenen Tauben fallen uns nicht in den Mund, sondern wir müssen nach diesen schnappen. Genau das sieht aber der Volkswirtschaftler nicht als Nachteil. [Siehe oben unter Vorteile, den letzten Satz.] Ein fataler Nachteil der Erneuerbaren zeigt sich dann, wenn der GMV auf der Strecke bleibt. Ohne Verstand, nur den ideologischen Lehren des Marktes gehorchend, droht im Segment Fotosynthese (Biomasse) eine globale Katastrophe in Form von Hunger und Verwüstung. Schon heute werden für die Erzeugung „erneuerbarer“ Kraftstoffe die Regenwälder rücksichtslos abgeholzt, abgebrannt und der Boden vergiftet, um Anbauflächen für Energierohstoffe liefernde Pflanzen zu gewinnen. Mit ein wenig Sarkasmus stellt der Freigeistige noch einen besonders gravierenden Nachteil der Erneuerbaren heraus: Die Atom- und Großenergiewirtschaft kann damit nicht so viel Profit erzeugen.

Die dritte Frage: Welche Vor- und Nachteile zeichnen die Atomenergie aus?

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Als Atomenergie gilt derzeit die bei der Kernspaltung von technisch angereichertem spaltbaren Natururan freigesetzte Wärme. Der Uranbrennstoff wird aus uranhaltigem Gestein gewonnen. In der Diskussion um die Kernenergie wird aber wohl ganz bewusst verschwiegen, dass die gesamten Uranressourcen der Erde bei derzeitiger Energieproduktion nur noch für wenige Jahrzehnte, vielleicht 50 Jahre reichen. Durch diese gezielte Täuschung wird verhindert, dass die Mehrzahl der Menschen zu der Einsicht gelangen kann, dass die Atomenergie überhaupt keinen nennenswerten Beitrag zum gesamten Energiebedarf in derzeitiger Größenordnung leisten kann. Dafür wird in Kauf genommen, dass diese Art der Nutzung der Atomenergie bei einem geringen Beitrag zum gesamten Energieaufkommen während des gesamten Produktionsprozesses Millionen von Tonnen hochproblematischen, mit unterschiedlicher Intensität und Art radioaktiv strahlenden, zum Teil auch chemisch giftigen Müll erzeugt. Ein großer Teil dieses Mülls ist beständig genug, um die Nachwelt auch noch in weit mehr als einhunderttausend Jahren zu beschäftigen. Der Sarkast würde sagen, Atomkraft ist sehr nachhaltig.

Als Vorteil können die Atomindustrie und die Energiegroßkonzerne einen großen Profit einfahren. Die Atomenergie ist nützlich für wenige Profiteure, allerdings hochgradig schädlich für das Gemeinwesen. Der Betriebswirtschaftler wird als Vorteil herausstellen, dass der Atomstrom ausgesprochen preiswert ist. Das darf dieser in seiner Fakultät völlig ungestraft verbreiten, weil wir, die derzeit lebenden Generationen, die Rechnungen für die Nachbehandlung des Atommülls zwischen den Jahren 2100 und 202100 nicht zahlen müssen. Der Volkswirtschaftler hingegen wird zu einem ganz anderen Ergebnis kommen, denn die jeweils erzeugte Atomenergie wird nicht nur in Zukunft nahezu unendliche Mittel verschlingen, sondern auch keine andere Energieform war in der Vergangenheit während der Entwicklungsphase so hoch subventioniert. Das heißt, den Minderbetrag bei der heutigen Atomstromrechnung hat der Verbraucher in den vergangenen fünfzig Jahren mit seinen Steuerbeiträgen vorgeleistet oder seine Kinder und

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Kindeskinder werden ihn bei der Begleichung der um den Betrag der Subventionen erhöhten Staatsverschuldung nachzahlen.

Ein ganz bedeutender Nachteil eines Atommeilers ist, dass man ihn nur zur Erzeugung einer Grundlast in Form einer zentralen Großanlage einsetzen kann, also ist er ausschließlich gut zur Stromerzeugung und zur Erwärmung von Atmosphäre und Flüssen. Die in die Diskussion geworfene und ehemals nur in Greifswald betriebene Auskopplung von Wärme zur sinnvollen Nutzung ist unter dem Strich ökonomischer und ökologischer Unsinn. Kaum der irrsinnigste Atomstrombefürworter käme auf die Idee, einen Atommeiler mitten in urbanisiertes Gebiet zu setzen, um damit auf rentable Weise ein Fernwärmenetz zur Wohn- und Gewerberaumbeheizung betreiben zu wollen. In der Mehrheit der Bevölkerung hält sich, soweit sie sich überhaupt informiert oder wenigstens interessiert, die Vorstellung, dass die Atomenergie einen großen Beitrag zum gegenwärtigen weltweiten Energieaufkommen leistet. Nach einer Größenordnung befragt, schätzen „Wohlinformierte“ diesen Beitrag zwischen 20% und 30%. Es ist das Ergebnis einer gezielten Desinformation, denn dieser Anteil bezieht sich ausschließlich auf die Stromerzeugung in einigen wenigen Industrieländern.
Was in der öffentlichen Diskussion aber niemals zur Sprache kommt, ist, dass der Anteil der Atomenergie am derzeitigen weltweiten Energieaufkommen weniger als fünf Prozent beträgt. Selbst wenn sie keinerlei CO2-Freisetzung verursachen würde, was aber nicht der Fall ist – sie wird desto trotz von der Atomlobby als CO2-neutral zum Klimaschutz angepriesen – könnte sie bei allen Risiken, die mit ihr einhergehen, für weniger als 50 Jahre den bescheidenen Beitrag von weit weniger als fünf Prozent zur Senkung der CO2-Freisetzung beitragen. Vor diesem Hintergrund ist der Beitrag der Atomenergie auch zum Klimaschutz vernachlässigbar geringfügig, denn es ist für die Menschheit einigermaßen gleich, ob sie durch den Klimawandel in fünfundneunzig oder in einhundert Jahren am Ende angelangt ist. Genauso gleich ist es, ob die Menschheit in dreihundert oder in dreihundertfünfzehn Jahren die Ressourcen aufgebraucht haben wird. Wir könnten also zur Vermeidung von unverantwortlichem Atommüll nahezu ungestraft diese fünf Prozent Energie sogar durch unintelligente Verbrennung

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von fossilen Energieträgern in Großkraftwerken erzeugen. Metaphorisch gesehen ist die Nutzung der Atomkraft ein kostspieliges Strohfeuer, das mit seiner Asche nicht einmal das Feld düngt, sondern es im günstigsten Falle nicht verseucht, wenn es der Menschheit gelingen sollte, die Asche Jahrhunderttausende zu hüten wie einen Sack Flöhe. Sie dient in Wirklichkeit nur den Profitinteressen Einzelner. Die Gefahren für das Gemeinwesen, die von einem möglichen Missbrauch der in den Meilern produzierten radioaktiven Stoffe bis hin zur Fertigung von Atomwaffen ausgehen, sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Die vierte Frage: Warum werden funktionierende Atomkraftwerke abgeschaltet?

Ganz einfach, weil man nicht funktionierende vielleicht nicht mehr abschalten kann. Siehe Harrisburg Three Mile Island; siehe Tschernobyl; siehe Fukushima.

Die fünfte Frage: Warum wird ein neues Kraftwerk nicht angefahren?

Die Frage bezieht sich wohl auf den Block 6 des Kernkraftwerks Lubmin bei Greifswald. Dieses Kraftwerk wurde zu DDR-Zeiten unter technischen Standards errichtet, nach denen ein Betreiber heute ein solches niemals mehr in Betrieb nehmen würde. Es ist also zu beobachten, dass die Skrupellosigkeit zumindest dort ihre Grenzen hat, wo die Wirtschaftlichkeit von vornherein nicht gewährleistet ist. Eine Umrüstung auf einen seitens der Betreiber vertretbaren Sicherheitsstand wäre unrentabel gewesen. Es war keine einseitige Entscheidung der Politik, das Kraftwerk nicht weiter zu betreiben bzw. den Block 6 nicht in Betrieb zu nehmen, sondern es hat sich kein Betreiber gefunden, der es eigenverantwortlich hätte betreiben wollen. Die Politik setzte immer das um, was die Wirtschaft vorgab. So könnte man sagen, ein neues Kraftwerk wird nicht angefahren, weil in diesem oder jenem Fall die Atomindustrie und die Stromwirtschaft nicht den rechten Profit erwarten. Ein solcher Fall ist auch das Steuergeldgrab „Bauruine Schneller Brüter“ in Kalkar. Zwar regte sich hier erstmals auf regionaler politischer Ebene Widerstand

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gegen diese besonders kritische Technologie, aber letztendlich erkannten die Industriellen, dass ein rentabler Betrieb nicht möglich sein würde, und verzichteten endgültig auf eine Betriebsgenehmigung. Sieben Milliarden D-Mark wurden sinnlos verbaut. Sogar die atomgläubigen Franzosen haben den Betrieb von Anlagen des Typs Schneller Brüter aufgegeben.

Die sechste Frage: Wie hoch ist die Strahlenbelastung natürlicherweise?

Gemeint waren hier wohl die Strahlungen, wie sie in der natürlichen Umwelt vorkommen. Die Intensität und Gefährlichkeit dieser natürlichen Strahlungsquellen ist sehr unterschiedlich. In Uranlagerstätten ist sie hoch – die australischen Ureinwohner wussten intuitiv, um welche Felsen sie einen großen Bogen machen sollten. Wo leicht Radon-Gas aus der Erde austritt, ist sie auch relativ hoch. Deshalb ist sie im Moor geringer. Alles in allem ist sie aber fast überall so milde, dass man gut mit ihr alt werden kann. Gefährdend ist sie jedoch in großen Höhen von über mehreren tausend Metern.

Die siebte Frage: Wie verhält es sich mit der Röntgenstrahlung?

Gern wurde erklärt, dass radioaktive Strahlung zu Unrecht dämonisiert würde; schließlich sei sie aus der modernen Medizin gar nicht mehr wegzudenken und würde dort segensreiche Wirkung entfalten. Dabei wird aber kaum erklärt, dass es sehr unterschiedlich wirkende Strahlungsarten und Strahlungsquellen gibt. Die Strahlungsbelastung beim Röntgen kann ganz unterschiedlich sein, je nachdem, wie oder was geröntgt werden muss. Beim Röntgen einer Rohrleitung zum Überprüfen der Schweißnähte im Atomkraftwerk oder auch im Kohlekraftwerk, ist die Belastung entsetzlich hoch, bei einem Backenzahn im Kiefer dagegen ganz niedrig. Röntgenstrahlung ist eine hochenergiereiche, elektromagnetische Strahlung, die mit radioaktiver Strahlung, wie sie in einem Kernreaktor entsteht, wenig gemeinsam hat. Ein Kernreaktor erzeugt außer Wärme ständig neue radioaktive Materialien und ist damit im wahren Sinne des Wortes eine multiple Strahlungsquelle. Ein Röntgengerät schaltet man ein und

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es strahlt wie eine Taschenlampe, nur kurzwelliger, energiereicher. Schaltet man es wieder aus, strahlt nichts mehr. Röntgenstrahlung löst keine Atomreaktion aus und verursacht somit auch keinen Atommüll. Röntgen bedeutet ganz einfach eine Güterabwägung: Entweder sterbe ich vielleicht bald an einer potentiellen Krankheit, die ohne Röntgenuntersuchung nicht erkannt wird, oder mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu einhunderttausend irgendwann an der Belastung durch Röntgenstrahlen. Hat aber jemand ein Tschernobylpartikel in der Lunge, hat er einen Dauerbrenner mit Halbwertszeiten zwischen ca. dreißig Tagen und einigen Millionen Jahren. Und hat er ein paar mehr davon im Körper, wie damals die Hubschrauberpiloten und die anderen „Liquidatoren“ von Tschernobyl, beträgt die Halbwertszeit dieses Menschen drei Tage. Noch heute, mehr als fünfundzwanzig Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl, sind große Gebiete für Menschen nicht bewohnbar; es sterben noch immer viele und es leiden noch immer hunderttausende an den gesundheitlichen Folgen der Verstrahlung.

Die letzte Frage: Wie wirkt schwachradioaktives Kontrastmittel in der Medizin?

Es wirkt schwach, wie die Bezeichnung schon sagt, und der Einsatz folgt einer Güterabwägung, wie oben beschrieben. Eingesetzt wird auch ganz gewiss nicht giftiges „schwachradioaktives Plutonium“ mit Halbwertszeiten von zigtausend Jahren. Die verwendeten radioaktiven Stoffe sind nicht giftig und haben Zerfallszeiten von wenigen Tagen bis zu wenigen Wochen, womit gewährleistet ist, dass der Patient nach einem Monat nur noch deswegen strahlt, weil er möglicherweise geheilt ist. Zur Herstellung der Mittel bedarf es allerdings eines Kernreaktors, den wir dann erdulden müssen. Da er aber von seinen Dimensionen her mit einem Atomkraftwerk nichts gemeinsam hat, wird es darüber einen Konsens geben.

Es hatte dem Freigeistigen trotz des Ernstes der Thematik Spaß gemacht, die Fragen des guten Bekannten zu beantworten. Sie

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waren sich am Ende einig darüber, dass die Jäger und Sammler, die heute mit der Atomkraft ihr Geld verdienen, trotz aller guten Gegenargumente Atomkraft als unverzichtbar anpreisen. Auch die Otto Normaljäger und -sammler, die, erfolgreich indoktriniert, glauben, dass ohne Atomkraft weltweit die Lichter ausgehen, wollen auf diese selbstverständlich nicht verzichten. Ein solcher Verzicht ist in den artspezifischen Verhaltensweisen der Jäger und Sammler nicht vorgesehen. Es ist übrigens eine offensichtlich typisch deutsche Eigenschaft, die Atomenergie mehrheitlich als nicht vertretbar einzuschätzen. Das mag damit zusammenhängen, dass die Menschen in Deutschland nach zwölf Jahren positiven Denkens während der Zeit des „Tausendjährigen Reiches“ zwischen den Jahren 1933 und 1945 einen anderen Blickwinkel auf verordneten Optimismus haben.
Leider ist die im Jahr 2011 im Lichte der Ereignisse um Fukushima zuletzt getroffene politische Entscheidung für einen unverzüglichen Ausstieg aus der Atomenergie nicht der Vernunft als Folge einer besseren Einsicht geschuldet gewesen, sondern es war opportunistisches Kalkül einer Regierung, die wenige Monate vorher die Verlängerung der Laufzeit der Atomkraftwerke durchgesetzt hatte. Diese politische Koalition fürchtete um ihre künftigen Wahlergebnisse, denn immerhin gibt es in Deutschland seit langem eine einfache gesellschaftliche und auch politische Mehrheit für eine endgültige Aufgabe der Atomenergieerzeugung.
Die Nachbarnationen Deutschlands und wahrscheinlich der überwiegende Rest der Welt können über so viel „German Angst“ nur milde lächeln oder den Kopf schütteln. Mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Österreich setzen alle unerschütterlich auf Atomenergie, als gäbe es keine Fakten. Ganz aktuell planen Polen und Russland sogar den Bau von zig neuen Kernkraftwerken, einhundertprozentig sicheren versteht sich. Was einen vom GMV geplagten Deutschen in diesem Kontext besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass der hochangesehene deutsche Altbundeskanzler Helmut Schmidt resümiert: „Die können doch nicht alle dumm sein“, was im Umkehrschluss bedeutet, dass er die Deutschen für dumm hält. Der Freigeistige dagegen hält die Deutschen in dieser und auch manch anderer Haltung nicht für dumm. ER denkt, der Welt könnte es gut bekommen, wenn sie die eine oder andere deutsche Eigenschaft aufweisen würde. Offensichtlich ist das deutsche Volk mit seiner Kultur dem guten Geist der indigenen Völker ein ganz klein wenig

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näher als der Rest der Welt. Aber das ist ein anderes Kapitel. So wie es aussieht, werden all die anderen mit wenigen Ausnahmen so weitermachen wie bisher. Bleibt hier am Ende die Frage, weswegen eine umweltverträglichere Energiewirtschaft ohne neue „Stromautobahnen“ – welch triviale Wortschöpfung – nicht vorankommt. Die Antwort ist einfach: Sie würde die Machtkonzentration und den Profit der energiewirtschaftlichen Großkonzerne schmälern.

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Mit der Grosshirn an die Wand

Um es zum Schluss des Kapitels noch einmal zu wiederholen, der Sprengsatz für die moderne Menschheit und den Planeten insgesamt liegt in den intellektuellen Fähigkeiten, also in diesem besonders hoch entwickelten Großhirn des Menschen, das zu dem derzeitigen anthropogenen Stand der Dinge geführt hat. Die Ideenproduktion aller Großhirne hat geradezu inflationären Charakter angenommen. Das Spektrum aller dieser entwickelten Ideen bewegt sich zwischen vernünftig und verheerend. Der Mensch kann zwar grundsätzlich zwischen vernünftig und verheerend unterscheiden, aber es gibt das unauflösbare Dilemma, dass er, gelenkt durch seine ursprünglich nützlichen, unter zivilisatorischen Bedingungen potentiell gefährlichen artspezifischen, triebhaften Verhaltensweisen, sogar als verheerend einzuordnende Ideen und Ideologien verfolgt. So schnell, so hoch, so weit, so bunt oder so viel wie möglich waren zu Urzeiten eben eher von Vorteil für die Horde, heute aber wirken diese arteigenen Zielvorgaben immer stärker verheerend. So schnell, so hoch, so weit, so bunt oder so viel wie notwendig wären Vorgaben der Vernunft, aber die Vorgaben der Vernunft sind für den Urmenschen in uns nicht attraktiv. Diesem Dilemma zu begegnen, bedürfte es der konsequenten Durchsetzung vernünftiger und der absoluten Unterbindung verheerender Ideen. Um eine solche Entscheidungshoheit entfalten zu können, bedürfte es aber zuerst einmal einer vernünftige Idee wie z.B. der Etablierung eines universellen globalen Machtapparates in Form einer „sozialfreundlichen, Frieden erzwingenden Diktatur“, welche allerdings schon einen gewissen Widerspruch in sich selbst trüge. Wie deshalb schon festgestellt, ist der Mensch zwar vereinzelt intellektuell grundsätzlich zur Vernunft fähig; diese ist jedoch in unserem, die Welt dominierenden Kulturraum nicht durchsetzbar, einem Kulturraum, der von Demokratien, wie sie derzeit definiert werden,

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beherrscht wird. Jede vernünftige Idee wird deshalb am Ende verheerenden Ideen unterlegen sein, wenn diese nur ein wenig mehr „Wohlstand“, „Freiheit“ oder alles in allem mehr „süße Früchte“ verheißen. Es ist so desillusionierend wie fatal; ein globales autoritäres Regime könnte letztendlich wenigstens theoretisch der Vernunft zur Geltung verhelfen, am besten, wenn eine Institution wie „Gott der Allmächtige“ persönlich – nicht seine Statthalter auf Erden – die Autorität darstellte; ein demokratisches System, wie es heute definiert ist, jedoch kann es grundsätzlich nicht, weil sich der Mensch immer noch so verhält, wie er sich als Höhlenmensch verhalten hat. Da aber auch ein autoritärer Weltstaat im Hinblick auf den Faktor Urmensch eine reine Illusion ist, bleibt dieses Dilemma bestehen. Damit kommen wir auf ein weiteres Problem der zivilisatorischen Menschheitsentwicklung, die Staatenbildung. Der Mensch ist von seinem Stamm der Primaten her ein Gruppentier, nicht einmal ein Herdentier, geschweige denn ein Tier, das geeignet wäre, Staaten zu bilden.
Die genetisch festgelegten artspezifischen Grundmuster seines Handelns sind auf ein Leben in einer kleinen Gruppe ausgerichtet, die einen Lebensraum nutzt, der für ihn keine erfassbaren Grenzen hat und der für ihn bei artgerechter Nutzung praktisch unerschöpflich ist. Zwar würde ihm der Weltstaat die geografische Grenzenlosigkeit, die sein frühzeitliches Leben so unkompliziert gemacht hat, in Aussicht stellen, aber seine Freizügigkeit müsste der Vernunft gehorchend eingeschränkt und seine arteigene innere Grenzenlosigkeit und Maßlosigkeit müsste machtautoritär unterdrückt werden. Ein evolutionärer Prozess, der einen Homo sapiens hervorbringen könnte, welcher geeignet wäre, freiwillig und zufrieden, ohne Aggressionspotential zu entwickeln, in solch einem Weltstaat mit der Arbeitsteilung eines Ameisenhaufens zu leben, würde mehrere hunderttausend Jahre in Anspruch nehmen. Mangels evolutionär erworbener Schwarmintelligenz wird die Menschheit deshalb in ihrer gegenwärtigen Form scheitern, sowohl bei den Anforderungen an das soziale Verhalten als auch bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ihres Lebensraumes Erde. Nachhaltig wird am Ende nur die Zerstörung ihrer irdischen Lebensgrundlagen gewesen sein, und die Weltraumfahrt – so viel, so schnell, so weit wie möglich – wird an dieser Nachhaltigkeit mitwirken, aber einen neuen Lebensraum wird sie der Menschheit nicht erschließen.

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Geschrieben sind diese Gedanken für Menschen, die sich Gedanken machen. Denen zu erklären, dass es im Grunde keine Aussicht auf eine Erhaltung unseres Planeten gibt, wie wir ihn heute kennen, macht den Freigeistigen nicht froh. Aber was kann ER tun, außer ihnen mit auf den Weg zu geben, seid auf alles gefasst. Sobald der Planet samt allem, was er außer dem Homo sapiens beherbergt, restlos ausgeplündert ist, wird er für die letzte überlebende Art mit Multimilliarden an der Zahl nicht mehr die materiellen vitalen Bedürfnisse erfüllen können. Wäre die Zeitspanne bis zu diesem Szenario mit Tausenden von Jahren zu kalkulieren, würde ER es vielleicht gelassener sehen und hoffen, dass die Menschheit irgendwann doch noch rechtzeitig reagieren wird. Aber alle Fakten, alle Erkenntnisse und Indikatoren weisen den Aufmerksamen darauf hin, dass zu Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts geborene Menschen schon Zeugen dieser Zäsur werden könnten.
Als ER ein junger Mann war, lebten drei Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Heute, fünfzig Jahre später, sind es sieben Milliarden. Und es gibt nicht die geringsten Anzeichen, welche die Hoffnung nähren, diese Entwicklung könne vernunftgesteuert umgekehrt werden. Im Gegenteil, es ist geradezu verhängnisvoll; weltweit wird eine Entwicklung vorangetrieben, die von einem Teil der Weltbevölkerung hoffnungsfroh Demokratisierung genannt wird. Am Ende einer sogenannten Demokratisierung steht dann aber immer ein System, das willfährig „neuen Märkten“ dient und als Folge dessen den Verbrauch an Ressourcen ansteigen lässt. Gleichzeitig geht jegliche Autorität einer potentiellen Vernunft verloren. Natürlich wird die Welt nicht plötzlich untergehen, wahrscheinlich wird diese Menschheit selbst mit ihren stärksten Mitteln diesen Planeten nicht atomisieren können, aber es wird einen Kampf um die letzten Ressourcen, am Ende ums nackte Überleben geben. Es wird Anarchie geben, deren Auswirkungen schwer vorauszusehen sind, oder es werden irgendwelche Machthaber darüber entscheiden, wer überleben darf und wer des Überlebens nicht wert ist. Solange es die gefüllten Arsenale gibt, kann die vermeintlich friedensstiftende Wirkung der Atomwaffen auch pervertiert werden. Aber selbst wenn alle Massenvernichtungsmittel restlos abgebaut wären, wird alles, was die Menschheit bisher an Barbarei erlebt hat, in den Schatten gestellt werden von dem, was dann als Folge von

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Mangel an überlebensnotwendigen Gütern an Agonie auf sie zukommt. Die Menschen werden dann unzählige Schuldige für den Niedergang suchen und finden, die wenigsten werden aber begreifen, dass die Ursache für diesen Niedergang in den Genen ihrer Art verborgen ist.

Kommen wir noch einmal kurz zurück auf die Diskussion um die Kernenergie. Ihre Nutzung ist nicht nur deshalb nicht sinnvoll, weil sie unter Berücksichtigung aller Kosten unkalkulierbar teuer ist, also einen nicht berechenbaren Einsatz an Arbeit und Material erfordert, und in ihrer nutzbaren Gesamtmenge gering ist. Wenn es keine Alternativen gäbe, wären nämlich diese Tatsachen allein – die allerdings von Seiten derer, die am Produktionsprozess der Kernenergie profitieren, tunlichst verschwiegen werden – kein Argument gegen eine Nutzung. Eine solche Argumentation ließe dann den Rückschluss zu, der Kernenergiegegner missgönne dem Betreiber nur den Profit. Das absolute Argument gegen eine Nutzung der Kernenergie jedoch ist die Tatsache, dass es reichlich Alternativen gibt und dass die Gefährdung, die von ihr ausgeht, unkalkulierbar ist. Deshalb hat sich die deutsche Bevölkerung aus Gründen der Sicherheit mehrheitlich für einen Ausstieg aus der Kernenergie ausgesprochen, eine einsame deutsche Entscheidung. Damit ergibt sich eine Überleitung zum nächsten Thema, den „typisch deutschen Eigenschaften“ wie sie von verschiedenen Seiten gern unterstellt werden.

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Fortsetzung wird folgen.

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1 Kommentar

  1. haluise sagt:

    Hat dies auf haluise rebloggt.

    Gefällt mir

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